Montag, 18. Februar 2019

{Rezension} Die Chroniken der Nebelkriege 1 - Der silberne Traum



Die Elfe Fi erwacht ohne Erinnerungen auf einem mysteriösen Schiff auf dem Meer. Nach und nach findet sie heraus, dass die böse Nebelkönigin Morgoya das Land und das Volk der Elfen unterworfen und versklavt hat. Gemeinsam mit ihren neuen Freunden, einer Möwe und einem Meermann, begibt sie sich auf eine möglicherweise tödliche Mission: ihr Zuhause zu retten.

Eine magische Geschichte über die Hintergründe der Nebelkriege und für alle Liebhaber des Meeres für jugendliche und junggebliebene Leser.

Thomas Finns legendäre Nebelkriege-Chroniken (ehedem Ravensburger) in prachtvoller Neuausstattung und in chronologischer Reihenfolge, beginnend mit der Vorgeschichte der Elfe Fi.

Figuren
Fi und Nikk sind die Hauptfiguren in „Der silberne Traum“, wobei sie von vielen anderen schillernden und auch unscheinbaren Protagonisten durch das Buch begleitet werden. Während Fi, ganz typisch Elfe, bedacht, sensibel und immer mit einer sanften Art an alles herangeht wirkt Nikk dabei immer einen Tick entschlossener und vielleicht auch haltloser, wenn man es so nennen will. Beide Figuren haben ihre kleinen Fehler, wobei Fi nach meinem Geschmack ruhig etwas mehr davon hätte haben können, denn auch Elfen können durchaus ihre Macken und Definzite besitzen.

Schreibstil
Thomas Finn entführt mit seinem nicht zu einfachem, doch gediegenem Schreibstil in eine liebevoll geschaffene Welt. Für gewöhnlich finde ich es immer schwierig, ein Buch als für fast alle Altersgruppen geeignet zu bezeichnen, doch hier trifft das durchaus zu. Der Autor schreibt auf eine Weise, die bildreich und leicht verständlich ist aber trotzdem nicht anspruchslos. Lediglich ein paar Szenen kamen mir etwas ungelenk vor, als sei er beim Schreiben eher darübergestolpert. Diese sind allerdings so kurz und spärlich verteilt, dass sie dem Lesefluss keinen Abbruch tun.


Inhalt
Fi ist eine Elfe, gibt sich jedoch als männlicher Elf aus. Zwar hat sie ihre Erinnerungen verloren und kennt daher den Anlass dazu nicht mehr, ist jedoch so geistesgegenwärtig, ihre Verkleidung nicht abzulegen, da diese sicher ihre Gründe hat. Und tatsächlich stellt sich schnell heraus, dass sie sich versteckt halten muss, da sie von ihren Feinden gesucht wird. 
Zwar wird der Grund ihrer Gedächtnislosigkeit erst einige Zeit später klar, doch ist die Situation, in der sie auf Koggs Windjammers Schiff erwacht schnell geklärt: Eine Sirene hat die gesamte männliche Besatzung entführt, welche nun in höchster Gefahr schwebt. Kurzerhand startet Fi eine Rettungsmission, in der sie unerwartet auch auf Nikk, einen Meermann trifft. Dieser ist auf der Suche nach einem Heilkraut, das seinem Vater, dem Meerkönig, das Leben retten soll.  Bereits jetzt müssen Fi und die anderen sich plötzlich mit Morgoyas Lakeien anlegen. – Hier wurde für mich beim Lesen schon auffällig, dass die Handlung doch sehr dicht gesetzt ist, allerdings mit genug Platz zwischen den wichtigsten Handlungsknoten, um ein wenig Ruhe einzubringen. 

Thomas Finn hat eine vielfältige, bunte Welt geschaffen mit dunklen Ecken und voller Geheimnisse. In dieser Welt leben nicht nur außergewöhnliche Kreaturen, sondern auch die typischen Wesen, die im High Fantasy immer wieder auftauchen. Sie alle tragen die Handschrift des Autors, haben neue Eigenheiten bekommen und auch stereotypische behalten.
Für Einsteiger in das Genre High Fantasy ist dieses Buch meiner Meinung nach echt super geeignet, denn statt der typischen langen Kämpfe setzt der Autor hier mehr auf das Abenteuer und Entdeckungen selbst, durch die es trotzdem einen Feind zu besiegen gilt. 

Unter dem Aspekt gesehen, dass dieses Buch auch für Jugendliche geschrieben wurde, ist die kleine Lovestory zwischen Fi und Nikk ganz süß konzipiert, für mich zu Beginn jedoch überstürzt. Zwar wirkt er allein aus dem Grund, dass er ein Meermann ist, eine ganz besondere Anziehungskraft auf Frauen aus, doch wird mir die emotionale Nähe zwischen Nikk und Fi zu früh aufgebaut. Das Ganze bleibt jedoch immer eher im Hintergrund und fügt der Geschichte nur eine weitere Ebene hinzu, statt sie einzunehmen.

Sollte er je sein Versprechen vergessen und sie endgültig mit seinem Meermanncharme bezirzen, wäre sie verloren. Sie würde ihm vermutlich bis in den Schlund eines Riesenhais folgen – mit einem seligen Lächeln auf den Lippen.
Seite 228

Ein spannungsreiches Abenteuer, wenn auch teilweise zu perfekt und glatt gesponnen.
5/7
Bereits alle Bände der Nebelkriege sind erschienen. Der Feder und Schwert Verlag hat sie allerdings im neuen hübschen Kleid neu herausgebracht.


ISBN 978-3-86762-321-6

  
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Montag, 11. Februar 2019

{Rezension} Paradies

 
Petra freut sich auf eine Auszeit ganz für sich, ohne Haushalt, Kinder, Mann und Job. Ihren Sehnsuchtsort findet sie auf einer spanischen Insel, bei einer Seminarwoche im herrlich gelegenen Hotel Paraíso mit Selbsterfahrung, Körperarbeit, Meditation und Yoga. Dort trifft sie auf die anderen Teilnehmer der Gruppenreise, darunter Anka, Suse und Jenny, die unterschiedlicher nicht sein könnten – und Geheimnisse haben, die nicht nur Petras Leben aus den Fugen heben. Als auch noch ein Sturm die Hotelgäste einschließt und ein Entkommen von der Insel unmöglich macht, kochen die Emotionen innerhalb der Gruppe lebensgefährlich hoch. Am Ende wird aus dem Meer eine Frauenleiche geborgen. Aus der paradiesischen Wellnesswoche ist ein Albtraum geworden, und keiner der Teilnehmer ist mehr der Mensch, als der er gekommen ist – wie im Prospekt versprochen.

Figuren
Insgesamt vier Frauen habe ich ins „Paradies“ begleitet: Petra, eine gestresste 46-Jährige die Erholung von ihrer kaputten Ehe und den Kindern braucht, Anka, eine 38-jährige, einsame Frau, die Probleme anzuziehen scheint, die 58-jährige Jenny, eine aufdringliche und etwas zu jung gebliebene Ex-Prostituierte auf der Suche nach Liebe, und Suse, eine ruhige, graue Maus und mit 28 Jahren die jüngste der vier. 
Von keiner von ihnen kann ich wirklich behaupten, dass sie mir ans Herz gewachsen sei, allerdings hatte ich Petra und Jenny ganz gern, obwohl Jenny immer wieder  Züge an sich gezeigt hat.

Schreibstil
„Paradies“ lässt sich durch die Einteilung in viele kurze Kapitel gut häppchenweise lesen und auch der simpel gehaltene aber angenehme Schreibstil der Autorin und hin und wieder kleine Witze tragen zum Lesefluss bei. Meiner Meinung nach hätte alles jedoch etwas lebhafter sein können, so plätscherte die Handlug eher farblos vor sich hin.

Inhalt
Das besagte „Paradies“ ist eine Insel, auf der bereits wunderliche Betreuer, ein gewöhnungsbedürftiges Tagesprogramm voller Nackheit und Selbstfindungstherapien und weitere Besucher der Kurse auf die 4 Frauen warten. Ich müsste schon lügen, wenn ich sagen würde, dass ich den Großteil der Meditationssitzungen, Gruppentherapien und überhaupt Schwingungen der gesamten Veranstaltung nicht eigenartig finden würde. Auch die Figuren haben alle irgendwie ganz eigentümliche Arten an sich, die sie teilweise höchst unleidlich machen. Während manche nach einem Blick hinter die Fassade besser zu verstehen und leichter zu mögen sind (beispielsweise Jenny), haben mich andere nur noch mehr abgestoßen (Anka, du empathieloses, debiles Ding).
Ich hatte nach dem Klappentext und der Leseprobe eigentlich ein leichtes Buch zum Durchlesen für zwischendurch erwartet, hab mich da aber sehr getäuscht, denn in dieser Geschichte folgt wirklich ein Aufreger dem nächsten. Zwischen unnötigen Momenten, die schon an öffentlichen Softporno und Selbsterniedrigung grenzen und seitenlangen Szenen bei denen ich mich im Nachhinein gefragt habe, was die Autorin damit jetzt überhaupt sagen oder bezwecken wollte, ist in mir einfach immer mehr das Verlangen danach gewachsen, das Buch zu beenden.- Aber Moment. Da war doch die Rede von einem Todesfall! Ja. Hm. Ein Todesfall, der im Klappentext erwähnt wird, allerdings absolut keine Rolle für die Handlung spielt, denn er ereignet sich erst auf Seite 425. Hier möchte ich noch einmal in Erinnerung rufen, dass dieses Buch nur 432 Seiten hat. Das eine Ding, worauf ich also ewig gewartet habe, weil ich hoffte, dass sich so wenigstens ein My Spannung breitmachen würde und das im Klappentext extra erwähnt wird, woraus ich geschlossen habe, dass es im Buch auch eine Rolle spielen wird, findet sich also erst am Ende des Buches und ist da weder überraschend, noch wichtig, noch irgendwie relevant für die Handlung. Es gibt keine 180-Grad-Drehung und es wird auch kein neuer Blick auf das Vergangene ermöglicht. Es stirbt jemand höchst unspektakulär und das wars. Mir tat es am Ende nur einfach leid um die verschwendete Figur, die für diese überflüssige Szene ihr Leben lassen musste.

Nach kurzer Recherche habe ich herausgefunden, dass ich offenbar nicht die Einzige war, die sich vom Klappentext hat irreführen lassen. Ich habe einige Rezensionen gefunden, in denen eine ähnliche Meinung wie meine vertreten wurde, allerdings gibt es auch viele begeisterte Leserstimmen zu diesem Buch, also lest am besten selbst  mal rein und schaut euch ein paar Rezensionen an.

Jenny beugte sich zu ihr und flüsterte ihr ins Ohr: „Chuf.“
„Was?“
„Chronically underfucked.“
„Jenny!“ [...]
„Wenn's übersinnlich wird, bleibt das Sinnliche meist auf der Strecke“, wisperte Jenny.
Seite 66

„Wer kommt mit ins Meer?“, schrie sie plötzlich, riss sich die weißen Klamotten vom Körper und ließ sie achtlos zu Boden fallen. „Poseidon, ich komme!“, rief sie und lief in Unterwäsche zum Strand.
„Da kannst du ja gleich ein paar Seegurken gesundbeten“, brüllte Suse ihr hinterher, aber Larissa war schon außer Hörweite.
Seite 123

Die Grundbausteine der Idee zum Buch waren gut und die Autorin hat einen schönen Schreibstil, allerdings nützt das alles nichts, wenn ich mich am Ende des Buches frage, warum ich mich überhaupt durch all die Seiten gequält habe.

3/7

 
 
ISBN: 978-3-453-27047-3
 
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