Dienstag, 12. Juni 2018

{Rezension} Stirb, du Bastard! Stirb!

Die Zeit ist gekommen, mit Daddy abzurechnen!

Die Krankenschwester Claire kümmert sich liebevoll um Menschen, die Hilfe benötigen. Vielleicht hat Claire diesen Beruf gewählt, weil sie die Kindheit in der Hölle verbrachte – ihr Vater hat sie viele Jahre lang sexuell brutal missbraucht. 
Claire hat die Geschehnisse verdrängt. Doch plötzlich ruft ihre Schwester Olivia an. Sie berichtet, dass ihr Vater im Sterben liegt. Jetzt hätten sie die Chance für ihre späte Rache. 
Aber das Miststück Olivia hat gelogen ...

Figuren
Claire Valentin ist eine zynische und abgebrühte aber gleichzeitig auch sehr emotionale Rettungssanitäterin mit einer todtraurigen Kindheit. Sie, ihre Freundin Olivia und auch andere kleine Mädchen wurden vor vielen Jahren von ihrem Vater missbraucht und damit fast völlig gebrochen. 
Olivia hat schon von Anfang an ein wirklich zwielichtiges Auftreten, was Claire leider nicht rechtzeitig erkennen kann. Sie ist definitiv krank im Kopf, doch ist auch sie genauso unberechenbar wie jede andere Figur in diesem Buch.

Schreibstil
Die Autorin beweist schon sehr früh, dass sie wirklich sehr sehr sehr Schwarzen Humor besitzt. An sich würde ich jetzt davor warnen, aber wer nach einem Buch aus der Festa Extrem Reihe greift, der wird wohl nicht allzu zart besaitet sein.- Das hoffe ich zumindest für denjenigen.
Trotzdem muss ich sagen, dass ich Schlimmeres erwartet habe. Zwar ist dies mein erstes Extrem-Buch, doch wage ich mal zu behaupten, dass es eine gute Story zum Einstieg in den puren Horror ist, an den man sich erst noch herantasten muss. Jan Koslowski beschreibt zwar selbst die schlimmsten Szenen noch relativ vertragbar, doch hat sie trotzdem mit viel Spannung und Schwärze eine kleine verdreckte Welt voller Geisteskranker geschaffen, in der man sein verstecktes sadistisches Ich abtauchen lassen kann.


Inhalt
„Stirb, du Bastard! Stirb!“ bietet einen wirklich blutigen und verstörenden Beginn, in dem man Claire bei einem Rettungseinsatz kennen lernt, der sie wieder an ihre kaputte Vergangenheit erinnert. Schon auf den ersten Seiten wurde ich überrascht, denn sie hat nicht so auf das blutüberströmte Mädchen reagiert, wie ich es erwartet hätte. Offenbar hat Claire diese schlimmen Zeiten so gut es ging so weit wie möglich verdrängt, um annähernd „normal“ leben zu können. Claire ist insoweit eine interessante Hauptfigur, da diese erzwungene Normalität immer wieder zu gewissen Seitensprüngen in ihrem Kopf führt. Ihre Reaktionen auf alles mögliche sind also nie wirklich vorhersehbar, was dauerhaft für eine gereizte Luft um sie sorgt. Und das ist noch gar nicht der Anfang, denn das innere Brodeln in Claire lässt schnell erahnen, dass die über Jahre aufgebaute Mauer um sie herum bald zerbrechen wird und es ist einfach mitleidserregend, wie katastrophal sich ihr Geisteszustand ändert, als sie wieder auf ihren Vater trifft.

Der anfängliche Schrecken flaut recht schnell schon wieder ab, bricht jedoch nach ungefähr hundert Seiten mit umso mehr Wucht wieder über Claire herein. Sie ist nämlich Olivias perfidem Vorschlag, an ihrem Vater Rache zu nehmen, gefolgt und befindet sich nach kurzer Zeit wieder an dem Ort, an dem sie so oft gefoltert wurde. Wie der Klappentext bereits verrät, hat Olivia jedoch nicht die Wahrheit gesagt und verfolgt ein ganz anderes Ziel, in dem letztendlich Claire die Rolle des Opfers einnimmt, und nicht ihr Vater (der sich übrigens auch neue kranke Wege ausgedacht hat, seine Tochter zu schänden).  Ab hier beginnt der wirklich abstoßende Teil voller diverser Körperflüssigkeiten, Gewalt und Misshandlungen. Darauf folgen immer wieder einige unerwartete Wendungen, die jede einzelne Szene aufs Neue völlig ausreizen. Erwartet jedoch kein blankes Gemetzel oder pur stupide endlose Folter, denn Claire findet Wege, sich zu helfen, und wie gesagt: Auch sie tickt nicht ganz richtig. Ich wusste gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht, als alles eskalierte und deswegen konnte ich auch nicht anders, als diese aufreibende Story an einem Tag durchzulesen. Und obwohl die Autorin selbst zum Schluss noch einmal einen drauflegt, habe ich das Gefühl, dass dieser reale Alptraum immer noch nicht völlig ausgereizt wurde.

"Manchmal sind die schlimmsten Verletzungen die, die keine sichtbaren Narben hinterlassen."
Seite 23

Claire fühlte sich wie in eine sehr dunkle Ecke gedrängt. Ihr Eidechsenhirn flüsterte ihr jetzt nichts mehr zu, sondern sprang auf und nieder und wedelte mit einer Roten Flagge, renn weg, renn um dein Leben schreiend.
Seite 79

Auch, wenn ich noch lange kein Festa-Profi bin, maße ich mir doch mal an zu behaupten, dass dieses Buch mit seinen vielschichtigen, kranken Charakteren und seiner von Grausamkeiten und Folter durchzogenen Handlung ein guter Einstieg für jene ist, die mal in menschliche Abgründe abtauchen wollen, um ihre Grenzen zu testen.

5/7
• Achtung! Dieses Buch besitzt keine ISBN.
• Umschlag in Festa-Lederoptik

Andere Bücher aus der Festa Extrem Reihe

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Samstag, 9. Juni 2018

{Rezension} Drei Tropfen Dunkelheit - Vollstrecker der Königin 2

Die Bewohner der Ibjadischen Reiche achten und fürchten die Gilde der Vollstrecker vom Schwarzen Turm, denn ihnen obliegt es, im Namen der Königin bei Gewaltverbrechen zu ermitteln, zu richten und zu strafen. Caitlynn hat als jüngste Vollstreckerin ihren ersten Fall erfolgreich beendet. Dachte sie. Doch ausgerechnet dieses Urteil bringt sie nun in Gefahr, mehr als nur ihren Schmerzstein zu verlieren. Um dies zu verhindern und die Ehre ihres Meisters zu retten, muss sie den erfahrenen Vollstrecker Belard bei der Aufklärung eines Mordes auf Schloß Maesinar unterstützten und ihn von ihren Fähigkeiten überzeugen. Die Sache hat nur einen Haken: Caitlynn scheint mehr zu sehen als ihr Ausbilder. Und der ist davon alles andere als begeistert.

Figuren
Caitlynn ist eine Vollstreckerin-der-Gerechtigkeit, das bedeutet, dass sie eine besondere Gabe besitzt. Diese ermöglicht es ihr, die letzten Gefühle, die jemand vor seinem Tod in sich trug, selbst zu fühlen und in ihrem Schmerzstein zu speichern, um sie dem Täter (im Falle eines Mordes) einzuflößen und ihn damit zu bestrafen. Außerdem besitzt sie Charisma. Darunter versteht man in Angelika Diems Büchern aber nicht das gleiche, wie in unserer Welt.- Zumindest nicht genau das Gleiche. Charisma ist ebenfalls eine Art Gabe, beziehungsweise die Fähigkeit, in den Menschen gewissermaßen zu lesen, ihre Aura zu sehen und dergleichen. Grob gesagt, würde ich es gewissermaßen als „grob in den Kopf gucken“ bezeichnen. 
So, ich hoffe, ich konnte das jetzt halbwegs gut erklären. Ist gar nicht mal so einfach.
Wie ihr euch sicher denken könnt, ist Caitlynn die Hauptfigur im Buch. Sie ist sympathisch und eine Person, die man im echten Leben sicher gern haben würde, doch ist sie für meinen Geschmack leider zu aalglatt. Sie besitzt keine bemerkenswerte Persönlichkeit und geht dabei zwischen anderen Figuren manchmal unter. Zwar gewinnt sie ab der zweiten Hälfte von „Drei Tropfen Dunkelheit“ an Farbe und beginnt auch endlich, sich nicht nur ihren Mitmenschen sondern auch mir als Leserin zu beweisen, doch ging ihr vieles zu leicht von der Hand.

Schreibstil
Angelika Diem hat einen sehr schönen Schreibstil. Auch wirkt er in diesem Buch sicherer und solider, als ich ihn aus den vergangenen Bänden in Erinnerung habe. Trotz weniger Beschreibungen schafft sie detailreiche Bilder und baut damit eine vielfältige, einzigartige Welt auf. 
Was ihren Stil für mich unverkennbar macht, ist die Tatsache, dass sie diese Welt samt ihrer Natur nutzt, um die Story selbst auf unterschiedlichste Arten zu bereichern, wie ich es in noch keinem anderen Buch erlebt habe.



Inhalt
Ohne viel Vorgeplänkel habe ich mich direkt in der Haupthandlung wiedergefunden. Zugegebenermaßen wollte ich eigentlich noch ein Re-Read von Band 1 und 2 machen, bevor ich mich auf dieses Buch stürze, doch bin ich dann letztendlich doch nicht mehr dazu gekommen. Das war allerdings auch gar nicht weiter schlimm, denn ich habe schnell gemerkt, dass sich viel aus dem Kontext ergibt, und sich selbst jemand, der direkt mit diesem Band einsteigt, in den Ibjadischen Reichen zurechtfinden wird. Natürlich ist ein gewisses Vorwissen immer von Vorteil, doch ist dies hier definitiv kein absolutes Muss.

Im Garten einer Schule für Charismabegabte, bzw. Schloss Maesinar, wurde eine Lehrerin ermordet und Caitlynn soll diesen Fall untersuchen, um den Täter zu fassen und ihm seiner gerechten Strafe zu unterziehen. Dabei wird sie unfreiwillig Belard zugeteilt. Auch er will ermitteln, unterschätzt Caitlynn in ihren Fähigkeiten jedoch extrem und drängt sie deswegen immer wieder vom Fall selbst ab, behandelt sie dabei sogar wie eine Sekretärin, die noch viel zu lernen hat. Ihr geht das natürlich gewaltig gegen den Strich, doch finde ich es schade, dass sie sich nicht aufbäumt. Caitlynn hat zwar ein ruhiges, beobachtendes Wesen, doch hinterfragt sie in ihrem Kopf selbst sehr viel und beim Lesen wurde mir immer wieder deutlich, wie sehr sie sich dagegen sträubt, wie sie behandelt wird. Da hätte ich mir etwas mehr Reaktion von ihr gewünscht.
Die Ermittlungen beginnen sofort, als sie und Belard am Tatort eintreffen. Erst seit relativ kurzer Zeit habe ich eine kleine Schwäche für Krimis entwickelt, weshalb es für mich nochmal ein Sahnehäubchen war, dass ein gewisses Krimi-Feeling immer wieder aufkommt. Mit den Nachforschungen Caitlynns beginnt auch der Spannungsaufbau, da immer mehr Ungereimtheiten im Mordfall auftauchen. Ich selbst hatte bis zum Schluss keine wirkliche Ahnung, wie es ausgehen würde und das macht für mich oft ein gutes Buch aus.
Es mag vielleicht nur eine Kleinigkeit sein, aber im Verlaufe der Handlung habe ich auch die Tote über die Erzählungen und Erinnerungen der Verdächtigen kennengelernt und somit eine gewisse Nähe zu ihr entwickelt, weshalb es für mich ab einem gewissen Punkt immer wichtiger wurde, dass ihr Mörder geschnappt wird.

Erneut wurde der Gong geschlagen. Wieder und wieder und wieder. Im Rhythmus der Herzschläge eines friedliches Schläfers trugen die Klänge die Gebete und Wünsche der Versammelten für Szarahs Seele in den Abendhimmel.
Seite 92

Wer Fantasy und Krimis mag, dem wird mit „Drei Tropfen Dunkelheit“ eine magische Fusion aus beiden geboten. Und auch, wenn Caitlynn für eine Weile eine doch recht graue Hauptfigur ist, so führt sie letztendlich trotzdem mit Emotion durch eine spannende Story. 
6/7

ISBN 978-3-95959-049-5

Weitere Bände zu Caitlynns Geschichte
 

Alle drei im Sammelband

Vielen Dank an den Verlag und die Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
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Donnerstag, 31. Mai 2018

{Rezension} Blue Note Girl


Die junge Sängerin Janina Nossak verschwindet spurlos nach ihrem ersten öffentlichen Konzert in Hamburg. 15 Jahre später glaubt der Journalist Eric Teubner den Hinweis auf ein mögliches Verbrechen entdeckt zu haben und rollt den alten Fall noch einmal auf. Dabei wird die Spurensuche nach der eigenwilligen Interpretin verstörender Songs für ihn zur Obsession. Während seiner Nachforschungen taucht der Journalist immer tiefer in die unterschiedlichen Milieus Hamburgs ein, um damalige Zeugen aufzuspüren und löst mit seiner Hartnäckigkeit eine Kette fataler Ereignissen aus. Ein Kriminalroman, der das Schicksal seiner verschwundenen Titelfigur aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, bis langsam die ganze erschreckende Wahrheit ans Licht kommt.
Bernd Richard Knospe erzählt atmosphärisch dicht und unvermittelt von einem Kriminalfall, der nicht gelöst werden will und dessen Ereignisse sich zu wiederholen scheinen. Er arrangiert seine Figuren um die abwesende Protagonistin im Zentrum der Erzählung und zeichnet sie durch pointierte Dialoge zu markanten und komplexen Charakteren. Knospes mehrstimmig erzählte Komposition ist außerdem eine Verbeugung vor der Macht der Musik.

Figuren
Die Handlung kreist um verschiedene Figuren, die nach und nach zueinander finden. Die wichtigsten Personen hierbei sind Eric Teubner, ein von Janinas Fall besessener Journalist, der unbedingt ein Buch über das verschwundene Mädchen schreiben will, und Frank Jensen, ein krebskranker ehemaliger Privatdetektiv, der wieder aktiv wird, als eine weitere Frau verschwindet.
Einige Kapitel bekommen aber auch ein alkoholkranker Polizist und eine vielleicht etwas zu engagierte angehende Journalistin.

Schreibstil
Ich war tatsächlich sehr überrascht, als ich die ersten Seiten von „Blue Note Girl“ las. Einfach, weil ich so einen detaillierten und tiefgehenden Schreibstil bei Krimis nicht gewohnt bin. Da hat mich der Autor tatsächlich positiv überrascht. Ich konnte Janinas Musik und die dauerhafte Schwere, die diese über die Story legte, wirklich fühlen.
Leider kam jedoch über die ersten 200 Seiten nur wenig Spannung für mich auf. Nur hin und wieder, wenn größere Ereignisse einschlugen, hob sich für eine Weile der Spannungsbogen. 


Inhalt
Eigentlich würde ich mich als eine Leserin beschreiben, die recht schnell eine Bindung zu Buchfiguren aufbaut, egal, wie diese dann aussehen. Bei „Blue Note Girl“ hat es jedoch ein ganzes Weilchen gedauert, bis ich wirklich am Schicksal von Eric Teubner, Frank Jensen und Co. Interesse fand. Woran das genau liegt, weiß ich leider nicht einmal, denn der Autor hat seine Charaktere sehr vielschichtig und auch mit einer Menge eigenem Charakter kreiert. In meinem Kopf wollte ich all die Figuren vielleicht etwas zu unbedingt mögen. Erst mit der Zeit wurde mir die eine oder andere Figur wichtig. Dabei haben alle wichtigeren Charaktere etwas an sich gehabt, was ich in Büchern liebe: Puren, trockenen Zynismus. So richtig kommen sie alle nicht miteinander klar, doch raffen sie sich aus verschiedenen Gründen mehr oder weniger zusammen, wodurch ein „Ermittlerteam“ entsteht, dass in dem Sinne eigentlich gar keins ist und somit schon mal mit vielem Krimi-Klischees bricht.- Eine weitere positive Überraschung.
Selbst Janina, die man nur durch Erinnerungen und ihre Musik kennenlernt, wirkt sehr präsent, denn sie bewegt sich wie ein Geist durch die Köpfe der Leute und ist gleichzeitig absolut nicht greifbar.
Gewissermaßen hatte ich eine Handlung erwartet, in der ich über die intensive Bearbeitung zu Janinas Fall mitverfolgen würde, doch letztendlich fungiert sie eher als der Rote Faden, der alles zusammenhält und hin und wieder etwas im Hintergrund verschwindet, denn den Großteil der Story nimmt eine weitere, neue Entführung ein, die ohne Janinas Verschwinden zwar vielleicht nie stattgefunden hätte, mich aber trotzdem eine ganze Weile vom eigentlichen Kern der Geschichte abgelenkt hat. Ich möchte nicht direkt sagen, dass es zeitweise zwei Rote Fäden gab, doch konkurrieren Haupt- und Nebenhandlung stellenweise stark miteinander. Aber wer weiß, vielleicht hat das der Autor ja sogar beabsichtigt, um frischen Wind in trockene Nachforschungen zu bringen (die eigentlich gar nicht so trocken sind), á la „Der Weg ist das Ziel“.
Zwar war der Weg bis zum Finale für mich teilweise recht holprig, doch habe ich es absolut nicht kommen sehen, was auf den letzten Seiten auf mich gewartet hat. Die „Mauer“, die um das gesamte Phänomen „Janina“ hochgezogen wurde, bröckelte schnell und was dahinter lag, habe ich in gefühlt wenigen Sekunden völlig verschlungen.

"Ich hatte vorher nie etwas Vergleichbares gehört. Finstere Worte. Beunruhigende Melodien. Einfach großartig. Einzigartig. Beklemmend. Nicht von dieser Welt. Dass sie überhaupt zu solchen Gedanken fähig war, das machte mich betroffen. Das war kaum zu ertragen. Aber genial. [...]"
Seite 80

Zwar wird die Spannung zwischendurch recht dünn und auch die Nähe zu den Charakteren ist nicht wirklich immer da, doch hat der Autor mit einem Finale zum Luftanhalten und einer permanenten düsteren Stimmung einiges bei mir an Punkten gesammelt.

5/7


ISBN: 978-3-939990-46-8 

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Donnerstag, 10. Mai 2018

{Rezension} Unter Schwarzen Federn

Eine schnatternde Meute Teenager
Eine unscheinbare Außenseiterin
Eine Verwandlung unter Tränen

Fees Leben ist die Hölle. Auch der Wechsel an die neue Schule bringt keine neuen Chancen, sondern nur Psychoterror und Ausgrenzung. Eines Tages spitzen sich die Dinge so zu, dass Fee nur noch einen Ausweg sieht, und der ist endgültig. Statt sie jedoch von ihrem Leben zu erlösen, bringt der von Markus vereitelte Selbstmordversuch sie in die Therapie. Wird sie es mit seiner Hilfe schaffen, ihren Lebensmut wiederzufinden, oder wurde sie bereits zu tief verletzt?

In „Unter schwarzen Federn“ spinnt Autorin Sabrina Schuh mit den Elementen von Andersens hässlichem Entlein eine düster-romantische Geschichte über Ausgrenzung, Todeswünsche und den schweren Weg eines jungen Mädchens auf der Suche nach ihrem wahren Selbst.

Figuren
Fee ist psychisch labil, wird von ihren Eltern vernachlässigt und es wirkt, als habe sie sich schon lange mit ihrer Opferrolle abgefunden. Sie wird in ihrer Schule gemobbt und scheint völlig einsam zu sein. Enttäuscht von allem und jedem versucht sie zu Beginn des Buches, sich umzubringen. Wie bereits im Klappentext herauszulesen ist, begibt Fee sich eher widerwillig in Therapie. Durch ihre schwachen Nerven kommt es oft dazu, dass sich ihre Gefühle überschlagen und meist völlig unpassend kommen. An sich sind diese Eskalationen zwar unter ihren Umständen verständlich, doch hätten sie meiner Meinung nach „schöner“ in die Szenen verpackt werden können. Auf die holprige Art und Weise, wie diese „Schübe“ kamen und wie biestig sie sich gegenüber Markus gibt, kam es nämlich dazu, dass Fee für mich bald anstrengend wurde und es mir immer schwerer fiel, Verständnis für sie aufzubringen, obwohl sie krank ist und nichts für das kann, was in ihrem Kopf vor sich geht. 
Markus ist ihr wortwörtlicher Lebensretter. Er hat selbst bereits einige schlimme Dinge durchmachen müssen und beschäftigt sich seit dem Freitod seiner Mutter mit Psychologie. Was ich toll hierbei finde ist, dass er im Verlaufe des Buches einsieht, dass das, was er in seiner Freizeit in Büchern studiert hat, wenig mit der Realität zu tun hat, mit der Fee ihn konfrontiert.

Schreibstil
Sabrina Schuh geht im Erzählen der Story mehr auf emotionale, statt auf optische Details ein. Ihr Schreibstil selbst ist zwar simpel gehalten, schafft aber schön konstruierte Bilder und sorgt für ein schnelles Vorankommen. Manche Konversationen, vor allem die zwischen Fee und ihrer Mutter, waren mir jedoch zu überspitzt geschrieben, wodurch mir teilweise die Stimmung und der Ernst der entsprechenden Szenen kaputtgemacht wurden.


Inhalt
Als Markus Fee von ihrem perfekt durchgeplantem Suizid abbringt, wird schnell deutlich, dass hier zwei emotionale Wracks aufeinandertreffen.
Wirklich toll finde ich die Tatsache, dass die Autorin viele Probleme, die das Mobbing betreffen, anspricht. Sei es die Ignoranz der Umstehenden, die Hilflosigkeit der Opfer oder die Unterschätzung der Gefahr, die all das mit sich bringen kann. Mit Fee hat Sabrina Schuh das krasseste und traurigste Resultat geschaffen. 
Welche Diagnose Fee genau bekommt, wird zwar nicht erwähnt, doch passen ihre lauten und oft streitsüchtigen Ausfälle und die manischen Züge zu dem emotionalen Bild, das ich von ihr bekommen habe. Hier sei aber erwähnt, dass ich natürlich keine Ahnung von dieser Medizin habe und mir auch auf keinen Fall anmaßen möchte, selbst irgendwelche Laien-Diagnosen zu geben.
Was mir noch gefehlt hat, ist das Umfeld der beiden. Zwar trifft man kurz auf die Clique, die Fee das Leben so schwer macht, doch lernt man nicht viel über sie. Möglicherweise hätte ich so auch mehr Verständnis für das manchmal für mich unlogische Verhalten der beiden Hauptprotagonisten aufbringen können.
Manches im Buch wirkt auf mich leider zu übertrieben. Zum Einen die bereits angesprochenen Konversationen, zum Anderen aber auch die Reaktionen mancher Figuren. Einiges ist auch einfach für meinen Geschmack zu sehr an diversen Stereotypen orientiert.- Vor allem die Rollenverteilung der einzelnen Personen.- Ausgerechnet der beliebteste Junge der Schule verliebt sich in das schüchterne, gemobbte Mädchen, das ihm sonst nie aufgefallen ist und seine Ex ist auch noch die schlimmste Feindin des Mädchens. Auf der anderen Seite löst die Autorin aber auch viele Klischees auf, die man mit psychischen Erkrankungen und dem Aufenthalt in dafür spezialisierten Kliniken in Verbindung bringt und klärt über deren wahre Naturen auf. Außerdem führt sie sehr vorsichtig und einfühlend an den Umgang mit psychischen Problemen und die Erlebnisse der Betroffenen heran ohne das gesamte Thema belastend auszuweiten. 

Da „Unter Schwarzen Federn“ eine Märchenadaption vom Hässlichen Entlein ist, passt es natürlich, dass Fee auch selbst eine Verwandlung durchläuft. Diese liest sich zwar heraus, doch hätte Sabrina Schuh diese vielleicht noch etwas deutlicher machen können. Denn selbst bis kurz vorm Ende bleibt Fee sehr unsicher und stellt die Welt als komplett gegen sie gerichtet hin, obwohl viele Menschen viel für sie tun. Die wirkliche „Verwandlung“ findet meiner Meinung nach etwas zu abrupt und plötzlich statt, ohne einen wirklichen Vorgang an sich zu haben.

Für Szenekenner können die Details vielleicht etwas unstimmig wirken, wenn es um die direkte Zugehörigkeit zur Gothic- und Metalszene geht, da die Bands, die Fee zugeschrieben werden, nur bedingt zu diesen zählen und sie letztendlich gar nicht so „abnormal“ ist, wie ihr Umfeld sie darstellen will. Das tut dem Buch allerdings keinen Abbruch, ist mir nur selbst als „Eingefleischte“ aufgefallen. :P (Der Vollständigkeit halber, wollte ich dies hier nur mal kurz erwähnen.)

 Ich denke, dass gerade jugendliche Leser eine super Zielgruppe für diesen Roman sind, da die Autorin hier sanft an ein ernstes Thema heranführt, dabei aber eine unterhaltsame leichte Geschichte erzählt und diese nicht mit Fachbegriffen oder ausschließlicher Traurigkeit überlagert.

Es war, als verschlänge ein schwarzes Loch zunächst meine Emotionen und dann mich selbst. Wie gerne hätte ich geschrien, um Hilfe gefleht, doch aus meiner Kehle drang kein Laut. Zu oft waren meine Schreie ungehört verklungen. Zu oft hatte man meine Hilferufe abgetan, als seien sie nicht mehr als die trotzigen Worte eines Kindes, dem das Essen nicht schmeckte.
Seite 30

Die meisten Menschen reden sich gerne ein, dass sie auf etwas zu rennen, das neuer, besser und schöner ist. In Wahrheit rennen sie jedoch nur so schnell sie können vor den Dingen in ihrem Leben weg, die anstrengend, kompliziert und verzwickt sind.
Seite 93

Für mich persönlich nicht unbedingt das Nonplusultra, allerdings eine spannende Geschichte für Zwischendurch, die sich mit einem ernsten Thema intensiv auseinandersetzt.

4/7
ISBN: 9783961117017

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Vielen Dank an die Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
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