Donnerstag, 2. Mai 2019

{Rezension} Die Tochter der Hexe

Bathcomb, England, im Jahr 1628. Fassungslos muss die junge Bess Hawksmith mit ansehen, wie ihre Mutter als Hexe hingerichtet wird. Doch damit nicht genug, die Hexenjäger sind auch hinter ihr selbst her. Verzweifelt vertraut sich Bess dem geheimnisvollen Gideon Masters an, von dem man hinter vorgehaltener Hand munkelt, er sei ein Schwarzmagier. Und tatsächlich zwingt Gideon Bess zu einem dunklen Pakt ... Dorset im Jahr 2007: Bess hat sich in der ruhigen Ortschaft Matravers ein neues Leben aufgebaut. Dank ihrer Kräutermischungen und homöopathischen Heilkünste ist sie bei den Einheimischen hoch angesehen. Keiner ahnt, dass die freundliche, attraktive Frau in Wahrheit eine unsterbliche Hexe ist. Bis Bess eines Tages von den finsteren Mächten ihrer Vergangenheit eingeholt wird.

Figuren
Dieses Buch beschränkt sich auf wenige Charaktere, macht diese aber umso intensiver. Die Hauptfigur dabei ist Bess, eine Hexe. Kennengelernt habe ich sie in verschiedenen Stationen ihres Lebens, in denen sie jedoch immer als schlaue und unbeugsame Frau auftritt. Verschiedene Schicksalsschläge bringen sie dazu, ihre Emotionen tief im Inneren zu verschließen, was die Momente, in denen sie Gefühl zeigt, umso wertvoller und schwerwiegender macht.

Schreibstil
Dass das Geschehen in der Gegenwart in einer Art Tagebuch-Stil beschrieben wird, hat mir nicht wirklich gefallen. So ließen sich zwar lückenfüllende Szenen vermeiden, gleichzeitig hat der Stil der Tagebucheinträge aber gar nicht zu einem Tagebuch gepasst. Es ist schwer, zu beschreiben, aber die Einträge ähneln eher sehr kurzen Romanausschnitten. Die Kontinuität hat mir hier etwas gefehlt. 
Ansonsten hat Paula Brackston einen gut zu lesenden Schreibstil. Sie fängt jeden Schrecken, sei es Pest, Tod oder Schwarze Magie, perfekt ein und beschränkt sich dabei nur auf die wesentlichen, aber gewichtigen Details.


Inhalt
Bess erzählt als ältere Frau Tegan, einem jungen Mädchen, ihre Geschichte; Wie sie als junges Mädchen das Hexen- und Heilerinnenhandwerk ihrer Mutter erlernt, auf tragische Weise ihre Familie verliert und sich ab diesem Zeitpunkt allein durchs Leben schlägt.
Zu Beginn lebt sie als Elizabeth mit ihren Eltern, Geschwistern und ein paar Kühen ein einfaches aber glückliches Leben auf dem Land. Wir befinden uns allerdings im Jahr XXXX und der Hexenverfolgungswahn greift immer weiter um sich. Bess muss ihre Kräfte also unterdrücken, um überleben zu können. Als die Pest das Dorf Batchcomb erreicht, bleiben allerdings auch sie und ihre Familie nicht verschont. Nach und nach folgt ein tragischer Todesfall dem nächsten und als Bess überlebt, sorgt dies sofort für Aufsehen unter der misstrauischen Bevölkerung. 
Bess muss sich in Sicherheit bringen und kommt bei Gideon unter, einem Hexenmeister, der fernab der Menschen im Wald lebt. 
Mit Zeitsprüngen erfahre ich beim Lesen nicht nur, wie es in ihrer Vergangenheit weiterging, sondern auch, wie Bess im Hier und Jetzt Tegan beibringt, was es heißt, eine Hexe zu sein. Und ganz egal, wie man zum Thema Magie und Hexerei steht, also ob man daran glaubt oder nicht, so schafft die Autorin auf jeden Fall einen sehr interessanten neuen Blickwinkel auf das Ganze. Sie zeigt nicht nur fantastische, sondern auch realistische Ansätze von Kräuter- und Naturheilkunde, ganz ohne Hokuspokus und zeigt auch, wie schwer es Frauen und insbesondere Bess als Hexe in den vergangenen Jahrhunderten hatten. Bess ist nämlich einige hundert Jahre alt, als sie ihre Geschichte erzählt, die im 17., 19., 20. und 21. Jahrhundert stattfindet. Paula Brackston hat aus dieser Biographie eine unglaublich düstere und gefährliche Reise durch die Jahrhunderte geschaffen, voller Tragödien und Höhepunkten. Dahingehend halte ich das Buchcover auch für etwas unpassend, da es kaum zum Inhalt passt.- Aber das nur am Rande.

 Während ich dies schreibe, wird  das Licht meines Beltanefeuers von einem wundervollen Sonnenaufgang verdrängt. Die blutroten Strahlen pulsieren förmlich vor heilender Energie. Ich sitze auf einem moosbewachsenen Baumstumpf, die Füße nass vom Tau. Eigentlich sollte diesem Moment nur Freude und ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft innewohnen, aber ich kann eine gewisse Traurigkeit nicht abschütteln.
Seite 234

Nicht zum ersten Mal erstaunte es mich, zu welcher Tapferkeit der Mensch doch imstande war, wie stark der Geist doch manchmal war. Und welch gnadenloses Leid die Menschen einander zufügen konnten.
Seite 385


Anders als erwartet, aber eine positive Überraschung.
6/7

ISBN: 978-3-453-31975-2

Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Samstag, 27. April 2019

{Rezension} Hexenherz - Glühender Hass

Er sollte einst Oberhaupt der Familie werden, jetzt gilt er weniger als nichts: Von seiner Mutter in eine männerverachtende Gesellschaft geschleppt und dann im Stich gelassen, ist der junge Kolja hin- und hergerissen zwischen dem Hass auf seine Gebärerin und dem Wunsch, endlich seinen Vater zu finden. Um seinen Zielen näherzukommen, geht er einen gefährlichen Pakt ein und stellt sich gegen die Gesetze der Hexen des Goldenen Reiches – und gegen die der Göttin.

Figuren
Nachdem ich im ersten Band Helena begleiten durfte, ist nun Kolja der Hauptcharakter in Buch 2. Trotz tragischer Vorgeschichte, denn seine Mutter hat seine Familie verlassen und sein Vater wurde gefangen genommen, ist er ein relativ fröhliches Kind. Clever, aber auch naiv und in gewissen Entscheidungen bereits reifer als gedacht.
Einige Kapitel sind auch einem Mädchen gewidmet, das unterdrückt und lieblos von ihrer Familie aufgezogen wird. Inwiefern beide Schicksale zusammenhängen oder aufeinandertreffen habe ich mir schon relativ früh denken können, trotzdem hat diese kleine Nebenhandlung ein ganzes Stück Spannung zum Buch beigetragen.

Schreibstil
In meiner Rezension zu Band 1 habe ich bereits erwähnt, dass ich Monika Loerchners Schreibstil ganz toll finde. Sie erschafft liebevoll ihre Welt und scheut trotzdem nicht davor, das Schlechte in dieser zu zeigen. Nichtsdestotrotz ist Kolja erst 14, also noch ein Kind, und das schlägt sich auch im Schreibstil nieder. Während ich „Hexenherz – Eisiger Zorn“ auch als Fantasy für Erwachsene bezeichnen würde, fällt „Glühender Hass“ für mich eher in die Jugendbuch-Sparte ab 13.
Der Kick aus dem vorhergehenden Band hat mir auch gewissermaßen gefehlt, denn einen 14-Jährigen Jungen kann man einfach nicht so kämpfen und handeln lassen wie eine erwachsene Hexe. Zwar trifft auch Kolja auf genug Hürden und Gegner, fechtet diese Auseinandersetzungen aber auf seine kindliche Weise aus. Die Spannung ist dadurch für mich auch an einigen Stellen einfach nicht so richtig da gewesen.

Inhalt
Von Helena habe ich in diesem Buch nur wenig mitbekommen, denn hier ist sie nur eine Nebenfigur mit wenigen Auftritten. Das bedauere ich, denn sie hat für ordentlich Feuer in „Eisiger Zorn“ gesorgt und so auch viele Emotionen in mir wachgerüttelt, die Kolja einfach nicht erreicht hat. 
Ich erwähnte bereits, dass Koljas Vater verhaftet wurde. Nun will Kolja ihn finden, denn sie konnten sich seit Jahren nicht sehen. Da in dieser Welt, dem Goldenen Reich, Frauen das stärkere Geschlecht sind und die Männer die Unterdrückten und eher Wertlosen, werden Kolja natürlich bei seiner Rettungsmission keine Türen offenstehen. Daher beschließt er, sich als Mädchen zu verkleiden und sich den erst kürzlich Erweckten, also den Mädchen, die gerade erst ihre Magie bekommen haben, anzuschließen. Kolja besitzt als Junge allerdings keine magischen Kräfte, also müssen er und seine Verbündeten sich etwas einfallen lassen, dies zu vertuschen. Eine Lösung wird gefunden und Kolja schließt sich dem Menschenzug aus jungen Mädchen und ein paar Aufpasserinnen Richtung Hauptstadt an. 
Der zweite Teil des Buches ist um einiges stärker als der Erste. Es passiert einfach mehr und die Handlung bekommt nun Hand und Fuß. Kolja wird auch interessanter und zeigt, dass er nicht nur ein Junge ist, den die Welt verraten zu haben scheint, sondern dass in ihm auch ein kleiner Held steckt und sogar einige Züge von Helena, die ich an ihr gemocht habe. 

Ganz unabhängig vom ersten Band betrachtet, ist „Glühender Hass“ ein gutes Buch für jene, die ein Abenteuer für zwischendurch suchen und für jüngere Leser, die etwas Neues versuchen wollen. Wenn ich aber darüber nachdenke, wie genial ich Buch 1 fand, muss ich einfach gestehen, dass Band 2 mich nicht vom Hocker hauen konnte und ich eher enttäuscht wurde. Keine Frage, hier handelt es sich keineswegs um ein schlechtes Buch und ich hatte trotzdem meinen Spaß beim Lesen, allerdings hat mir das gewisse Extra gefehlt, das mich in „Eisiger Zorn“ in seinen Bann gezogen hat. Es tut mir sogar richtig leid, dass ich diesen Band einfach nicht so mögen kann wie seinen Vorgänger. Rückblickend fühlt es sich für mich auch so an, als hätte ich keinen kompletten und eigenständigen Roman gelesen, sondern eine Nebengeschichte zu Band 1. 

Wie Blätter, die von einem Baum fallen, und nie wieder an ihren Zweig zurückkehren können, waren auch diese Momente voller Glück und Zufriedenheit bereits im Vergehen begriffen, sobald sie begonnen hatten. Wir haben es nur nicht bemerkt.
Seite 329

Ein tolles Abenteuer für zwischendurch, dass jedoch nicht mit Band 1 mithalten kann.


ISBN: 9783862826353

meine Rezension zu Band 1:

Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Montag, 22. April 2019

{Rezension} Die Chroniken der Träume 1 - Die Krone der Elemente

Der Kaiser des ausgedehnten Salenreiches ist alt und wurde schon seit Wochen nicht mehr gesehen. Das Gerücht, er läge im Sterben, verbreitet sich unter den Landesfürsten, die nach mehr Einfluss am Hof streben. Gleichzeitig schürt eine junge Heerführerin den Grenzkonflikt im Westen zwischen Kaiserreich und benachbartem Herzogtum. Niemand ahnt, dass sie in Besitz eines sagenumwobenen Artefakts gelangt ist, mit dessen magischen Kräften sie Natur und Menschen gleichermaßen zu unterwerfen vermag: der Krone der Elemente. Schon bald setzt sie die Macht der Krone rücksichtslos ein, und ein gewaltiger Krieg entbrennt. Ein Krieg, der das Schicksal aller Menschen und das Antlitz der Welt für immer verändern wird …

Figuren
Ich will ehrlich sein: Ich habe wirklich nicht den Nerv dazu, hier nun jede Figur vorzustellen, die eine wichtige Rolle in der Handlung zu diesem Buch spielt, also werde ich das Ganze etwas gröber zusammenfassen.
In Elyrdan sind Männer und Frauen gleichgestellt. Beide können die höchsten Ränge im Militär erreichen und keiner unterdrückt den anderen wegen des Geschlechts. Das ist an sich heutzutage nichts unbedingt Neues mehr, allerdings im High Fantasy eher selten und daher war es in diesem Buch wirklich erfrischend, von Atlis, einer führenden und hoch angesehenen Soldatin zu lesen oder von Grautwis, einem Seher, der gut beschützt in einer Art Akademie lebt und lernt und in Träumen wandert.
Neben den beiden gibt es noch Bjorn, den ersten Reiter der Oberbefehlshaberin, Ranke (den Wappenkönig), Tyrja (sagen wir einfach: Ein bösartiges und durchtriebenes Monster) und viele weitere starke Charaktere, die zur weitgreifenden Handlung des Buches beitragen. Jeder kocht dabei irgendwie sein eigenes Süppchen, allerdings werden früher oder später alle vom kommenden Krieg tangiert und so sind sie immerhin durch diesen hauchdünnen Faden miteinander verbunden.

Schreibstil
Beim Lesen der ersten Seiten war ich wirklich überrumpelt von all den Bandwurmsätzen, für die der Autor eine Schwäche zu haben scheint. Zwar wirkt es so, als hätte er sich das Ganze ab dem folgenden Kapitel noch einmal überlegt und die Schreibweise etwas geändert, doch bleibt dieses Buch definitiv trotzdem anspruchsvoller High Fantasy mit einer Menge Details. Matthias Oden beschreibt jeden Stock und jeden Stein, jede Person und ihre Kleidung und jede Landschaft bis ins Detail. Man könnte sagen, es war Glück für das Buch, dass ich ausgerechnet zum Zeitpunkt des Lesens wahnsinnig Lust auf so etwas hatte. Ich besitze eine gewisse Affinität für schweren High Fantasy, daher habe ich den Schreibstil gemocht, doch weiß ich, dass das manch anderen Leser stören könnte. 
Tyrja, eine der wichtigeren Figuren im Buch, wird außerdem ab einem bestimmten Punkt nur „sie“ genannt und ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das ein Stilmittel des Autors sein soll, um sie unglaublich wichtig und angsteinflößend erscheinen zu lassen á la „Der, dessen Name nicht genannt werden darf“, oder ob er einfach ab diesem Punkt vergessen hat, wie die Figur heißt. Mich jedenfalls hat dieser plötzliche Wechsel gestört, denn es hat das Lesen unnötig erschwert, zumal „sie“ auch nicht anders hervorgehoben wurde, sei es durch Kursivschrift oder dergleichen. Ich musste daher manche Sätze mehrmals lesen, bis ich begriff, dass es um Tyrja ging.



Inhalt
Die Story von „Die Krone der Elemente“ beginnt an verschiedenen Orten und mit verschiedenen Charakteren gleichzeitig, weshalb ich mich die erste Zeit nur fragen konnte, was eigentlich überhaupt los ist. Das Grundproblem ist schnell geklärt: Benachbarte Völker im Krieg und eine geheime Armee der Chimren, die das Land der Salen erobern will. Trotzdem ist die Handlung bis zum Schluss „all over the place“. Jede Figur hat ihren eigenen Handlungsstrang und ihre eigene Motivation, allerdings kommt es bis zum Schluss kaum zu Berührungspunkten zwischen ihnen. Nach einer Weile hatte ich mich damit abgefunden, allerdings hoffe ich trotzdem darauf, dass in Band zwei die verschiedenen Roten Fäden zueinanderfinden.
Es würde zu lange dauern, um die gesamten Nebenhandlungen dieses Buches zu beschreiben, also möchte ich euch hier nur einen groben Überblick über das Hauptproblem geben:
Tyrja gelangt an die Krone der Elemente und beschließt, dass es Zeit ist, eine neue Weltordnung durchzusetzen.- Mit einer Menge Mord und Intrigen. Gleichzeitig wird Snorri zu den Nehebet geschickt, um Frieden an der Grenze zur Wüste zu stiften, damit die Chimren nicht an zwei Fronten kämpfen müssen.
Die Chimren fallen also ins Land der Salen ein und erklären ihnen damit den Krieg. Zum gleichen Zeitpunkt wird Grautwis, ein junger Seher, von einer Gestalt besucht, die ihm offenbart, dass er in Zukunft noch eine schwerwiegende Rolle spielen wird. All das passiert in Carcosa, einer Stadt aus Traum, und wenn ich euch jetzt sage, dass allein diese Stadt eine eigene Reihe verdient hat, könnt ihr euch vielleicht vorstellen, wie schwer es ist, die Handlung von „Die Krone der Elemente“ simpel so in Worte zu fassen, dass jemand, der diese Rezension liest, wenigstens einen groben Überblick bekommen kann.
Der Autor hat sehr detailreich ein komplettes neues Universum geschaffen, das über Kulturen und Natur bis hin zu den einzelnen Figuren bis in die letzte Faser perfekt durchdacht ist. Daher ist es kein Wunder, dass ich die Hälfte des Buches gebraucht habe, um mich mit den wichtigsten Figuren, ihren Rängen und den Begriffen, die sie nutzen, vertraut zu machen. Bereits da hatte ich schon das Gefühl, dass diese Chroniken ein großes Projekt werden und ich denke nicht, dass ich da falsch liege.

"[...] Sieh dich um: Jeder von uns hier hätte Grund gehabt, Schluss zu machen. Aufgeben und gut. Auch du hast schon mehr als einmal mit dem Gedanken gespielt, nicht wahr? Haben wir alle. Aber wir haben es nicht getan, und das ist der Unterschied. [...] Wir Seher machen nicht Schluss, wir klammern uns ans Leben. Das ist unser Schutz: Wir wollen leben. Unbedingt. [...]"
Seite 106

"Noch einmal, Grautwis: Wille. Von allen Kräften, über die wir verfügen, ist er die einzige, der keine natürliche Grenze gesetzt ist. Nur du selbst bestimmst sie. [...]"
Seite 402

"[...] Das stärkste Gefühl, zu dem Menschen in der Lage sind, ist die Furcht. Sie tun in der Regel alles, um ihr zu entkommen oder sie gänzlich zu vermeiden. [...]"
Seite 573

Ein wilder, blutiger und facettenreicher Auftakt, der mich bereits auf viele Folgebände hoffen lässt. Trotzdem bestreite ich nicht, dass dieses Buch definitiv Geschmackssache ist.- Meinen hat es jedenfalls getroffen!

6/7

ISBN: 978-3-453-31956-1
Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Freitag, 19. April 2019

{Rezension} Der Ruf der Tiefen

Das Geräusch hämmernder Fäuste dringt aus dem Boiler, als Janice nackt in die Wanne steigt. Da wird auch schon die Wohnungstür zertrümmert ... Die Suche nach ihrem verschwundenen Geliebten wird für Janice zum Albtraum. In einem alten Schmugglernest, das eigentlich gar nicht existieren dürfte, wird sie von gesichtslosen Feinden verfolgt. Da spaltet plötzlich ein greller Blitz den Himmel. Im peitschenden Orkan taucht die bedrohliche Silhouette eines Schiffes aus den Fluten auf und hält direkt auf sie zu. Von den Flanken des mächtigen Seglers lösen sich Schemen, die nichts Menschliches an sich haben. Und Janice muss erkennen, dass sie etwas geweckt hat, das für alle Zeiten hätte verborgen bleiben sollen ...

Figuren
Janice ist eine junge Frau der Oberschicht, gut betucht und das zeigt sich auch in ihren Ansprüchen und Verhaltensweisen, die sie manchmal wirklich putzig erscheinen lassen. Egal unter welchen Umständen, sie lässt nie außer Acht, wer sie ist. Da sie gut behütet vor allem Schlechten lebt, kann sie nicht wirklich damit umgehen, dass ihr Leben nun aus den Fugen gerät. Und genauso wenig akzeptiert sie ein Nein als eine Antwort, und das muss sie als Frau in dieser Welt leider oft hören. Zwar beschließt Janice kurzerhand, loszuziehen um ihren Verlobten zu suchen, doch ist sie trotzdem keine selbstständige Person. Hätte sie Steve oder die Hilfe anderer nicht, wäre sie in einigen Momenten verloren gewesen. Durch ihre schnippische, anspruchsvolle Art und ihren für mich zu flachen Charakter, ist sie nicht unbedingt eine sympathische Figur, aber passt (vielleicht gerade deshalb) gut in die Welt und das Abenteuer, welches Hohlbein für sie geschaffen hat.
Steve mochte ich etwas mehr. Er ist ganz offensichtlich hinter Janice her, kommt ihr aber mit großem Respekt entgegen und zögert auch nicht, ihr dabei zu helfen, Joffrey, ihr Verlobter und sein bester Freund, wiederzufinden. 

Schreibstil
Wolfgang Hohlbein war einer der ersten Autoren, deren Bücher ich lieben gelernt habe. Umso enttäuschter bin ich von diesem. Keine Frage, er schafft eine bildreiche Geschichte und eine wunderbar düstere Atmosphäre, allerdings entwickelt sich die Story unheimlich langsam, scheint sich manchmal im Kreis zu drehen und wirkliche Spannung habe ich beim Lesen auch nie verspürt; Ein bisschen Neugier, aber nicht den Hunger auf mehr.

Inhalt
Während sonst niemand mehr auf eine Rückkehr hofft, will Janice ihren Verlobten nicht aufgeben, welcher vor knapp einem Jahr verschwunden ist. Tatsächlich stößt sie auf eine Spur, eine Karte, von der sie glaubt, dass sie ihr den Weg zu ihm zeigt. Fast zeitgleich beginnt allerdings etwas damit, sie zu verfolgen. Ein Wesen, mehr wabernde Masse als lebendiger Mensch oder wirkliches Tier, folgt ihr im Wasser und Janice begreift nach und nach, dass sie nicht mehr in Sicherheit ist, denn auch ein grauer Mann hat die Verfolgung aufgenommen. Sie reist los und bleibt wegen eines Sturms in einem kleinen Dorf hängen. Nach dem Unwetter, das die folgende Nacht tobt, ist alles anders geworden. Die Welt scheint zwielichtiger und auch Janice bemerkt das. Selbst Steve, bester Freund ihres Verlobten und ein treuer Begleiter, scheint etwas zu verbergen. Die Krone setzt dem Ganzen ein Geisterschiff auf, dass nur Janice in der Nacht gesehen zu haben scheint. Sie beginnt, nicht nur an dem Überleben ihres Geliebten, sondern auch an ihrer eigenen geistigen Gesundheit zu zweifeln.
Das alles mag für jemanden, der dieses Buch nicht kennt, nach recht viel zu klingen, doch liefert die Story erst nach 200 Seiten wirklich Substanz. Janice und Steve landen nämlich nun in einer Hafenstadt, in der Janice angegriffen wird. Tatsächlich besteht der Großteil der Handlung von „Ruf der Tiefe“ daraus, dass Janice für verrückt gehalten wird, um Antworten und ihren Verstand kämpft, oder einfach von einer Frage zur anderen stolpert.
Janice setzt immer wieder neue Prioritäten, wenngleich es immer dabei ihr Ziel ist, Joffrey näher zu kommen.
Dem gesamten Buch wären weniger Geheimniskrämerei und mehr Details zugute gekommen. Selbst mit einem überraschen gefühlvollem Ende konnte Hohlbein das Leseerlebnis für mich rückblickend nicht besser machen.

Es war, als hätte eine unsichtbare Hand ihr Herz berührt und es zusammengedrückt, sodass es einen Schlag übersprang, um dann doppelt so schnell und mit schmerzhafter Kraft weiterzuhämmern.
Seite 42

"Das scheint wohl unser Schicksal zu sein", seufzte Steve und trank einen weiteren Schluck Wein.
"Was?"
"Das wir uns ständig gegenseitig verletzen, ohne es zu wollen."
Seite 173

"Ich kenne die Welt, Janice, und die Menschen. In einer solchen Welt braucht es keinen Teufel, um sie zur Hölle zu machen."
Seite 360


Ich bin zwiegespalten.- Es ist kein schlechtes Buch, aber auch kein gutes. Flach und nett für nebenbei, aber ohne größere Spannungskurven oder interessante Charaktere.
3/7
978-3-492-96743-3