Mittwoch, 20. Juni 2018

{Entstehungsgeschichte} Equinox – Das Lichtmal Tanayars

Nach langem habe ich mal wieder einen Post für euch, der keine Rezension ist.- Und dann gleich so einen Besonderen! Die liebe Janine Prediger hat nämlich ein neues Buch geschrieben, das morgen endlich erscheinen wird und für euch extra einen kleinen Text darüber verfasst, wie sie zu ihren Ideen für "Equinox - Das Lichtmal Tanayars" kam und wie sich ihr neuer Roman dann geformt hat.
Hier also Schluss für mich und ich übergebe das Wort an sie. :)

Wie ist „Equinox – Das Lichtmal Tanayars“ entstanden?
Nach meinem Debüt „Der Dämon von Naruel“, welcher als Kurzgeschichte begann und eine Dekade später den Umfang einer 4-teilige Fantasy-Reihe annahm, ist „Equinox – Das Lichtmal Tanayars“ sozusagen mein erstes Buch, dass wirklich auch als Buch geplant war.
Alles begann im März 2017 mit dem Gedanken: 

Was wäre, wenn es mehr als zwei Geschlechter gäbe? 

Klar, um Nachwuchs zu zeugen, hat es einen großen Vorteil, Gene zu mischen, wofür man zwangsläufig zwei Geschlechter benötigt. Aber was wäre, wenn es unabhängig von männlichem und weiblichem Geschlecht noch etwas anderes gäbe, das jemanden definiert? Etwas, das er sich genauso wenig aussuchen oder beeinflussen kann wie seine DNA. Etwas, in das er aufgrund von persönlichen Talenten hineingeboren wird?
Ich fand es interessant, eine Geschichte über ein Volk zu schreiben, das mehr zu bieten hat als Männlein und Weiblein und so sind letztendlich die vier sogenannten „Kasten“ der Sonnenkinder entstanden. 
(© Janine Prediger)

Ursprünglich wollte ich das Manuskript dem Sternensand Verlag vorlegen, da ich durch meinen Beitrag zur Anthologie „Winterstern“ bereits mit Verlegerin und Lektorin bekannt war und gerne auch einmal „professionell“ mithilfe eines Verlags veröffentlichen wollte. Also entschied ich mich, aus der Geschichte einen kurzen, fantastischen Roman mit nicht mehr als 85.000 Wörtern zu schreiben, der gut ins Programm des Sternensand Verlages passen würde.
Während ich über einen möglichen Handlungsverlauf der Geschichte nachgrübelte, kam mir der Gedanke, dass die Einteilung eines Volkes in unterschiedliche Kasten (ähnlich wie man es in Indien vorfindet) zwangsläufig Probleme der Ungleichheit mit sich bringt. Und damit stand eines der Hauptthemen des Buches bereits fest: Schubladendenken und Vorurteile. 
© Janine Prediger
Mit dem Schreiben der ersten Kapitel kamen mir immer mehr Ideen, welche Probleme es in der Welt der Sonnenkinder gibt und wie die Protagonisten diese zu lösen versuchen. Stück für Stück entfaltete sich eine komplexe Problemstellung, die schnell über das gewohnte Gut-gegen-Böse hinausging. Es wurde kompliziert und an mancher Stelle hatte ich selbst keine Ahnung, wie ich die verschiedenen Probleme zu einem unterhaltsamen und spannenden Roman verweben sollte.
Aus Erfahrung wusste ich aber, dass mir die richtigen Gedanken schon zur richtigen Zeit kommen würden, ich musste dem Ganzen nur etwas Zeit geben. Wenn einmal keine Lust zum Schreiben aufkommen wollte, habe ich Karten oder Stadtpläne entworfen, mich mit den Figuren und ihren Problemen beschäftigt, bin einfach in diese fremde Welt abgetaucht. Für den Fall, dass der Sternensand Verlag das Manuskript ablehnen würde, bereitete ich mich auch auf eine mögliche Veröffentlichung im Selfpublishing vor, machte Skizzen für ein Cover, Gedanken über Buchsatz und Format, etc…
Die Ideen zum Fortgang der Handlung kamen schließlich und es waren mehr als ich erwartet hatte. Im Frühjahr 2017 hatte ich in einem Facebook-Post einmal die Metapher eines neuen Beetes benutzt, in welches ich Samen auswerfe und schauen wollte, was auf diesem kreativen Acker meiner Gedanken so wächst und gedeiht. Nun, es wuchs gewaltig etwas: ein ganzer Dschungel an Ideen.
In meiner Sommerpause im August, in der ich eine 4-wöchige Rucksackreise durch Thailand und Kambodscha unternommen habe, sind mir viele Inspirationen zugeflossen, die ich in meine Geschichte einfließen lassen konnte. Beispielsweise das Dach des Sonnentempels, welches aus tausenden glitzernden Mosaiken besteht wie auch einige der Tempeldächer, die ich dort bewundern durfte.  
© Janine Prediger
Mit viel neuer Energie und einer ganzen Ladung voller neuer Einfälle ist es mir im Herbst 2017 dann gelungen, alle Stränge der Geschichte miteinander zu verweben, bis sie zum großen Finale führten, welches ich im Dezember fertigschrieb.
Aus einem ursprünglich als kurzen Roman geplanten Buches mit 60.000 bis 85.000 Wörtern Umfang war inzwischen ein umfangreiches Werk mit 138.000 Worten geworden. Die Geschichte war im wahrsten Sinne des Wortes gewachsen und sprengte den Rahmen eines 12x19cm- Taschenbuchformats, in welchem es im Falle einer Selbstveröffentlichung erscheinen sollte.
Den ganzen Januar und Februar habe ich damit verbracht, die Geschichte noch einmal komplett aufzuarbeiten, das blühende Beet meiner Fantasie an den richtigen Stellen zu stutzen und hübsch zu arrangieren, sprich Details zu klären, Figuren auszuarbeiten, einen passenden Titel zu finden, ein Exposé für den Sternensand Verlag zu verfassen.
Anfang März 2018, ein Jahr nach Beginn des Projektes, schlug mir allerdings das Schicksal mit voller Wucht ins Gesicht.
Als ich endlich alle angeforderten Daten für eine Manuskripteinsendung an den Verlag zusammengetragen hatte und den Text noch einmal komplett durchgegangen war, setzte am Montag, den 5. März plötzlich eine mehrmonatige Einreiche-Sperre für Manuskripte beim Verlag ein. Diese Sperre trat just an dem Tag in Kraft, an dem ich die Unterlagen abschicken wollte und ich war offengesagt am Boden zerstört. 
Ich hatte ein Jahr lang darauf hingearbeitet, dem Verlag meine Arbeit zu präsentieren, aber diese Chance wurde mir leider verwehrt. Natürlich traf den Verlag keine Schuld an meinem Unglück, aber für mich wirkte das alles zunächst wie ein schlechter Witz, den das Schicksal für mich bereitgehalten hatte. 
© Janine Prediger
„Hätte ich das Manuskript nur einen Tag früher fertiggestellt, hätte ich es noch einsenden können …“ Dieser deprimierende Gedanke warf mich in meiner Euphorie und meinem Elan leider etwas zurück. 

Mehrere Monate mit der Einreichung des Manuskripts zu warten, bis die Sperre aufgehoben sein würde, wobei natürlich noch immer die Möglichkeit bestand, abgelehnt zu werden, war für mich inakzeptabel. Es musste weitergehen, dann eben im Selfpublishing, mit mir selbst als Lektor, Coverdesigner, Schriftsetzer, etc.  
Auch wenn es großartig gewesen wäre, „Equinox“ beim Sternensand Verlag, wo ich gewissermaßen bereits einen Fuß in der Tür hatte, zu veröffentlichen, bin ich doch sehr zufrieden, was nun in kompletter Eigenregie aus dem Buch geworden ist. Im Selfpublishing konnte ich wenigstens die volle Kontrolle über Handlung der Geschichte und Aufmachung des Buches behalten. 
Im April 2018 bekam ich nach 4-wöchigem Warten auf eine verlorengegangene Sendung endlich den Probedruck meines Buches vom Print-On-Demand-Anbieter „BoD“ in die Finger. Ich habe mich also noch einmal im „Fehlerlesen“ geübt, um die letzten Unstimmigkeiten im Text nach bestem Wissen auszubessern und alles für die Veröffentlichung vorzubereiten.
Inzwischen steht der Veröffentlichungstermin fest. Passend zum Inhalt der Geschichte ist es der 21. Juni 2018, Sommersonnenwende. 
Es hat also 16 Monate von der ersten Idee bis zum fertigen Buch gebraucht. Ich musste einige Rückschläge, Hürden und Stolpersteine hinnehmen, aber letztendlich bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Und ich bin natürlich wirklich sehr gespannt, was die Leser zu meinem neusten Werk sagen werden! Ein paar positive Stimmen habe ich bereits von eifrigen Vorab-Lesern im Rahmen einer Leserunde bekommen.  Aber macht euch am besten selbst ein Bild von „Equinox – Das Lichtmal Tanayars“. 


Ich werde mir jedenfalls so schnell es geht "Equinox" besorgen. ;)

Hier findet ihr Janines Facebook-Seite und hier ihre Website. 

Und falls ihr es erstmal mit einer etwas kürzeren Geschichte von ihr versuchen wollt, schaut euch doch mal "Der Dämon von Naruel" an! Meine Rezension zum ersten Band, den ich übrigens regelmäßig Freunden und Bekannten empfehle und unter die Nase halte, wenn sie bei mir sind, findet ihr hier.

Dienstag, 12. Juni 2018

{Rezension} Stirb, du Bastard! Stirb!

Die Zeit ist gekommen, mit Daddy abzurechnen!

Die Krankenschwester Claire kümmert sich liebevoll um Menschen, die Hilfe benötigen. Vielleicht hat Claire diesen Beruf gewählt, weil sie die Kindheit in der Hölle verbrachte – ihr Vater hat sie viele Jahre lang sexuell brutal missbraucht. 
Claire hat die Geschehnisse verdrängt. Doch plötzlich ruft ihre Schwester Olivia an. Sie berichtet, dass ihr Vater im Sterben liegt. Jetzt hätten sie die Chance für ihre späte Rache. 
Aber das Miststück Olivia hat gelogen ...

Figuren
Claire Valentin ist eine zynische und abgebrühte aber gleichzeitig auch sehr emotionale Rettungssanitäterin mit einer todtraurigen Kindheit. Sie, ihre Freundin Olivia und auch andere kleine Mädchen wurden vor vielen Jahren von ihrem Vater missbraucht und damit fast völlig gebrochen. 
Olivia hat schon von Anfang an ein wirklich zwielichtiges Auftreten, was Claire leider nicht rechtzeitig erkennen kann. Sie ist definitiv krank im Kopf, doch ist auch sie genauso unberechenbar wie jede andere Figur in diesem Buch.

Schreibstil
Die Autorin beweist schon sehr früh, dass sie wirklich sehr sehr sehr Schwarzen Humor besitzt. An sich würde ich jetzt davor warnen, aber wer nach einem Buch aus der Festa Extrem Reihe greift, der wird wohl nicht allzu zart besaitet sein.- Das hoffe ich zumindest für denjenigen.
Trotzdem muss ich sagen, dass ich Schlimmeres erwartet habe. Zwar ist dies mein erstes Extrem-Buch, doch wage ich mal zu behaupten, dass es eine gute Story zum Einstieg in den puren Horror ist, an den man sich erst noch herantasten muss. Jan Koslowski beschreibt zwar selbst die schlimmsten Szenen noch relativ vertragbar, doch hat sie trotzdem mit viel Spannung und Schwärze eine kleine verdreckte Welt voller Geisteskranker geschaffen, in der man sein verstecktes sadistisches Ich abtauchen lassen kann.


Inhalt
„Stirb, du Bastard! Stirb!“ bietet einen wirklich blutigen und verstörenden Beginn, in dem man Claire bei einem Rettungseinsatz kennen lernt, der sie wieder an ihre kaputte Vergangenheit erinnert. Schon auf den ersten Seiten wurde ich überrascht, denn sie hat nicht so auf das blutüberströmte Mädchen reagiert, wie ich es erwartet hätte. Offenbar hat Claire diese schlimmen Zeiten so gut es ging so weit wie möglich verdrängt, um annähernd „normal“ leben zu können. Claire ist insoweit eine interessante Hauptfigur, da diese erzwungene Normalität immer wieder zu gewissen Seitensprüngen in ihrem Kopf führt. Ihre Reaktionen auf alles mögliche sind also nie wirklich vorhersehbar, was dauerhaft für eine gereizte Luft um sie sorgt. Und das ist noch gar nicht der Anfang, denn das innere Brodeln in Claire lässt schnell erahnen, dass die über Jahre aufgebaute Mauer um sie herum bald zerbrechen wird und es ist einfach mitleidserregend, wie katastrophal sich ihr Geisteszustand ändert, als sie wieder auf ihren Vater trifft.

Der anfängliche Schrecken flaut recht schnell schon wieder ab, bricht jedoch nach ungefähr hundert Seiten mit umso mehr Wucht wieder über Claire herein. Sie ist nämlich Olivias perfidem Vorschlag, an ihrem Vater Rache zu nehmen, gefolgt und befindet sich nach kurzer Zeit wieder an dem Ort, an dem sie so oft gefoltert wurde. Wie der Klappentext bereits verrät, hat Olivia jedoch nicht die Wahrheit gesagt und verfolgt ein ganz anderes Ziel, in dem letztendlich Claire die Rolle des Opfers einnimmt, und nicht ihr Vater (der sich übrigens auch neue kranke Wege ausgedacht hat, seine Tochter zu schänden).  Ab hier beginnt der wirklich abstoßende Teil voller diverser Körperflüssigkeiten, Gewalt und Misshandlungen. Darauf folgen immer wieder einige unerwartete Wendungen, die jede einzelne Szene aufs Neue völlig ausreizen. Erwartet jedoch kein blankes Gemetzel oder pur stupide endlose Folter, denn Claire findet Wege, sich zu helfen, und wie gesagt: Auch sie tickt nicht ganz richtig. Ich wusste gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht, als alles eskalierte und deswegen konnte ich auch nicht anders, als diese aufreibende Story an einem Tag durchzulesen. Und obwohl die Autorin selbst zum Schluss noch einmal einen drauflegt, habe ich das Gefühl, dass dieser reale Alptraum immer noch nicht völlig ausgereizt wurde.

"Manchmal sind die schlimmsten Verletzungen die, die keine sichtbaren Narben hinterlassen."
Seite 23

Claire fühlte sich wie in eine sehr dunkle Ecke gedrängt. Ihr Eidechsenhirn flüsterte ihr jetzt nichts mehr zu, sondern sprang auf und nieder und wedelte mit einer Roten Flagge, renn weg, renn um dein Leben schreiend.
Seite 79

Auch, wenn ich noch lange kein Festa-Profi bin, maße ich mir doch mal an zu behaupten, dass dieses Buch mit seinen vielschichtigen, kranken Charakteren und seiner von Grausamkeiten und Folter durchzogenen Handlung ein guter Einstieg für jene ist, die mal in menschliche Abgründe abtauchen wollen, um ihre Grenzen zu testen.

5/7
• Achtung! Dieses Buch besitzt keine ISBN.
• Umschlag in Festa-Lederoptik

Andere Bücher aus der Festa Extrem Reihe

Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Samstag, 9. Juni 2018

{Rezension} Drei Tropfen Dunkelheit - Vollstrecker der Königin 2

Die Bewohner der Ibjadischen Reiche achten und fürchten die Gilde der Vollstrecker vom Schwarzen Turm, denn ihnen obliegt es, im Namen der Königin bei Gewaltverbrechen zu ermitteln, zu richten und zu strafen. Caitlynn hat als jüngste Vollstreckerin ihren ersten Fall erfolgreich beendet. Dachte sie. Doch ausgerechnet dieses Urteil bringt sie nun in Gefahr, mehr als nur ihren Schmerzstein zu verlieren. Um dies zu verhindern und die Ehre ihres Meisters zu retten, muss sie den erfahrenen Vollstrecker Belard bei der Aufklärung eines Mordes auf Schloß Maesinar unterstützten und ihn von ihren Fähigkeiten überzeugen. Die Sache hat nur einen Haken: Caitlynn scheint mehr zu sehen als ihr Ausbilder. Und der ist davon alles andere als begeistert.

Figuren
Caitlynn ist eine Vollstreckerin-der-Gerechtigkeit, das bedeutet, dass sie eine besondere Gabe besitzt. Diese ermöglicht es ihr, die letzten Gefühle, die jemand vor seinem Tod in sich trug, selbst zu fühlen und in ihrem Schmerzstein zu speichern, um sie dem Täter (im Falle eines Mordes) einzuflößen und ihn damit zu bestrafen. Außerdem besitzt sie Charisma. Darunter versteht man in Angelika Diems Büchern aber nicht das gleiche, wie in unserer Welt.- Zumindest nicht genau das Gleiche. Charisma ist ebenfalls eine Art Gabe, beziehungsweise die Fähigkeit, in den Menschen gewissermaßen zu lesen, ihre Aura zu sehen und dergleichen. Grob gesagt, würde ich es gewissermaßen als „grob in den Kopf gucken“ bezeichnen. 
So, ich hoffe, ich konnte das jetzt halbwegs gut erklären. Ist gar nicht mal so einfach.
Wie ihr euch sicher denken könnt, ist Caitlynn die Hauptfigur im Buch. Sie ist sympathisch und eine Person, die man im echten Leben sicher gern haben würde, doch ist sie für meinen Geschmack leider zu aalglatt. Sie besitzt keine bemerkenswerte Persönlichkeit und geht dabei zwischen anderen Figuren manchmal unter. Zwar gewinnt sie ab der zweiten Hälfte von „Drei Tropfen Dunkelheit“ an Farbe und beginnt auch endlich, sich nicht nur ihren Mitmenschen sondern auch mir als Leserin zu beweisen, doch ging ihr vieles zu leicht von der Hand.

Schreibstil
Angelika Diem hat einen sehr schönen Schreibstil. Auch wirkt er in diesem Buch sicherer und solider, als ich ihn aus den vergangenen Bänden in Erinnerung habe. Trotz weniger Beschreibungen schafft sie detailreiche Bilder und baut damit eine vielfältige, einzigartige Welt auf. 
Was ihren Stil für mich unverkennbar macht, ist die Tatsache, dass sie diese Welt samt ihrer Natur nutzt, um die Story selbst auf unterschiedlichste Arten zu bereichern, wie ich es in noch keinem anderen Buch erlebt habe.



Inhalt
Ohne viel Vorgeplänkel habe ich mich direkt in der Haupthandlung wiedergefunden. Zugegebenermaßen wollte ich eigentlich noch ein Re-Read von Band 1 und 2 machen, bevor ich mich auf dieses Buch stürze, doch bin ich dann letztendlich doch nicht mehr dazu gekommen. Das war allerdings auch gar nicht weiter schlimm, denn ich habe schnell gemerkt, dass sich viel aus dem Kontext ergibt, und sich selbst jemand, der direkt mit diesem Band einsteigt, in den Ibjadischen Reichen zurechtfinden wird. Natürlich ist ein gewisses Vorwissen immer von Vorteil, doch ist dies hier definitiv kein absolutes Muss.

Im Garten einer Schule für Charismabegabte, bzw. Schloss Maesinar, wurde eine Lehrerin ermordet und Caitlynn soll diesen Fall untersuchen, um den Täter zu fassen und ihm seiner gerechten Strafe zu unterziehen. Dabei wird sie unfreiwillig Belard zugeteilt. Auch er will ermitteln, unterschätzt Caitlynn in ihren Fähigkeiten jedoch extrem und drängt sie deswegen immer wieder vom Fall selbst ab, behandelt sie dabei sogar wie eine Sekretärin, die noch viel zu lernen hat. Ihr geht das natürlich gewaltig gegen den Strich, doch finde ich es schade, dass sie sich nicht aufbäumt. Caitlynn hat zwar ein ruhiges, beobachtendes Wesen, doch hinterfragt sie in ihrem Kopf selbst sehr viel und beim Lesen wurde mir immer wieder deutlich, wie sehr sie sich dagegen sträubt, wie sie behandelt wird. Da hätte ich mir etwas mehr Reaktion von ihr gewünscht.
Die Ermittlungen beginnen sofort, als sie und Belard am Tatort eintreffen. Erst seit relativ kurzer Zeit habe ich eine kleine Schwäche für Krimis entwickelt, weshalb es für mich nochmal ein Sahnehäubchen war, dass ein gewisses Krimi-Feeling immer wieder aufkommt. Mit den Nachforschungen Caitlynns beginnt auch der Spannungsaufbau, da immer mehr Ungereimtheiten im Mordfall auftauchen. Ich selbst hatte bis zum Schluss keine wirkliche Ahnung, wie es ausgehen würde und das macht für mich oft ein gutes Buch aus.
Es mag vielleicht nur eine Kleinigkeit sein, aber im Verlaufe der Handlung habe ich auch die Tote über die Erzählungen und Erinnerungen der Verdächtigen kennengelernt und somit eine gewisse Nähe zu ihr entwickelt, weshalb es für mich ab einem gewissen Punkt immer wichtiger wurde, dass ihr Mörder geschnappt wird.

Erneut wurde der Gong geschlagen. Wieder und wieder und wieder. Im Rhythmus der Herzschläge eines friedliches Schläfers trugen die Klänge die Gebete und Wünsche der Versammelten für Szarahs Seele in den Abendhimmel.
Seite 92

Wer Fantasy und Krimis mag, dem wird mit „Drei Tropfen Dunkelheit“ eine magische Fusion aus beiden geboten. Und auch, wenn Caitlynn für eine Weile eine doch recht graue Hauptfigur ist, so führt sie letztendlich trotzdem mit Emotion durch eine spannende Story. 
6/7

ISBN 978-3-95959-049-5

Weitere Bände zu Caitlynns Geschichte
 

Alle drei im Sammelband

Vielen Dank an den Verlag und die Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.
 

Donnerstag, 31. Mai 2018

{Rezension} Blue Note Girl


Die junge Sängerin Janina Nossak verschwindet spurlos nach ihrem ersten öffentlichen Konzert in Hamburg. 15 Jahre später glaubt der Journalist Eric Teubner den Hinweis auf ein mögliches Verbrechen entdeckt zu haben und rollt den alten Fall noch einmal auf. Dabei wird die Spurensuche nach der eigenwilligen Interpretin verstörender Songs für ihn zur Obsession. Während seiner Nachforschungen taucht der Journalist immer tiefer in die unterschiedlichen Milieus Hamburgs ein, um damalige Zeugen aufzuspüren und löst mit seiner Hartnäckigkeit eine Kette fataler Ereignissen aus. Ein Kriminalroman, der das Schicksal seiner verschwundenen Titelfigur aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, bis langsam die ganze erschreckende Wahrheit ans Licht kommt.
Bernd Richard Knospe erzählt atmosphärisch dicht und unvermittelt von einem Kriminalfall, der nicht gelöst werden will und dessen Ereignisse sich zu wiederholen scheinen. Er arrangiert seine Figuren um die abwesende Protagonistin im Zentrum der Erzählung und zeichnet sie durch pointierte Dialoge zu markanten und komplexen Charakteren. Knospes mehrstimmig erzählte Komposition ist außerdem eine Verbeugung vor der Macht der Musik.

Figuren
Die Handlung kreist um verschiedene Figuren, die nach und nach zueinander finden. Die wichtigsten Personen hierbei sind Eric Teubner, ein von Janinas Fall besessener Journalist, der unbedingt ein Buch über das verschwundene Mädchen schreiben will, und Frank Jensen, ein krebskranker ehemaliger Privatdetektiv, der wieder aktiv wird, als eine weitere Frau verschwindet.
Einige Kapitel bekommen aber auch ein alkoholkranker Polizist und eine vielleicht etwas zu engagierte angehende Journalistin.

Schreibstil
Ich war tatsächlich sehr überrascht, als ich die ersten Seiten von „Blue Note Girl“ las. Einfach, weil ich so einen detaillierten und tiefgehenden Schreibstil bei Krimis nicht gewohnt bin. Da hat mich der Autor tatsächlich positiv überrascht. Ich konnte Janinas Musik und die dauerhafte Schwere, die diese über die Story legte, wirklich fühlen.
Leider kam jedoch über die ersten 200 Seiten nur wenig Spannung für mich auf. Nur hin und wieder, wenn größere Ereignisse einschlugen, hob sich für eine Weile der Spannungsbogen. 


Inhalt
Eigentlich würde ich mich als eine Leserin beschreiben, die recht schnell eine Bindung zu Buchfiguren aufbaut, egal, wie diese dann aussehen. Bei „Blue Note Girl“ hat es jedoch ein ganzes Weilchen gedauert, bis ich wirklich am Schicksal von Eric Teubner, Frank Jensen und Co. Interesse fand. Woran das genau liegt, weiß ich leider nicht einmal, denn der Autor hat seine Charaktere sehr vielschichtig und auch mit einer Menge eigenem Charakter kreiert. In meinem Kopf wollte ich all die Figuren vielleicht etwas zu unbedingt mögen. Erst mit der Zeit wurde mir die eine oder andere Figur wichtig. Dabei haben alle wichtigeren Charaktere etwas an sich gehabt, was ich in Büchern liebe: Puren, trockenen Zynismus. So richtig kommen sie alle nicht miteinander klar, doch raffen sie sich aus verschiedenen Gründen mehr oder weniger zusammen, wodurch ein „Ermittlerteam“ entsteht, dass in dem Sinne eigentlich gar keins ist und somit schon mal mit vielem Krimi-Klischees bricht.- Eine weitere positive Überraschung.
Selbst Janina, die man nur durch Erinnerungen und ihre Musik kennenlernt, wirkt sehr präsent, denn sie bewegt sich wie ein Geist durch die Köpfe der Leute und ist gleichzeitig absolut nicht greifbar.
Gewissermaßen hatte ich eine Handlung erwartet, in der ich über die intensive Bearbeitung zu Janinas Fall mitverfolgen würde, doch letztendlich fungiert sie eher als der Rote Faden, der alles zusammenhält und hin und wieder etwas im Hintergrund verschwindet, denn den Großteil der Story nimmt eine weitere, neue Entführung ein, die ohne Janinas Verschwinden zwar vielleicht nie stattgefunden hätte, mich aber trotzdem eine ganze Weile vom eigentlichen Kern der Geschichte abgelenkt hat. Ich möchte nicht direkt sagen, dass es zeitweise zwei Rote Fäden gab, doch konkurrieren Haupt- und Nebenhandlung stellenweise stark miteinander. Aber wer weiß, vielleicht hat das der Autor ja sogar beabsichtigt, um frischen Wind in trockene Nachforschungen zu bringen (die eigentlich gar nicht so trocken sind), á la „Der Weg ist das Ziel“.
Zwar war der Weg bis zum Finale für mich teilweise recht holprig, doch habe ich es absolut nicht kommen sehen, was auf den letzten Seiten auf mich gewartet hat. Die „Mauer“, die um das gesamte Phänomen „Janina“ hochgezogen wurde, bröckelte schnell und was dahinter lag, habe ich in gefühlt wenigen Sekunden völlig verschlungen.

"Ich hatte vorher nie etwas Vergleichbares gehört. Finstere Worte. Beunruhigende Melodien. Einfach großartig. Einzigartig. Beklemmend. Nicht von dieser Welt. Dass sie überhaupt zu solchen Gedanken fähig war, das machte mich betroffen. Das war kaum zu ertragen. Aber genial. [...]"
Seite 80

Zwar wird die Spannung zwischendurch recht dünn und auch die Nähe zu den Charakteren ist nicht wirklich immer da, doch hat der Autor mit einem Finale zum Luftanhalten und einer permanenten düsteren Stimmung einiges bei mir an Punkten gesammelt.

5/7


ISBN: 978-3-939990-46-8 

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