Montag, 9. Juli 2018

{Rezension} 13 - Das Tagebuch

Godric End, Symbolfigur des Bürgerkriegs in Dustrien, ist in Gefangenschaft geraten. Für eine Zigarette pro Tag erzählt er den Insassen von Zellenblock 13 seine Geschichte:

Ich war elf, als ich zum ersten Mal tötete. Meine Jugend verbrachte ich im Rumpf der Swimming Island fern vom Sonnenlicht. Erbarmungslose Piraten waren meine Familie. Hunger war mein einziger Freund. Worte wie Vertrauen oder Hoffnung bedeuten mir nichts. Das Leben eines Menschen ist für mich nicht mehr wert als das einer Ratte. Ich bin mehr Bestie denn Mann und ich giere nach einer Droge namens Perl.
Trotzdem nennt man mich einen Helden. Einen Freiheitskämpfer. Aber die Wahrheit über mich ist ein scheues und manchmal hässliches Tier.

Ihr glaubt die Magie sei ein Mythos. Aber es gibt noch Alchemisten an den verborgenen Orten dieser Welt. Und ihr ahnt nicht, welche Gefahr hinter den Spiegeln lauert. Ihr habt vermutlich nicht einmal bemerkt, dass die Sterne am Himmel einfach verschwinden.

Ihr sollt meine Geschichte hören. Von meiner Zeit als Auftragsmörder und von meiner ersten Liebe. Vom Tagebuch, mit dem alles begann. Von der Suche nach meiner Schwester und dem Untergang der Welt.

Düster, abenteuerlich und unglaublich fesselnd.

Figuren
Godric End sitzt im Gefängnis, in Block 13 und erzählt dort seinen Mithäftlingen seine tragisch finstere Geschichte. Unter allen anderen Menschen wirkt er wie ein Phantom, das jedoch durch seine Erinnerungen immer mehr an Gestalt gewinnt und sogar Emotionen zeigen kann, die ich ihm mit seiner pessimistischen und bitteren Art nie zugetraut hätte. Er ist wechselhaft, interessant, verletzlich und gefährlich.

Schreibstil
An Carl Wilckens Art zu schreiben muss man wirklich offen herangehen. Er passt zu dieser durch und durch merkwürdigen Geschichte und seinem weiteren Verlauf, doch wirkt er auf den ersten Seiten noch nicht ganz ausgereift. Die Sätze sind noch kurz und beginnen oft auf die gleiche Art und Weise und irgendwie holperten manche Absätze. Das ist etwas schade, aber nach kurzer Zeit konnte ich eine gewisse Entwicklung in seinem Schreibstil ausmachen. Er wird von Kapitel zu Kapitel immer gekonnter und letztendlich habe ich sogar eine regelrechte Schwäche für ihn entwickelt. Der Autor hat nämlich einen sehr ungewöhnlichen Schreibstil. Klar und direkt formt er trotz weniger Worte ideale Sätze, um jedes noch so blutige und schmutzige Detail hervorzuheben, was die Story für mich wirklich unheimlich schnell vorangetrieben hat.- Allerdings auf keine hektische Weise.


Inhalt
Die Welt, die Carl Wilckens geschaffen hat, ist verrußt und schmutzig und der Himmel scheint mit ersten Zeichen den Weltuntergang anzukündigen.
Bei einem Überfall auf seine Heimatstadt landet Godric auf der „Schwimming Island“, einem gigantischen Schiff, das über das Meer treibt. Der Unterrumpf dieses Schiffes, ein lichtloses und gefährliches Labyrinth wird dadurch sein Gefängnis, in dem er mit Perlsüchtigen (Perl ist eine übernatürliche und sehr gefährliche Droge) um die simpelsten lebenserhaltenden Dinge kämpfen muss. Durch diese Umstände wird Godric schnell von einem zivilisierten wissbegierigen Jungen zum gerissenen Mörder und Überlebenskünstler. Es war wirklich zu gleichen Teilen faszinierend und mitleiderregend, wie die unmenschlichen Umstände ihn geformt haben. Dass er nach solch einer Tortur trotzdem noch zu Emotionen und Gnade (bis zu einem gewissen Grad) fähig ist, finde ich bemerkenswert.
Nachdem er wieder an die Oberfläche des Schiffs gelangt, gerät er an einen Piraten und macht seine blutige Vergangenheit zu seiner Profession: Er wird Auftragsmörder und rutscht somit in einen erneuten Strudel aus Mord, Rausch und Halluzinationen.
Irgendwann gelangt Godric an das Tagebuch eines Fremden und wie es der Zufall so will, erfährt er somit sogar etwas über seine ältere Schwester Emily, von der er bei dem Überfall in seiner Kindheit getrennt wurde. Somit spielt die Story von „13-Das Tagebuch“ auf verschiedenen Ebenen: Die erste ist Godric End, der im Gefängnis sitzt, die zweite Ebene (und auch die, der die meiste Zeit gewidmet wird) ist seine Vergangenheit, von der er erzählt und die dritte Ebene sind die Einträge im Tagebuch. Das klingt vorerst vielleicht verwirrend, doch lassen sich alle Ebenen leicht auseinanderhalten und unterbrechen sich gegenseitig auch nicht zu oft, sondern ergänzen sich und die Sprünge zwischen ihnen sorgen dabei für ein ganz besonderes Leseerlebnis. Denn das Rätselraten, das durch die Umbrüche zwischen den Zeiten entsteht, trägt ungemein zur Spannung und Unvorhersehbarkeit bei.

Schon auf der Buchmesse habe ich am Verlagsstand von Acabus erfahren, dass man selbst noch darüber grübeln würde, welchen Büchern „13“ auch nur annähernd nahe kommt, und auch ich wüsste nichts Vergleichbares. Dieses Buch ist eine obskure Mischung aus Steampunk, Dark Fantasy, Horror und gleichzeitig irgendwie sein ganz eigenes Genre.

„Frieden lag über diesem Ort wie eine Decke. Der Frieden einer todgeweihten Welt. Einer Welt, die dafür gekämpft hatte, unterzugehen.“
Seite 7

„Ich muss zugeben, dass der Glaube an Magie und Fabelwesen mich manchmal fasziniert. Wir leben in einer Zeit der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Unser Planet ist vollständig kartographiert, uns ich fürchte den Tag, da es nichts mehr gibt, das wir nicht erklären können. Ist es da närrisch, von verborgenen Orten zu träumen? Magischen Orten wie schwimmenden Inseln oder verwunschenen Tälern?“
Seite 206

Wirklich ein höchst merkwürdiges, unvergleichbares und packendes Buch.
7/7
ISBN: 9783862824731

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Freitag, 6. Juli 2018

{Rezension} Liebe geht immer

Ist das Liebe, oder kann der weg? 
Für Charlotte jahrelang eine rhetorische Frage. Natürlich ist es Liebe, die große, herzschmelzende Für-immer-und-ewig-Liebe. Oliver sieht gut aus, kann zuhören und kochen, liebt Fußball genauso wie Theater und hat als Programmmacher eines lokalen Senders einen spannenden Job. Dass er auch Charlottes Chef ist, stört sie nicht. Noch nicht. Doch dann gibt Oliver von heute auf Morgen einer anderen den Moderatorenjob, von dem Charlotte so lange geträumt hat und ihr Paradies steht Kopf. Als er dann noch erklärt, er habe ihren Wunsch, Moderatorin zu werden, immer für einen Witz gehalten, schließlich sei sie einfach ein bisschen zu moppelig fürs Fernsehen, ist die rosarote Brille endgültig runter: Von wegen für immer – der Mann geht gar nicht. Frustschokolade und Rotwein mit der besten Freundin Matilda gehen dagegen immer. Und schnell ist ein Plan gefasst: Charlotte wird ab jetzt alles daransetzen, um Moderatorin zu werden, Selbstoptimierung inklusive. Ob das gutgeht?

Figuren
Charlotte krempelt ihr ganzes Leben und auch sich selbst um, nachdem es mit allem plötzlich steil bergab geht. Sie ist eine Figur, die zwischen emanzipierter Entschlossenheit und dem öden Dasein im Mitgerissenwerden schwankt und auch andere kleine Makel, neben diesem, machen sie erst zu einer süßen und trotzdem ernstzunehmenden sympathischen Frau, mit der ich mich stellenweise sogar identifizieren konnte.
Ihre beste Freundin Matilda ist sozusagen das ideale Gegenstück zu Charlotte. Die optimistische Esoterik-Fanatikerin ist immer wieder darum bemüht, Charlotte auf die Beine zu helfen und das Glück um sich irgendwie zu maximieren. Umso spannender wird es, als dieser Art einen kleinen Knick bekommt.

Schreibstil
Myriam Klatts Schreibstil ist wahrer Würfelzucker für die Seele. Sämtliche Figuren und Szenen bekommen mit nur wenigen Worten eine schillernde Optik, wodurch ich mich mit beim Lesen die gesamte Zeit gefessselt in einer Rosa Blase befunden habe. Und dieser gewisse Hauch von Kitsch, der ihren Worten immer beischwingt sorgt für einen ganz sanften Charme.


Inhalt
Charlotte versucht nach mehreren Niederschlägen in Liebe und Karriere ihr Leben wieder zu flicken. Irgendwie schafft sie es mit Ach und Krach sich durch die neue Konstruktion ihres Alltags zu boxen und gerät dadurch nach und nach an ein Leben, nach dem sie eigentlich nie wirklich gefragt hat. Dass sie dabei immer wieder mit Anlauf in Fettnäpfchen springt, verleiht ihr eine gewisse Verpeiltheit, die aber zu ihrem Charisma beiträgt.
Ich bin selbst vielleicht nicht unbedingt eine Expertin in Sachen Liebe, aber davon zu lesen, wie sehr sich Lars von Anfang an abmüht, um Charlottes Aufmerksamkeit zu bekommen und wie blind sie trotzdem den eigenen Gefühlen gegenüber ist, weil sie aus kleineren nichtigen Problemen große Dramen macht, hat mich teilweise völlig fertig gemacht. Andererseits konnte ich ihr ihre Art nie übelnehmen, da ich  bis dahin schon über einige Seiten ein Stück ihres Weges mit ihr gegangen bin und daher verstand, woher ihre Angst vor dem Scheitern kommt. Dass da die Liebe nicht gerade an erster Stelle steht, ist da nur nachvollziehbar. Dass sie ihr aber dann trotzdem unverschämt die Tür einrennt, daran kann Charlotte letztendlich auch nichts mehr ändern. Dabei steht im Buch die sich entwickelnde Liebe zwischen ihr und Lars gar nicht so sehr im Vordergrund, sondern auch viele ihrer anderen Formen: Selbstliebe, die Leidenschaft für das, was man tut, Freundschaft und einfach mal Herz zu zeigen. Gerade das erkennt Charlotte allerdings erst lange nachdem es für mich als Leserin offensichtlich war, während sie sich noch in etwas verrannte, das nicht sie war.

Ich halte zwar selbst nicht gerade viel von Selbsthilfebüchern, muss aber gestehen, dass ich Dr. Hagenbecks Tipps am Anfang jedes Kapitels echt gut und einleuchtend finde. Wobei ich dazu auch sagen muss, dass es mir immer wieder so erschien, dass Charlottes Freunde und Bekannte mehr Ahnung haben als manch angepriesener Life-Coach.

„Und da soll ich das Essen testen?“
„Ja, genau!“
„Also ich soll da dann Burger essen?“
„Zwei. Und Pommes, die Pommes nicht vergessen. Ich finde, das macht den Unterschied von Klasse und Masse: die Pommes. Ein geiler Laden hat Pommes, mit denen man schlafen würde!“
„Mit Pommes?“
„Ja, Pommes. [...]“
Seite 49

„Zögernd beugt er sich zu mir. Er riecht nach fremden Gewürzen und nach Erde, als hätte er das Paradies um uns herum eben erst gepflanzt, extra für mich. Mir ist, als würde ich gleich das Bewusstsein verlieren, so unwirklich schwebend und leicht ist der Moment.“
Seite 260

„Glauben sie mir, Frau Mai“, fährt meine Nachbarin indes fort, „Sie müssen sich erlauben, nicht das zu wollen, von dem Sie denken, dass Sie es haben müssten, sondern das, was Ihr Herz verlangt.“
Seite 287

Fazit: Ein Zuckerbuch, das mich mit seiner einnehmenden Hauptfigur und einem herzschmelzendem Ende aus einem Tief holen konnte und das sicher auch bei vielen anderen schafft.
7/7

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Dienstag, 3. Juli 2018

{Rezension} Mörderische Teatime

Anne Cleary, Moderatorin der berühmten Vorabendshow „Teatime with Annie“, wird bei der Vorbereitung der Dreharbeiten im B&B „Tae agus Ceapaire“ ermordet. Am Abend zuvor hatte sie sich mit ihrer Jugendfreundin Mae Pennywether gestritten, worauf diese ihr wutentbrannt einen qualvollen Tod gewünscht hatte. Mae gerät daher unter Tatverdacht und beginnt zu ermitteln, um den wahren Täter zu finden.

Als kurz darauf jemand versucht, Annes Co-Moderator zu vergiften, verdichten sich die Hinweise, dass die Tearoom-Besitzerin Clarissa Nelson nicht nur Gelegenheit, sondern auch Motive für beide Verbrechen hatte. Schließlich kannte auch sie Anne aus Jugendtagen und war von ihr für eine Karriere beim Fernsehen aufs Übelste im Stich gelassen worden. 

Doch wie soll Mae Clarissas und ihre eigene Unschuld beweisen?


Figuren
Oh, wie habe ich mich gefreut, als ich herausfand, dass meine geliebte Mae Pennywether aus „Der Tote im Whiskey-Fass“ die Hauptfigur in diesem Buch sein würde! Ich liebe einfach ihre liebenswert ruppige Art und Weise, die sie zu einer humorvollen, rebellischen Granny macht. Ihrem Enkel gefällt es allerdings gar nicht, dass sich seine Oma in die Ermittlungen zu dem Mord an ihrer Feindin einmischen will, also lässt er sie von seinem ehemaligen Kollegen Andrew O'Malley etwas bewachen. Er soll aufpassen, dass sich die vorlaute Mae nicht in Schwierigkeiten bringt.

Schreibstil
Es ist einfach herrlich, wie Maes Gedankengänge beschrieben werden. Allein schon durch sie bekommt dieser Krimi die richtige Prise Witz, wobei ich dazu sagen muss, dass dadurch das eigentliche Krimi-Feeling in Mitleidenschaft gezogen wird.- Obwohl sich die Handlung um einen Mord dreht. Somit lässt auch die Spannung manchmal nach. Erst, als der Giftmischer ein weiteres Opfer fordert, bekommt die Geschichte einen neuen, anderen Ton.
Trotzdem habe ich dieses Buch förmlich verschlungen, da die einzelnen Figuren und auch Ivy Pauls Erzählstil einen tollen Charme besitzen.


Inhalt
Mit der neuen Leiche habe ich als Leserin auch ein neues Getränk auf den Tisch gestellt bekommen: Tee statt des Whiskeys aus Band 1. Da dies erst der zweite Band ist, weiß ich nicht, ob sich das „Getränke-Thema“ auch durch folgende Krimis ziehen wird, allerdings fänd ich diese Idee persönlich genial. Es gibt dem ganzen einfach nochmal eine weitere kleine Befestigung des Roten Fadens. Abgesehen davon halte ich beide Bücher allerdings für unabhängig voneinander. Es ist vielleicht eine tolle kleine Nebensache, wenn man bereits den Ort und ein paar Figuren kennt, allerdings könnte man auch direkt bei „Mörderische Teatime“ einsteigen und würde nicht zu wenig Wissen besitzen.
Anne, das Mordopfer durfte ich noch ein kurzes Weilchen kennenlernen, bevor sie abgemurkst wurde und ich muss gestehen, dass mir diese Giftschleuder wirklich nicht gefehlt hat. Gleichzeitig wird dadurch allerdings sofort jeder verdächtig, da sie sich auch zu jedem wie ein Biest verhält und nach und nach immer mehr Leute ihre möglichen Motive offenbaren. Auch Mae selbst erwartet bereits, dass die Polizei sie ins Visier nimmt, denn sie war die letzte, die sich in aller Öffentlichkeit mit Anne gestritten hat. Damit sie dieses Unrecht direkt von sich abwenden kann, will sie selbst Initiative ergreifen und den wahren Täter dingfest machen. Wie bereits erwähnt soll Andrew dabei versteckt ihre „Nanny“ spielen, während er den ernsthaften Ermittlungen nachgeht. Mae ist allerdings nicht blöd und deshalb bekommt sie es sogar hin, diesen Trick für ihre Zwecke zu nutzen.
Ab dem Angriff auf eine weitere Person wird, wie bereits erwähnt, die gesamte Story etwas ernster und selbst Mae zeigt neue Züge. (Auch, wenn sie sich trotzdem die ganze Zeit 100% treu bleibt.) Und ein kleiner Hinweis am Ende lässt sogar schon auf den nächsten Band hoffen.

„Manche Dinge können wir nicht ändern. Wir können nur versuchen, unser Leben auf die bestmögliche Weise zu verbringen. Was die anderen tun, liegt nicht in unserer Macht“, sagte Mae.
Seite 232

Auch, wenn die Handlung stellenweise eher vor sich dahindümpelt, statt mitzureißen, haben eine toughe und witzige Hauptfigur und gut durchdachte Nebencharaktere dieses Buch wieder zu einer kleinen Besonderheit gemacht. 
5/7

ISBN: 978-3940258830

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Mittwoch, 20. Juni 2018

{Entstehungsgeschichte} Equinox – Das Lichtmal Tanayars

Nach langem habe ich mal wieder einen Post für euch, der keine Rezension ist.- Und dann gleich so einen Besonderen! Die liebe Janine Prediger hat nämlich ein neues Buch geschrieben, das morgen endlich erscheinen wird und für euch extra einen kleinen Text darüber verfasst, wie sie zu ihren Ideen für "Equinox - Das Lichtmal Tanayars" kam und wie sich ihr neuer Roman dann geformt hat.
Hier also Schluss für mich und ich übergebe das Wort an sie. :)

Wie ist „Equinox – Das Lichtmal Tanayars“ entstanden?
Nach meinem Debüt „Der Dämon von Naruel“, welcher als Kurzgeschichte begann und eine Dekade später den Umfang einer 4-teilige Fantasy-Reihe annahm, ist „Equinox – Das Lichtmal Tanayars“ sozusagen mein erstes Buch, dass wirklich auch als Buch geplant war.
Alles begann im März 2017 mit dem Gedanken: 

Was wäre, wenn es mehr als zwei Geschlechter gäbe? 

Klar, um Nachwuchs zu zeugen, hat es einen großen Vorteil, Gene zu mischen, wofür man zwangsläufig zwei Geschlechter benötigt. Aber was wäre, wenn es unabhängig von männlichem und weiblichem Geschlecht noch etwas anderes gäbe, das jemanden definiert? Etwas, das er sich genauso wenig aussuchen oder beeinflussen kann wie seine DNA. Etwas, in das er aufgrund von persönlichen Talenten hineingeboren wird?
Ich fand es interessant, eine Geschichte über ein Volk zu schreiben, das mehr zu bieten hat als Männlein und Weiblein und so sind letztendlich die vier sogenannten „Kasten“ der Sonnenkinder entstanden. 
(© Janine Prediger)

Ursprünglich wollte ich das Manuskript dem Sternensand Verlag vorlegen, da ich durch meinen Beitrag zur Anthologie „Winterstern“ bereits mit Verlegerin und Lektorin bekannt war und gerne auch einmal „professionell“ mithilfe eines Verlags veröffentlichen wollte. Also entschied ich mich, aus der Geschichte einen kurzen, fantastischen Roman mit nicht mehr als 85.000 Wörtern zu schreiben, der gut ins Programm des Sternensand Verlages passen würde.
Während ich über einen möglichen Handlungsverlauf der Geschichte nachgrübelte, kam mir der Gedanke, dass die Einteilung eines Volkes in unterschiedliche Kasten (ähnlich wie man es in Indien vorfindet) zwangsläufig Probleme der Ungleichheit mit sich bringt. Und damit stand eines der Hauptthemen des Buches bereits fest: Schubladendenken und Vorurteile. 
© Janine Prediger
Mit dem Schreiben der ersten Kapitel kamen mir immer mehr Ideen, welche Probleme es in der Welt der Sonnenkinder gibt und wie die Protagonisten diese zu lösen versuchen. Stück für Stück entfaltete sich eine komplexe Problemstellung, die schnell über das gewohnte Gut-gegen-Böse hinausging. Es wurde kompliziert und an mancher Stelle hatte ich selbst keine Ahnung, wie ich die verschiedenen Probleme zu einem unterhaltsamen und spannenden Roman verweben sollte.
Aus Erfahrung wusste ich aber, dass mir die richtigen Gedanken schon zur richtigen Zeit kommen würden, ich musste dem Ganzen nur etwas Zeit geben. Wenn einmal keine Lust zum Schreiben aufkommen wollte, habe ich Karten oder Stadtpläne entworfen, mich mit den Figuren und ihren Problemen beschäftigt, bin einfach in diese fremde Welt abgetaucht. Für den Fall, dass der Sternensand Verlag das Manuskript ablehnen würde, bereitete ich mich auch auf eine mögliche Veröffentlichung im Selfpublishing vor, machte Skizzen für ein Cover, Gedanken über Buchsatz und Format, etc…
Die Ideen zum Fortgang der Handlung kamen schließlich und es waren mehr als ich erwartet hatte. Im Frühjahr 2017 hatte ich in einem Facebook-Post einmal die Metapher eines neuen Beetes benutzt, in welches ich Samen auswerfe und schauen wollte, was auf diesem kreativen Acker meiner Gedanken so wächst und gedeiht. Nun, es wuchs gewaltig etwas: ein ganzer Dschungel an Ideen.
In meiner Sommerpause im August, in der ich eine 4-wöchige Rucksackreise durch Thailand und Kambodscha unternommen habe, sind mir viele Inspirationen zugeflossen, die ich in meine Geschichte einfließen lassen konnte. Beispielsweise das Dach des Sonnentempels, welches aus tausenden glitzernden Mosaiken besteht wie auch einige der Tempeldächer, die ich dort bewundern durfte.  
© Janine Prediger
Mit viel neuer Energie und einer ganzen Ladung voller neuer Einfälle ist es mir im Herbst 2017 dann gelungen, alle Stränge der Geschichte miteinander zu verweben, bis sie zum großen Finale führten, welches ich im Dezember fertigschrieb.
Aus einem ursprünglich als kurzen Roman geplanten Buches mit 60.000 bis 85.000 Wörtern Umfang war inzwischen ein umfangreiches Werk mit 138.000 Worten geworden. Die Geschichte war im wahrsten Sinne des Wortes gewachsen und sprengte den Rahmen eines 12x19cm- Taschenbuchformats, in welchem es im Falle einer Selbstveröffentlichung erscheinen sollte.
Den ganzen Januar und Februar habe ich damit verbracht, die Geschichte noch einmal komplett aufzuarbeiten, das blühende Beet meiner Fantasie an den richtigen Stellen zu stutzen und hübsch zu arrangieren, sprich Details zu klären, Figuren auszuarbeiten, einen passenden Titel zu finden, ein Exposé für den Sternensand Verlag zu verfassen.
Anfang März 2018, ein Jahr nach Beginn des Projektes, schlug mir allerdings das Schicksal mit voller Wucht ins Gesicht.
Als ich endlich alle angeforderten Daten für eine Manuskripteinsendung an den Verlag zusammengetragen hatte und den Text noch einmal komplett durchgegangen war, setzte am Montag, den 5. März plötzlich eine mehrmonatige Einreiche-Sperre für Manuskripte beim Verlag ein. Diese Sperre trat just an dem Tag in Kraft, an dem ich die Unterlagen abschicken wollte und ich war offengesagt am Boden zerstört. 
Ich hatte ein Jahr lang darauf hingearbeitet, dem Verlag meine Arbeit zu präsentieren, aber diese Chance wurde mir leider verwehrt. Natürlich traf den Verlag keine Schuld an meinem Unglück, aber für mich wirkte das alles zunächst wie ein schlechter Witz, den das Schicksal für mich bereitgehalten hatte. 
© Janine Prediger
„Hätte ich das Manuskript nur einen Tag früher fertiggestellt, hätte ich es noch einsenden können …“ Dieser deprimierende Gedanke warf mich in meiner Euphorie und meinem Elan leider etwas zurück. 

Mehrere Monate mit der Einreichung des Manuskripts zu warten, bis die Sperre aufgehoben sein würde, wobei natürlich noch immer die Möglichkeit bestand, abgelehnt zu werden, war für mich inakzeptabel. Es musste weitergehen, dann eben im Selfpublishing, mit mir selbst als Lektor, Coverdesigner, Schriftsetzer, etc.  
Auch wenn es großartig gewesen wäre, „Equinox“ beim Sternensand Verlag, wo ich gewissermaßen bereits einen Fuß in der Tür hatte, zu veröffentlichen, bin ich doch sehr zufrieden, was nun in kompletter Eigenregie aus dem Buch geworden ist. Im Selfpublishing konnte ich wenigstens die volle Kontrolle über Handlung der Geschichte und Aufmachung des Buches behalten. 
Im April 2018 bekam ich nach 4-wöchigem Warten auf eine verlorengegangene Sendung endlich den Probedruck meines Buches vom Print-On-Demand-Anbieter „BoD“ in die Finger. Ich habe mich also noch einmal im „Fehlerlesen“ geübt, um die letzten Unstimmigkeiten im Text nach bestem Wissen auszubessern und alles für die Veröffentlichung vorzubereiten.
Inzwischen steht der Veröffentlichungstermin fest. Passend zum Inhalt der Geschichte ist es der 21. Juni 2018, Sommersonnenwende. 
Es hat also 16 Monate von der ersten Idee bis zum fertigen Buch gebraucht. Ich musste einige Rückschläge, Hürden und Stolpersteine hinnehmen, aber letztendlich bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Und ich bin natürlich wirklich sehr gespannt, was die Leser zu meinem neusten Werk sagen werden! Ein paar positive Stimmen habe ich bereits von eifrigen Vorab-Lesern im Rahmen einer Leserunde bekommen.  Aber macht euch am besten selbst ein Bild von „Equinox – Das Lichtmal Tanayars“. 


Ich werde mir jedenfalls so schnell es geht "Equinox" besorgen. ;)

Hier findet ihr Janines Facebook-Seite und hier ihre Website. 

Und falls ihr es erstmal mit einer etwas kürzeren Geschichte von ihr versuchen wollt, schaut euch doch mal "Der Dämon von Naruel" an! Meine Rezension zum ersten Band, den ich übrigens regelmäßig Freunden und Bekannten empfehle und unter die Nase halte, wenn sie bei mir sind, findet ihr hier.

Dienstag, 12. Juni 2018

{Rezension} Stirb, du Bastard! Stirb!

Die Zeit ist gekommen, mit Daddy abzurechnen!

Die Krankenschwester Claire kümmert sich liebevoll um Menschen, die Hilfe benötigen. Vielleicht hat Claire diesen Beruf gewählt, weil sie die Kindheit in der Hölle verbrachte – ihr Vater hat sie viele Jahre lang sexuell brutal missbraucht. 
Claire hat die Geschehnisse verdrängt. Doch plötzlich ruft ihre Schwester Olivia an. Sie berichtet, dass ihr Vater im Sterben liegt. Jetzt hätten sie die Chance für ihre späte Rache. 
Aber das Miststück Olivia hat gelogen ...

Figuren
Claire Valentin ist eine zynische und abgebrühte aber gleichzeitig auch sehr emotionale Rettungssanitäterin mit einer todtraurigen Kindheit. Sie, ihre Freundin Olivia und auch andere kleine Mädchen wurden vor vielen Jahren von ihrem Vater missbraucht und damit fast völlig gebrochen. 
Olivia hat schon von Anfang an ein wirklich zwielichtiges Auftreten, was Claire leider nicht rechtzeitig erkennen kann. Sie ist definitiv krank im Kopf, doch ist auch sie genauso unberechenbar wie jede andere Figur in diesem Buch.

Schreibstil
Die Autorin beweist schon sehr früh, dass sie wirklich sehr sehr sehr Schwarzen Humor besitzt. An sich würde ich jetzt davor warnen, aber wer nach einem Buch aus der Festa Extrem Reihe greift, der wird wohl nicht allzu zart besaitet sein.- Das hoffe ich zumindest für denjenigen.
Trotzdem muss ich sagen, dass ich Schlimmeres erwartet habe. Zwar ist dies mein erstes Extrem-Buch, doch wage ich mal zu behaupten, dass es eine gute Story zum Einstieg in den puren Horror ist, an den man sich erst noch herantasten muss. Jan Koslowski beschreibt zwar selbst die schlimmsten Szenen noch relativ vertragbar, doch hat sie trotzdem mit viel Spannung und Schwärze eine kleine verdreckte Welt voller Geisteskranker geschaffen, in der man sein verstecktes sadistisches Ich abtauchen lassen kann.


Inhalt
„Stirb, du Bastard! Stirb!“ bietet einen wirklich blutigen und verstörenden Beginn, in dem man Claire bei einem Rettungseinsatz kennen lernt, der sie wieder an ihre kaputte Vergangenheit erinnert. Schon auf den ersten Seiten wurde ich überrascht, denn sie hat nicht so auf das blutüberströmte Mädchen reagiert, wie ich es erwartet hätte. Offenbar hat Claire diese schlimmen Zeiten so gut es ging so weit wie möglich verdrängt, um annähernd „normal“ leben zu können. Claire ist insoweit eine interessante Hauptfigur, da diese erzwungene Normalität immer wieder zu gewissen Seitensprüngen in ihrem Kopf führt. Ihre Reaktionen auf alles mögliche sind also nie wirklich vorhersehbar, was dauerhaft für eine gereizte Luft um sie sorgt. Und das ist noch gar nicht der Anfang, denn das innere Brodeln in Claire lässt schnell erahnen, dass die über Jahre aufgebaute Mauer um sie herum bald zerbrechen wird und es ist einfach mitleidserregend, wie katastrophal sich ihr Geisteszustand ändert, als sie wieder auf ihren Vater trifft.

Der anfängliche Schrecken flaut recht schnell schon wieder ab, bricht jedoch nach ungefähr hundert Seiten mit umso mehr Wucht wieder über Claire herein. Sie ist nämlich Olivias perfidem Vorschlag, an ihrem Vater Rache zu nehmen, gefolgt und befindet sich nach kurzer Zeit wieder an dem Ort, an dem sie so oft gefoltert wurde. Wie der Klappentext bereits verrät, hat Olivia jedoch nicht die Wahrheit gesagt und verfolgt ein ganz anderes Ziel, in dem letztendlich Claire die Rolle des Opfers einnimmt, und nicht ihr Vater (der sich übrigens auch neue kranke Wege ausgedacht hat, seine Tochter zu schänden).  Ab hier beginnt der wirklich abstoßende Teil voller diverser Körperflüssigkeiten, Gewalt und Misshandlungen. Darauf folgen immer wieder einige unerwartete Wendungen, die jede einzelne Szene aufs Neue völlig ausreizen. Erwartet jedoch kein blankes Gemetzel oder pur stupide endlose Folter, denn Claire findet Wege, sich zu helfen, und wie gesagt: Auch sie tickt nicht ganz richtig. Ich wusste gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht, als alles eskalierte und deswegen konnte ich auch nicht anders, als diese aufreibende Story an einem Tag durchzulesen. Und obwohl die Autorin selbst zum Schluss noch einmal einen drauflegt, habe ich das Gefühl, dass dieser reale Alptraum immer noch nicht völlig ausgereizt wurde.

"Manchmal sind die schlimmsten Verletzungen die, die keine sichtbaren Narben hinterlassen."
Seite 23

Claire fühlte sich wie in eine sehr dunkle Ecke gedrängt. Ihr Eidechsenhirn flüsterte ihr jetzt nichts mehr zu, sondern sprang auf und nieder und wedelte mit einer Roten Flagge, renn weg, renn um dein Leben schreiend.
Seite 79

Auch, wenn ich noch lange kein Festa-Profi bin, maße ich mir doch mal an zu behaupten, dass dieses Buch mit seinen vielschichtigen, kranken Charakteren und seiner von Grausamkeiten und Folter durchzogenen Handlung ein guter Einstieg für jene ist, die mal in menschliche Abgründe abtauchen wollen, um ihre Grenzen zu testen.

5/7
• Achtung! Dieses Buch besitzt keine ISBN.
• Umschlag in Festa-Lederoptik

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