Freitag, 20. Oktober 2017

{Rezension} Die Halblinge



Eigentlich ist der Halbling Edeltocht Lampenzünder ganz zufrieden damit, als kleiner Archivar in der Großen Bibliothek Bücher zu sortieren und in aufregenden Geschichten zu schmökern. Doch dann schickt der Meisterbibliothekar ihn mit einer wichtigen Botschaft los – und Tocht stolpert, ehe er sich’s versieht, in ein großes Abenteuer, bei dem er Bekanntschaft mit üblen Schurken, Zwergen, Trollen und vielen anderen unliebsamen Gesellen macht. Und so muss der tapfere Halbling ganz ungewollt am eigenen Leib erfahren, dass echte Abenteuer zu erleben viel, viel gefährlicher ist als vor dem heimischen Herdfeuer von ihnen zu lesen …

Figuren
Der Hauptprotagonist in „Die Halblinge“ ist Tocht, ein verschüchterter, aber engagierter Bibliothekar, der sein Leben in Watte gepackt zwischen Büchern genießt. Aus dieser Ruhe wird er jedoch abrupt herausgerissen und schlittert Hals über Kopf in ein Abenteuer, von dem er gar nicht wusste, dass er es nötig hat.- Denn endlich kann er sich beweisen.
Währen dem Verlauf der Handlung wird er eher unfreiwillig Pirat, Sklave, Maler, Dieb und vieles mehr. Und seine Wege dorthin sind genauso wechselhaft wie die Rollen, die er spielt, jedoch ohne dabei auf irgendeine Art hektisch zu werden.
Jede Figur, auf die Tocht dabei stößt, ist völlig eigen und ganz ohne Grauzonen. Sie alle werden genug beleuchtet, um ihnen Charakter zu geben und ihnen Leben einzuhauchen, jedoch ohne mich als Leser mit Informationen zu überladen.

Handlung
Eigentlich soll Tocht nur für seinen Herren einen Brief wegbringen, gerät dabei jedoch in einen Angriff von Beinbrandern (koboldartige Fledermaus-Zombie-Mutanten-Viecher...). Durch eine Verkettung von verschiedenen Zufällen gerät er dabei jedoch an Bord der „Einäugigen Peggie“ und gerät schnell in verschiedene gefährliche Situationen, an denen man ihm des Öfteren die Schuld geben will. Was mir an dem Ganzen gefällt ist, dass er nicht plötzlich vom Halbling zu einem Helden mutiert, wie es sonst oft im High Fantasy der Fall ist.- Tocht bleibt im Kern immer ein Bibliothekar und lernt eher, Mut zu haben und sich den Situationen anzupassen. Auch erklärt er gern Kleinigkeiten sehr ausschweifend, indem er Legenden oder historisches Wissen auspackt, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen.- Eine nette Idee, das ganze Land dem Leser näherzubringen, ohne einzuschläfern oder vom Kontext abzuweichen.
Außerdem ist es mir mehr als positiv aufgefallen, dass hier der Fokus auf Intelligenz liegt und Tocht es schafft, sich mit Grips, statt mit roher Waffengewalt, aus Problemen zu winden. Nichtsdestotrotz gibt es mehrere Kämpfe und handgreifliche Auseinandersetzungen, die jedoch meistens eher von den Zwergen ausgehen, die Tocht begleiten. (Die übrigens überraschenderweise mal keine Krieger oder im Bergbau tätig sind, sondern tatsächlich auf einem Schiff über die Meere schippern!)
Sicherlich kommt dem einen oder anderen hier vieles bekannt vor. Wer „Der kleine Hobbit“ oder eben die dazugehörigen Filme kennt, wird so einiges wiedererkennen. Hier jedoch ein großes ABER: „Die Halblinge“ ist trotz allem absolut keine Kopie von Tolkiens Werken. Wenn schon etwas, dann eher eine Hommage, denn dieses Buch liest sich sehr eigenständig und auch mit einem ganz anderen Fluss.

Schreibstil
Dadurch, dass Mel Odom einen sehr flüssigen und süchtig machenden Schreibstil hat, habe ich „die Halbinge“ in wenigen Tagen durchlesen können und ich kann es kaum erwarten, die Fortsetzungen in die Hände zu bekommen!
Alles in dieser Welt ist liebevoll und genau beschrieben und jede gelesene Seite bringt Neues mit sich, das die gesamte Story wieder auffrischt, sodass absolut keine Eintönigkeit entstehen kann. Außerdem nimmt der Autor hin und wieder durch Tocht Buchliebhaber und ihre häufigen Denk- und Verhaltensweisen aufs Korn, in welchen ich mich teilweise doch stark wiedererkannt habe. 

"Dumm, sagst du?" Der Mann lächelte. "Hast du jemals über die Spanne zwischen Dummheit und Genialität nachgedacht?" Er hob die Hand und legte Zeigefinger und Mittelfinger unmittelbar übereinander. "Die beiden stehen einander so nah wie die Haut zwischen diesen Fingern, mein Freund. Der einzige entscheidende Faktor ist, dass das eine nicht funktioniert und - ungerechterweise, wie ich manchmal denke - Dummheit genannt wird. Und wenn das andere funktioniert, nennt man es, auch wenn es oberflächlich betrachtet genauso töricht ist, Brillianz."
Seite 261

"Manchmal muss man bereit sein, das Falsche zu tun, um zu lernen, wie man es richtig machen muss."
Seite 536


Spannend, abwechslungsreich und wenige Klischees bedienend.
Wirklich, wirklich toll!
7/7

(Leider finde ich auch hier nichts auf der Verlagsseite. Und da ich ungern zum "großen A" verlinke... Am besten, ihr kauft es euch gebraucht.;) )
ISBN:  3442244986

Folgebände
(bereits alle erschienen)
  

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