Sonntag, 9. September 2018

{Rezension} Auf Höllenkurs


Eine abgelegene tropische Insel mit einem geheimen Raketentestgelände mitten im Pazifik – das ist der Ort, an dem Matt Anderssen arbeitet, als eines Tages der Kontakt zur Außenwelt abbricht. Die letzten Nachrichten, die ihn noch erreichten, sprachen von einem Terrorakt und einer Seuche, welche die Welt an den Rand der Zerstörung bringen könnte. Nun trennen ihn fünftausend Meilen Ozean von seiner Frau und seinen Kindern, und Matt muss zu ihnen zurückkehren, koste es, was es wolle. Zusammen mit zwei Freunden begibt er sich auf eine Odyssee über das Meer, auf einen Hoellenkurs, wo nicht nur Stürme und Piraten, sondern auch Hoffnungslosigkeit und Selbstzweifel lauern …

Figuren
Der einzig wirklich wichtige Hauptcharakter, den ich beim Lesen von „Höllenkurs“ auch die ganze Zeit begleitet habe, ist Matt. Er ist Meteorologe und auf Kwaj zu Beginn stationiert. Er ist intelligent und berechnend, hat aber auch einen merkwürdigen Sinn für Humor (er nennt beispielsweise sein Haustier, eine Fliege, „Shithead“), der ihm ein gewisses Stück Sympathie meinerseits eingebracht hat. Außerdem wird er zum Ende hin richtig badass, was bei mir immer für Pluspunkte sorgt.

Schreibstil
Tom Wright hat etwas geschafft, woran ich anfangs noch gezweifelt habe: Er lässt sogar meteorologische Fakten und selbst Ameisen in seinem Buch interessant wirken. Außerdem hat er selbst auf der besagten Insel Kwaj gedient und das ist im Buch wirklich merkbar; Er liefert genaue Beschreibungen und baut damit sowohl Tropenfeeling als auch Panik auf. Dazu muss ich jedoch sagen, dass weniger Action und Aufregung die Handlung begleiten als ich erwartet hätte, denn der Autor hat selbst krasse Elemente unspektakulär verpackt.


Inhalt
Als Matts Frau ihn anruft und ihm berichtet, dass sich in den USA die Rot-Pest immer weiter ausbreitet, tut er es anfangs noch als eher harmlos ab und ist der festen Überzeugung, dass die Medien lediglich übertreiben. Während seine Frau und seine Kinder also in Amerika immer nervöser werden, rauscht ein Sturm über das Meer nach Kwaj heran. Da allerdings selbst Matt als Meteorologe dieses Unwetter nicht einschätzen kann, wird die Bedrohung doch realer als erwartet.
Es dauert nicht lange, da erreicht auch eine Nachricht über die tatsächlichen Ausmaße der Rot-Pest die Insel, woraufhin diese abgeriegelt wird. Matt beschließt daher kurzerhand, mit ein paar Freunden und Kollegen bei einer Nacht- und Nebelaktion mit einer Yacht zu fliehen, um ihre Familien in den Staaten ausfindig zu machen.
Während dieser Flucht und auch bereits davor wird sehr oft die Theorie der Schifffahrt, Technik und des Wetters thematisiert, wobei ich nicht sagen kann, dass das langweilig wäre, auch, wenn weniger passiert als ich erwartet habe.
Sobald die Yacht auf dem Meer ist, befinden sich Matt und die anderen in einer Art Blase. Sie bekommen zwar schwache und auch verstörend bemerkbare Zeichen der Katastrophen an Land mit, sind aber trotzdem so weit von all dem entfernt, dass es nicht wirklich so nahegeht, dass starke Emotionen ausgelöst werden. Die Spannung hat Wright hier wirklich auf die Ungewissheit gelegt.
Als Leserin habe ich überraschenderweise wenige Infos über das wirkliche Leben und den Alltag auf dem Meer bekommen, womit ich nicht gerechnet habe. Stattdessen gibt es viele Einblicke in Matts oft abschweifende Gedanken und die oberflächliche Psyche der Besatzung.
An sich muss ich sagen, dass sich „Auf Höllenkurs“ nicht so richtig nach einem Katastrophenszenario anfühlt, was vor allem daran liegt, dass die Rot-Pest nicht wirklich präsent ist. Auch, wenn die Handlung auf den letzten 150 Seiten an Fahrt aufnimmt und immer spannender und emotionaler wird und selbst die Brutalität und Endzeitstimmung zunehmen, fühlte sich dieses Buch doch mehr nach einer düster-philosophischen Erkundung von Matts Innerem an.

"Du hast dein Leben schon einmal aufs Spiel gesetzt, um mich zu retten, und tust es jetzt wieder. Warum?"
"Es gibt immer noch Menschen, die den Unterschied zwischen Recht und Unrecht erkennen" rief ich gegen den tosenden Wind und Regen an. "Auch, wenn gerade so viel Mist passiert, sind die Guten noch nicht ausgestorben. Das spricht, denke ich, stärker für die Existenz eines Gottes als alles andere."
Seite 181

Die meisten Menschen können die Vorstellung, dass es sowas gab, ihr Leben lang außer Acht lassen, doch sollte sich ein Toter einmal bewegen, würden wir unweigerlich vor die Tatsache gestellt, dass dies real war. Auf einmal wäre es also denkbar, dass all die Geräusche, die man als Kind gehört hat, tatsächlich von Monstern gemacht worden waren.
Seite 226

Zwar lässt die apokalyptische Stimmung eine ganze Weile auf sich warten, doch bietet dieses Buch im Gegenzug einen detaillierten Einblick in das Schicksal eines Einzelnen. 
5/7

ISBN: 978-3-95835-315-2
Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Freitag, 7. September 2018

{Rezension} Die Dämonenkriege

Als der Dämonenjäger Ryk bei einem Einsatz seine beiden Gefährten an einen Dämon verliert, den es seit Hunderten von Jahren eigentlich gar nicht mehr geben dürfte, schwört er Rache. Währenddessen gelingt es der Gestaltwandlerin Catara, den wegen Mordes an seinem Vater angeklagten Thronprinzen Ishan aus dem Kerker zu befreien. Doch damit beginnen die Probleme für die beiden erst, denn all die dunklen Vorkommnisse sind nur die Vorboten eines drohenden Kriegs, der die Welt der Schwebenden Reiche in ihren Grundfesten erschüttern wird ...

Figuren
Wie es nun mal so oft im High Fantasy ist, haben wir mehrere handlungstragende Hauptcharaktere. Der erste, dem ich in „Die Dämonen kriege“ begegnet bin, ist Ryk, der Dämonenjäger, der nach einen Kampf gegen einen Dämon auf kurzer Zeit ungewöhnlich schnell gealtert ist und auch irgendwie der Vernünftigste der Gruppe ist. Ihm schließt sich nach einer Weile Ishan, der Prinz von Sharigor an, der nach einem Attentat auf seinen Vater auf der Flucht ist. Er ist eher aufbrausend und unerfahren mit seinen vielleicht 18 Jahren und sorgt regelmäßig für neue Probleme. Dann hätten wir da noch Catara, meine Lieblingsfigur im Buch. Sie ist die Assassine der Königin und kann die Gestalt ihrer Opfer annehmen, indem sie von ihrem Fleisch isst. Zwar macht sie zu Beginn noch einen kalten und skrupellosen Eindruck, doch erlaubt der Autor nach einer Weile auch Einblicke hinter diese Fassade.
Und als Letzte im Bund kommt Kela, eine Halbdämonin in die Runde. Sie mochte ich am Wenigsten, weil ihre vorlaute Art und ihr teilweise unnötig biestiges Wesen einfach sehr unsympathisch sind.
Was ich an den Figuren dieses Buches allerdings besonders mochte, waren ihre Entwicklungen. Sie alle zeigen schnell, dass sie nicht das sind, wofür ich zu zu Beginn gehalten habe. 

Schreibstil
Ich muss gestehen, ich hatte direkt nach Erhalt des Buches bereits ein paar Seiten gelesen und es dann für längere Zeit wieder zur Seite gelegt. Mittlerweile verstehe ich aber gar nicht mehr warum, denn der Autor hat einen sehr einnehmenden Schreibstil und hat eine sehr authentische Welt mit Charakteren geschaffen, die in keine Form passen.


Inhalt
Die Welt, in der „Die Dämonenkriege“ spielt, ist eine zerbrochene Welt.- Wortwörtlich. Sie besteht aus Bruchstücken eines großen Ganzen (Mir erschien es wie unsere Welt, nur in ferner, ferner Zukunft...), die über heiße Ströme miteinander verbunden sind wie schwebende Inseln. Diese „Inseln“ haben sich in zwei Parteien gespalten: Den Fünferbund und die Freien Reiche. Als die Herrscher der jeweiligen Inseln sich auf (eigentlich) neutralem Boden zu Verhandlungsgesprächen treffen, kippt jedoch der künstliche Frieden, denn Ishans Vater, der König von Sharigor, wird hinterrücks ermordet. Dass sich der Mörder buchstäblich in Luft auslöst und man Ishan allein mit der Leiche des Königs findet, führt logischerweise sofort zu seiner Verhaftung. Durch die Hilfe von Catara kommt er jedoch nach einer Weile wieder aus dem Gefängnis und stürzt sich sofort in das nächste gefährliche Abenteuer: Den Mörder seines Vaters dingfest machen und die eigene Unschuld beweisen. Dabei trifft er auf Ryk, der selbst auf der Suche nach Beweisen dafür ist, dass die Dämonen zurück in die Schwebenden Reiche gekommen sind, die eigentlich als sicher gelten. Kurze Zeit später stößt Kela zu der kleinen Gruppe dazu.
Dadurch, dass alle Hauptfiguren recht schnell zueinanderfinden (lediglich Catara geht immer wieder ihre eigenen Wege), bildet sich schnell ein konstanter Kern. Wie ich finde, ist das recht untypisch für High Fantasy, denn der lebt meistens davon, dass die Charaktere die Handlung aus verschiedenen Perspektiven und Welten erleben und man so ein möglichst großes Bild der Gesamtsituation bekommt. Auch ist die Anzahl der Figuren in „Die Dämonenkriege“ gering gehalten, denn neben den genannten Hauptfiguren tauchen nur wenige weitere wichtige Personen auf, die allerdings nur kurze Auftritte bekommen. An sich finde ich das sogar ganz gut, denn so muss man sich nicht immer wieder durch Personenverzeichnisse suchen oder ewig puzzlen, wer nun wer ist und was mit wem macht. Ich denke, dass gerade High-Fantasy-Beginner oder jene, die ihn wegen der vielen Figuren und oft wirren Beziehungen gemieden haben, diese Tatsache durchaus zu schätzen wüssten.
Außerdem ist dieses Buch frei von den meisten Stereotypen. Es gibt nicht „Das Abenteuer“, das alle Helden bewältigen müssen, um am Ende dafür zu sorgen, dass alles wieder gut ist. Es gibt nicht einmal so wirkliche Helden in dem Sinne. Denn alle vier haben ihre eigenen Ziele, gehen dabei ihre eigenen Wege (die oftmals nicht unbedingt die optimalsten sind) und begehen auch oft genug Fehler. Lange Schlachten und Kämpfe sucht man in dieser Story auch vergebens. Zwar gibt es hin und wieder mal kleinere Gefechte, Morde oder Jagden, doch arten die nie wirklich aus. Daher war ich sogar ziemlich überrascht, als die letzten Kapitel immer blutiger und dämonischer wurden.
Selbstverständlich gibt es trotzdem einige Punkte, in denen „Die Dämonenkriege“ durch und durch High Fantasy ist. Zum Beispiel „Der Böse“. Der ist nicht nur low-key-irre und sorgt damit immer wieder dafür, dass man ihn weniger und weniger leiden kann, sondern auch völlig unberechenbar und damit wirklich nicht zu unterschätzen, auch, wenn man anfangs dazu tendiert.
Der Autor hat außerdem für ein wirklich nervenaufreibendes Ende gesorgt, dass völlig unerwartet kam und große Wendungen für Band zwei verspricht.

„Ah, du bist also eine von DENEN.“
Catara runzelte die Stirn. „Von denen?“
„Die nie eine Schuld trifft. Die sich nicht mehr im Leben wünschen, als eine anständige Seele zu sein, dem ihre ach so schlechten Mitmenschen jedoch keine Chance dazu lassen. Keine Verantwortung, keine Schuldgefühle. Ist es nicht so?“ 
Westa verzog die Lippen. „Du machst es dir verdammt leicht, mein Püppchen.“
Seite 166

„Es sind unsere Fehler, die uns daran erinnern, wer wir nicht sein wollen.“
Seite 327

Erfrischender High Fantasy, der wenige Klischees erfüllt. Dazu authentische unperfekte Charaktere und eine einnehmende Handlung.
7/7

ISBN: 978-3-453-31838-0

Band 2
Die Dämonenkriege - Dunkelkönig

Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Montag, 9. Juli 2018

{Rezension} 13 - Das Tagebuch

Godric End, Symbolfigur des Bürgerkriegs in Dustrien, ist in Gefangenschaft geraten. Für eine Zigarette pro Tag erzählt er den Insassen von Zellenblock 13 seine Geschichte:

Ich war elf, als ich zum ersten Mal tötete. Meine Jugend verbrachte ich im Rumpf der Swimming Island fern vom Sonnenlicht. Erbarmungslose Piraten waren meine Familie. Hunger war mein einziger Freund. Worte wie Vertrauen oder Hoffnung bedeuten mir nichts. Das Leben eines Menschen ist für mich nicht mehr wert als das einer Ratte. Ich bin mehr Bestie denn Mann und ich giere nach einer Droge namens Perl.
Trotzdem nennt man mich einen Helden. Einen Freiheitskämpfer. Aber die Wahrheit über mich ist ein scheues und manchmal hässliches Tier.

Ihr glaubt die Magie sei ein Mythos. Aber es gibt noch Alchemisten an den verborgenen Orten dieser Welt. Und ihr ahnt nicht, welche Gefahr hinter den Spiegeln lauert. Ihr habt vermutlich nicht einmal bemerkt, dass die Sterne am Himmel einfach verschwinden.

Ihr sollt meine Geschichte hören. Von meiner Zeit als Auftragsmörder und von meiner ersten Liebe. Vom Tagebuch, mit dem alles begann. Von der Suche nach meiner Schwester und dem Untergang der Welt.

Düster, abenteuerlich und unglaublich fesselnd.

Figuren
Godric End sitzt im Gefängnis, in Block 13 und erzählt dort seinen Mithäftlingen seine tragisch finstere Geschichte. Unter allen anderen Menschen wirkt er wie ein Phantom, das jedoch durch seine Erinnerungen immer mehr an Gestalt gewinnt und sogar Emotionen zeigen kann, die ich ihm mit seiner pessimistischen und bitteren Art nie zugetraut hätte. Er ist wechselhaft, interessant, verletzlich und gefährlich.

Schreibstil
An Carl Wilckens Art zu schreiben muss man wirklich offen herangehen. Er passt zu dieser durch und durch merkwürdigen Geschichte und seinem weiteren Verlauf, doch wirkt er auf den ersten Seiten noch nicht ganz ausgereift. Die Sätze sind noch kurz und beginnen oft auf die gleiche Art und Weise und irgendwie holperten manche Absätze. Das ist etwas schade, aber nach kurzer Zeit konnte ich eine gewisse Entwicklung in seinem Schreibstil ausmachen. Er wird von Kapitel zu Kapitel immer gekonnter und letztendlich habe ich sogar eine regelrechte Schwäche für ihn entwickelt. Der Autor hat nämlich einen sehr ungewöhnlichen Schreibstil. Klar und direkt formt er trotz weniger Worte ideale Sätze, um jedes noch so blutige und schmutzige Detail hervorzuheben, was die Story für mich wirklich unheimlich schnell vorangetrieben hat.- Allerdings auf keine hektische Weise.


Inhalt
Die Welt, die Carl Wilckens geschaffen hat, ist verrußt und schmutzig und der Himmel scheint mit ersten Zeichen den Weltuntergang anzukündigen.
Bei einem Überfall auf seine Heimatstadt landet Godric auf der „Schwimming Island“, einem gigantischen Schiff, das über das Meer treibt. Der Unterrumpf dieses Schiffes, ein lichtloses und gefährliches Labyrinth wird dadurch sein Gefängnis, in dem er mit Perlsüchtigen (Perl ist eine übernatürliche und sehr gefährliche Droge) um die simpelsten lebenserhaltenden Dinge kämpfen muss. Durch diese Umstände wird Godric schnell von einem zivilisierten wissbegierigen Jungen zum gerissenen Mörder und Überlebenskünstler. Es war wirklich zu gleichen Teilen faszinierend und mitleiderregend, wie die unmenschlichen Umstände ihn geformt haben. Dass er nach solch einer Tortur trotzdem noch zu Emotionen und Gnade (bis zu einem gewissen Grad) fähig ist, finde ich bemerkenswert.
Nachdem er wieder an die Oberfläche des Schiffs gelangt, gerät er an einen Piraten und macht seine blutige Vergangenheit zu seiner Profession: Er wird Auftragsmörder und rutscht somit in einen erneuten Strudel aus Mord, Rausch und Halluzinationen.
Irgendwann gelangt Godric an das Tagebuch eines Fremden und wie es der Zufall so will, erfährt er somit sogar etwas über seine ältere Schwester Emily, von der er bei dem Überfall in seiner Kindheit getrennt wurde. Somit spielt die Story von „13-Das Tagebuch“ auf verschiedenen Ebenen: Die erste ist Godric End, der im Gefängnis sitzt, die zweite Ebene (und auch die, der die meiste Zeit gewidmet wird) ist seine Vergangenheit, von der er erzählt und die dritte Ebene sind die Einträge im Tagebuch. Das klingt vorerst vielleicht verwirrend, doch lassen sich alle Ebenen leicht auseinanderhalten und unterbrechen sich gegenseitig auch nicht zu oft, sondern ergänzen sich und die Sprünge zwischen ihnen sorgen dabei für ein ganz besonderes Leseerlebnis. Denn das Rätselraten, das durch die Umbrüche zwischen den Zeiten entsteht, trägt ungemein zur Spannung und Unvorhersehbarkeit bei.

Schon auf der Buchmesse habe ich am Verlagsstand von Acabus erfahren, dass man selbst noch darüber grübeln würde, welchen Büchern „13“ auch nur annähernd nahe kommt, und auch ich wüsste nichts Vergleichbares. Dieses Buch ist eine obskure Mischung aus Steampunk, Dark Fantasy, Horror und gleichzeitig irgendwie sein ganz eigenes Genre.

„Frieden lag über diesem Ort wie eine Decke. Der Frieden einer todgeweihten Welt. Einer Welt, die dafür gekämpft hatte, unterzugehen.“
Seite 7

„Ich muss zugeben, dass der Glaube an Magie und Fabelwesen mich manchmal fasziniert. Wir leben in einer Zeit der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Unser Planet ist vollständig kartographiert, uns ich fürchte den Tag, da es nichts mehr gibt, das wir nicht erklären können. Ist es da närrisch, von verborgenen Orten zu träumen? Magischen Orten wie schwimmenden Inseln oder verwunschenen Tälern?“
Seite 206

Wirklich ein höchst merkwürdiges, unvergleichbares und packendes Buch.
7/7
ISBN: 9783862824731

Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Freitag, 6. Juli 2018

{Rezension} Liebe geht immer

Ist das Liebe, oder kann der weg? 
Für Charlotte jahrelang eine rhetorische Frage. Natürlich ist es Liebe, die große, herzschmelzende Für-immer-und-ewig-Liebe. Oliver sieht gut aus, kann zuhören und kochen, liebt Fußball genauso wie Theater und hat als Programmmacher eines lokalen Senders einen spannenden Job. Dass er auch Charlottes Chef ist, stört sie nicht. Noch nicht. Doch dann gibt Oliver von heute auf Morgen einer anderen den Moderatorenjob, von dem Charlotte so lange geträumt hat und ihr Paradies steht Kopf. Als er dann noch erklärt, er habe ihren Wunsch, Moderatorin zu werden, immer für einen Witz gehalten, schließlich sei sie einfach ein bisschen zu moppelig fürs Fernsehen, ist die rosarote Brille endgültig runter: Von wegen für immer – der Mann geht gar nicht. Frustschokolade und Rotwein mit der besten Freundin Matilda gehen dagegen immer. Und schnell ist ein Plan gefasst: Charlotte wird ab jetzt alles daransetzen, um Moderatorin zu werden, Selbstoptimierung inklusive. Ob das gutgeht?

Figuren
Charlotte krempelt ihr ganzes Leben und auch sich selbst um, nachdem es mit allem plötzlich steil bergab geht. Sie ist eine Figur, die zwischen emanzipierter Entschlossenheit und dem öden Dasein im Mitgerissenwerden schwankt und auch andere kleine Makel, neben diesem, machen sie erst zu einer süßen und trotzdem ernstzunehmenden sympathischen Frau, mit der ich mich stellenweise sogar identifizieren konnte.
Ihre beste Freundin Matilda ist sozusagen das ideale Gegenstück zu Charlotte. Die optimistische Esoterik-Fanatikerin ist immer wieder darum bemüht, Charlotte auf die Beine zu helfen und das Glück um sich irgendwie zu maximieren. Umso spannender wird es, als dieser Art einen kleinen Knick bekommt.

Schreibstil
Myriam Klatts Schreibstil ist wahrer Würfelzucker für die Seele. Sämtliche Figuren und Szenen bekommen mit nur wenigen Worten eine schillernde Optik, wodurch ich mich mit beim Lesen die gesamte Zeit gefessselt in einer Rosa Blase befunden habe. Und dieser gewisse Hauch von Kitsch, der ihren Worten immer beischwingt sorgt für einen ganz sanften Charme.


Inhalt
Charlotte versucht nach mehreren Niederschlägen in Liebe und Karriere ihr Leben wieder zu flicken. Irgendwie schafft sie es mit Ach und Krach sich durch die neue Konstruktion ihres Alltags zu boxen und gerät dadurch nach und nach an ein Leben, nach dem sie eigentlich nie wirklich gefragt hat. Dass sie dabei immer wieder mit Anlauf in Fettnäpfchen springt, verleiht ihr eine gewisse Verpeiltheit, die aber zu ihrem Charisma beiträgt.
Ich bin selbst vielleicht nicht unbedingt eine Expertin in Sachen Liebe, aber davon zu lesen, wie sehr sich Lars von Anfang an abmüht, um Charlottes Aufmerksamkeit zu bekommen und wie blind sie trotzdem den eigenen Gefühlen gegenüber ist, weil sie aus kleineren nichtigen Problemen große Dramen macht, hat mich teilweise völlig fertig gemacht. Andererseits konnte ich ihr ihre Art nie übelnehmen, da ich  bis dahin schon über einige Seiten ein Stück ihres Weges mit ihr gegangen bin und daher verstand, woher ihre Angst vor dem Scheitern kommt. Dass da die Liebe nicht gerade an erster Stelle steht, ist da nur nachvollziehbar. Dass sie ihr aber dann trotzdem unverschämt die Tür einrennt, daran kann Charlotte letztendlich auch nichts mehr ändern. Dabei steht im Buch die sich entwickelnde Liebe zwischen ihr und Lars gar nicht so sehr im Vordergrund, sondern auch viele ihrer anderen Formen: Selbstliebe, die Leidenschaft für das, was man tut, Freundschaft und einfach mal Herz zu zeigen. Gerade das erkennt Charlotte allerdings erst lange nachdem es für mich als Leserin offensichtlich war, während sie sich noch in etwas verrannte, das nicht sie war.

Ich halte zwar selbst nicht gerade viel von Selbsthilfebüchern, muss aber gestehen, dass ich Dr. Hagenbecks Tipps am Anfang jedes Kapitels echt gut und einleuchtend finde. Wobei ich dazu auch sagen muss, dass es mir immer wieder so erschien, dass Charlottes Freunde und Bekannte mehr Ahnung haben als manch angepriesener Life-Coach.

„Und da soll ich das Essen testen?“
„Ja, genau!“
„Also ich soll da dann Burger essen?“
„Zwei. Und Pommes, die Pommes nicht vergessen. Ich finde, das macht den Unterschied von Klasse und Masse: die Pommes. Ein geiler Laden hat Pommes, mit denen man schlafen würde!“
„Mit Pommes?“
„Ja, Pommes. [...]“
Seite 49

„Zögernd beugt er sich zu mir. Er riecht nach fremden Gewürzen und nach Erde, als hätte er das Paradies um uns herum eben erst gepflanzt, extra für mich. Mir ist, als würde ich gleich das Bewusstsein verlieren, so unwirklich schwebend und leicht ist der Moment.“
Seite 260

„Glauben sie mir, Frau Mai“, fährt meine Nachbarin indes fort, „Sie müssen sich erlauben, nicht das zu wollen, von dem Sie denken, dass Sie es haben müssten, sondern das, was Ihr Herz verlangt.“
Seite 287

Fazit: Ein Zuckerbuch, das mich mit seiner einnehmenden Hauptfigur und einem herzschmelzendem Ende aus einem Tief holen konnte und das sicher auch bei vielen anderen schafft.
7/7

Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.