Montag, 10. August 2015

{Rezension} Perdido Street Station



Willkommen in der unmöglichen Stadt!
Eine Stadt, eine Welt für sich, ein Moloch: Das ist New Crobuzon, bevölkert von Milliarden Menschen und Mutanten, unterjocht von einem strengen Regime und angefüllt mit den ungezählten Sehnsüchten, Ängsten, Problemen und Kämpfen seiner Bewohner. Als eines Tages ein seltsames Wesen den geheimen Laboren der Stadt entflieht, ahnt niemand, dass dies der Untergang New Crobuzons sein könnte. Auch Isaac Dan dar Grimnebulin ahnt die Gefahr nicht, als er dem Wesen begegnet …

Für einen Autoren ist es sicherlich immer eine Herausforderung, eine Welt zu schaffen, die nicht nur er versteht, sondern auch die Leser nachvollziehen können. Und wenn man glaubt man hat so einiges Ausgefallenes gelesen, sollte man sich unbedingt mal China Mievilles Büchern widmen. Sein Schreibstil verursacht von Beginn an Gänsehaut, denn er schafft in „Perdido Street Station“ eine abgewrackte Welt, in der eigenartige Kreaturen mit den Menschen zusammenleben. In dieser Welt wird man für Verbrechen bestraft, indem man zu einem Monster umoperiert wird und so sein Leben fristen muss. „Remade“ wird dieser Vorgang genannt, welcher in diesem Buch zu meiner Freude recht ausführlich beschrieben wird und man auch immer wieder damit konfrontiert wird. 
So lebt also Isaac, der Hauptprotagonist, in einer Art Horrorshow, führt seine Experimente durch und beschäftigt sich mit interessanten Wissenschaften. Als er einen neuen Auftrag bekommt, steht aber sofort die Zukunft der ganzen Stadt, New Crobuzon, auf der Kippe.
Mieville schreibt auf hohem Niveau, so sollte man sich also (nicht nur wegen der rund 850 Seiten) genug Zeit für dieses fantastische Buch nehmen. Der Leser trifft auf viele fremde Beschreibungen, viele wissenschaftliche und themenbezogene Ausdrücke, doch muss er sich diese glücklicherweise nicht sofort einprägen. Eher lernt er in dem Buch zu leben und bald findet man sich selbst auf den dreckigen Straßen wieder. Von Kapitel zu Kapitel wird die Geschichte immer blutiger, grausamer und monströser. Isaac und seine Geliebte, sowie seine Kollegen und Freunde verstricken sich in immer mehr Verschwörungen und Probleme und der Kampf ums Überleben wird immer schwieriger.
Der Autor schreibt nicht nur oberflächlich, er beleuchtet jede Figur, jede ihrer Taten von allen Seiten und zeigt auch auf, was „drunter“ ist. 
Eine perfekte Abrundung dazu ist der ruppige und schwarze Humor, der diversen Horrorszenerien entgegensteht. Diese gekonnte Mischung macht absolut süchtig.

"Oooh, bei Jabbers Arsch, Lin - geh ohne mich weiter. Ich sterbe. Ich werde einfach hier liegen bleiben und sterben." Sie befanden sich auf dem Podest zwischen dem sechsten und siebten Stockwerk.
Seite 187

Abendrot blutete in die Kanäle und die zwei Flüsse New Crobuzons. Das Wasser strömte schwer und purpursatt dahin, als käme es von Schlachtfeldern mit vielen Tausend Toten.
Seite 309

Es war ein Alptraumgarten. Jeder Raum enthielt eine einzigartige Fleischblume, eine Blüte der Qual.
Seite 408


Zwischen Drogen, Dreck, Huren, Kunst, Luftschiffen und Wissenschaften verliert sich der Leser in diesem Buch in einer düsteren, atmosphärischen und authentischen Story mit charaktervollen Figuren und einer dauerhaft angezogenen Spannung.

 
ISBN: 978-3-453-31539-6




Dienstag, 4. August 2015

Wenn das Lesen auf der Strecke bleibt

Nur einen einzigen pimmeligen Post gab es im Juli auf meinem Blog. Da ich aber gerade das Gefühl habe, überproduktiv sein zu müssen, dachte ich, ich berichte euch darüber, wie mein Leben neben a Bookdemon aussah und warum ich eben kaum zum Lesen und/ oder Rezensieren gekommen bin.
Zuallererst kann ich aber schon sagen, dass ihr ab jetzt wieder mehr von mir zu lesen bekommt, denn ich habe es trotzdem nebenbei geschafft, mich einem Buch zu widmen, nämlich Perdido Street Station, ein zwar sehr gutes, aber auch sehr anspruchsvolles Buch mit immerhin knapp 850 Seiten. Das liest sich nicht mal eben so und schon gar nicht nachts, wenn man eh nur noch Blech im Kopf hat.
Am Anfang des Monats, also vom 09.-11. Juli stand erstmal das Rockharz an. Leser meines Blogs wissen wahrscheinlich schon, dass das meine Pilgerstätte ist, die ich nunmal besuchen muss. Am Mittwoch, also dem 08. August bin ich bereits los, habe mich auf dem Festivalgelände mit anderen komischen Menschen getroffen und somit waren das schon 5 Tage Eskalation, in denen ich mich nix Anderem widmen konnte.
funny wtf gifErschwerend kommt hinzu, dass ich noch auch WG-/Wohnungssuche bin, da ich im Oktober mein Studium beginnen werde. Und das ist gar nicht mal so einfach, da der ganze Spaß ja auch einen Haufen Kohle kostet. Also falls jemand von euch gaaanz zufällig in Erfurt wohnt und mir irgendwie weiterhelfen kann, immer her mit den Mails.:D Zudem muss ich eben auch noch viel anderes für das Studium organisieren, einen Nebenjob suchen und und und. Das Leben ist wirklich kompliziert, sag ich euch. Am liebsten würde ich ganz cool in einem Wohnwagen direkt auf dem Campus wohnen. Ehrlich gesagt habe ich irgendwie sogar Schiss davor, dass alles ganz gewaltig in die Hose geht. Nicht, weil ich allein bin, sondern weil ich mich kenne.:D Eigentlich bin ich jemand, der oft Glück hat, aber das muss man ja nicht immer wieder herausfordern.
Ein weiterer Grund für fehlende Motivation: 5000°C im Schatten. Ich weiß ja nicht, wie es im Rest der Welt aussieht, aber hier in Thüringen konnte man teilweise nicht vor die Tür gehen, ohne Augenbrauen und Nasenhaare zu verlieren. Bei solchen Temperaturen ist mein Hirn nicht sonderlich betriebsfähig, müsst ihr wissen. Auch, wenn ich mich gern in den Garten lege und dann den ganzen Tag in einem Buch verschwinde, ist das bei fast 40 Grad kaum möglich. Da schlafe ich entweder sofort ein, oder komm erst gar nicht aus meiner Höhle. So verbrachte ich meine Zeit also eher mit Shoppen (das bedeutet bei mir: möglichst viel schwarzen Krempel sammeln und was Tragbares draus basteln), durch Deutschland reisen und... nix.
Allerdings kann ich euch immerhin ein Bisschen bieten, denn ich habe einige Fotos auf Lager. Also schaut sie stillschweigend an und verzeiht mir. (P.S. Wenn ihr mal in der Nähe seid, solltet ihr unbedingt mal den Erfurter Zoo besuchen!)




















Dienstag, 28. Juli 2015

{Rezension} Dead


Lauf! Solange du noch kannst ...
Die Welt nach der Apokalypse: Ein geheimnisvoller Virus verwandelt die Menschen in grauenhafte Monster. Millionen von Untoten überfluten die Vereinigten Staaten, während sich fünf Überlebende zusammenfinden, um sich zum letzten Wiederstandsnest der Menschen durchzuschlagen: einem Flüchtlingscamp, in das sich der letzte Rest der Regierung gerettet hat. Doch der Weg dahin ist gepflastert mit Leichen - toten wie lebendigen ...

Das deutsche Cover ist keinesfalls schlecht, doch kann ich mir vorstellen, dass das Original die Leser eher anzieht.
The Infection by Craig DiLouie

Alles, was mir zu diesem Buch, dieser großen Enttäuschung einfällt, ist „Grau“. Graue, uninteressante Charaktere mit dem typischen Image. Darunter ein Familienvater ohne Familie, eine Polizistin, die alles supertoll kann aber trotzdem irgendwie blöd ist und ein junger Kerl, der einfach nur irgendwie Glück hatte. 
Zu Beginn bereits verwirrte mich die Schreibweise, der Ablauf von dem, was passiert, wodurch einem die handelnden Personen nur nach und nach vorgestellt aber keinesfalls sympathisch gemacht werden. Zudem wird keine Atmosphäre aufgebaut, kein Feeling für die Situation, wobei der Autor das sehr gut hätte erreichen können. Schließlich geht es um den Kampf ums Überleben und um Infizierte, die die letzten Menschen fressen wollen. Doch dadurch, dass DiLouie schlichte Worte, keine interessanten Beschreibungen benutzt, fesselt „Dead“ nicht wirklich. Es ist ein einfach gestricktes Buch, das nicht aus der Masse heraussticht. 
Leider führten all diese Fakten dazu, dass ich das Buch abbrechen musste, da es mir keinerlei Freude mehr bereitete, es zu lesen.
Zwar ist das Grundgerüst gut, auch wenn der Autor das Rad nicht neu erfunden hat, doch fehlen einfach zu viele wesentliche Dinge, die ein gutes Buch meiner Meinung nach haben sollte.
Ein paar gute Dinge sind mir jedoch aufgefallen, auch wenn man das nach diesen Worten kaum glauben mag. 
Im Mittelpunkt stehen die Menschen, ihre Moral und das Chaos um sie herum. Außerdem bekommt der Leser in „Dead“ tatsächlich eine Erklärung für das, was mit den Infizierten passiert. Der Virus hat einen Namen. Zwar bleibt er ein Mysterium, doch erfährt man über ihn mehr als man in anderen 08/15-Zombiethematisierten Büchern oder Filmen geboten bekommt.

Letztendlich ist das hier nur meine Meinung, doch rate ich jenen von diesem Buch ab, die Action und jede Menge Spannung erwarten.




ISBN:  978-3-453-31513-6



Montag, 22. Juni 2015

{Gedankenkotze} Lesen ist sinnlos


Jap, es ist wieder soweit. Annabel macht sich Luft.
Und ich bemerke wieder vorneweg: „Gedankenkotze“ ist Gedankenkotze. Madame macht sich etwas Luft und will niemanden persönlich angreifen, ist aber trotzdem froh, wenn ihr eure Meinung zum Thema sagt.

Habe ich viele Bücher? Im Vergleich zu manch anderem, ja. 
Ist ein pervers großer Anteil von ihnen ungelesen? Ja.
Werde ich diese ungelesenen Bücher in naher Zukunft alle lesen? Höchstwahrscheinlich nicht.
Fühle ich mich deswegen schlecht? Nein. 
Warum versuchen dann immer wieder so viele Leute einem ein schlechtes Gewissen zu machen, weil man viel liest oder viele Bücher besitzt? Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich darüber ärgere, dass man einem Lesebegeisterten an den Kopf wirft, er würde Zeit und Geld damit verschwenden, Bücher zu verschlingen. Natürlich artet die „Sammelsucht“ bei manch einem aus, aber damit schadet man doch niemandem.
In der Schule, wenn ich in den Pausen las, kamen oft genug Kommentare wie „Lesen ist doch Zeitverschwendung, was hast du schon davon?“ und „Ich würde mein Geld lieber für was Wichtiges ausgeben.“ Sicherlich war manches davon auch nicht unbedingt so ernst gemeint, trotzdem stören mich solche Worte. Natürlich, nicht jeder mag oder versteht alles, geschweige denn kann alles nachvollziehen, doch wird man mit einem Buch in der Hand (zumindest in meinem Umfeld) teilweise wirklich wie ein Aussätziger behandelt. Vorzugsweise von WhatsApp- und Facebook-Suchtis. (Oh, the irony.)
Ich nehme keine Drogen, rauche nicht, war noch nie in einem Alkoholrausch und die Polizei musste mich noch nie heim bringen, also warum soll ich meine Leidenschaft fürs Lesen eindämmen, wenn ich viel schlimmere „Süchte“ / „Probleme“ haben könnte? Vielleicht habe ich wirklich zu viele ungelesene Bücher, aber das ist doch dann bitte jedem sein Bier, oder nicht?
Aber es geht hier nicht nur um mich. Neulich habe ich ein Neuzugänge-Video einer BookTuberin angeschaut und las in den Kommentaren ebenfalls Dinge wie „Was für eine Geldverschwendung“ und Bemerkungen über ein fehlendes Real-Life etc..

Funny fact #329846:
„Lesen fördert und trainiert das Denken und die individuelle sprachliche Entwicklung. […] Es ist die Voraussetzung fürs Verstehen und die Grundlage für unsere Fähigkeit, mit anderen zu kommunizieren.“
„Lesen stärkt die Vorstellungskraft und erweitert den Horizont. […] Wer liest und schreibt, entwickelt Fantasie und Kreativität. Denn es mobilisiert die Vorstellungskraft stärker, wenn man sich selbst etwas ausmalen muss, als wenn man - wie beim Fernsehen - fertige Bilder vorgesetzt bekommt.
Lesen regt an, selbst zu erzählen, Dinge zu beschreiben oder Geschichten weiterzuspinnen. Mit dem Schreiben hat man ein Mittel an der Hand, eigene Erfahrungen und Ansichten auszudrücken und mit anderen in Kontakt zu kommen.“
(Quelle: http://www.a4k.de)

Und ganz ehrlich: Was ist wohl gesünder für das Hirn? Ein Buch lesen oder sich von RTL2 und Co. Berieseln lassen?

Ich basiere mich da ganz gern auf etwas, was einmal annabuchprinzessin (Booktuberin) in einem Stream gesagt hat: Lesen ist meine Leidenschaft und da setze ich mir keine Grenzen.


Sonntag, 14. Juni 2015

{Rezension} Das Lachen und der Tod


Der Held und Ich-Erzähler dieses Romans, Ernst Hofman aus Amsterdam, ist von Beruf Komiker. Er lebt für den Applaus und von dem Gelächter seiner Zuhörer. Da seine verstorbene Mutter Jüdin war und er mit politischen Witzen auffällig geworden ist, wird er 1944 in einem Viehwaggon mit anderen Verfolgten in ein Konzentrationslager gebracht. Doch Ernst Hofman kann nicht anders, er bleibt selbst im Lager Komiker und erzählt, mit Billigung des Barackenältesten, abends den Mitgefangenen Witze, um sie vor der endgültigen Verzweiflung zu bewahren und von dem Grauen abzulenken.

Als der deutsche Lagerkommandant das erfährt, will er Hoffman dazu bringen, abends vor den SS-Leuten als Kabarettist aufzutreten. Erst weigert sich der Komiker, doch dann verspricht ihm der Lagerkommandant, die Frau, in die sich Hofman auf dem Transport verliebt hat, am Leben zu lassen. Es ist ein diabolischer Vorschlag, der den Häftling an die Grenzen seines Gewissens und seines Überlebenswillens führt.

Ähnlich wie "Das Tagebuch der Anne Frank" ist auch "Das Lachen und der Tod" ein Buch der Holocaustliteratur, welches weder aufgesetzt geschrieben ist, noch so wirkt, als wolle es lediglich schocken. Sehr persönlich und ohne aufgesetzte Gefühle erzählt Ernst Hoffmann seine Geschichte und seinen Kampf um das Überleben im KZ. Langsam lernt er mit seiner Lage mehr oder weniger umzugehen und nutzt dazu das, was er am besten kann: Witze reißen. Mit Galgenhumor und jede Menge Mut schafft er es, unter den unmenschlichsten Bedingungen zu überleben und sogar Freunde zu finden. 
Doch trotz kleinster Lichtblicke, ist die Welt, die man in diesem Buch kennenlernt eine düstere und tödliche. Und mein Glauben an die Menschheit hing teilweise am seidenen Faden. Der Situation kommt zugute, dass Hoffmann ein sehr charmanter und liebenswürdiger Charakter ist, der aber trotzdem schonungslos ehrlich, aber verträglich seine "Erfahrung mit dem Tod" schildert. 

Mit simplen, aber gleichzeitig gewaltigen Worten schafft der Autor eine Atmosphäre, die gefangen nimmt und den Leser wortlos zurücklässt. Denn irgendwann fragt man nicht mehr nach dem Warum?, sondern lässt die Eindrücke und Geschehnisse einfach nur noch auf sich wirken und versucht, jene zu verarbeiten.

Falls es Leser unter euch gibt, die eher zart besaitet sind und bisherige ähnliche Literatur nicht vertragen haben oder sich nicht heranwagten, denen empfehle ich "Das Lachen und der Tod", denn auch, wenn es schwer verdauliche Szenen gibt, macht Ernst Hoffmanns Geschichte trotzdem Mut und setzt vor allem, trotz all der schlimmen Bilder, Lichtblicke.

Der Mensch ist des Menschen Wolf. Und wenn ich schon ein Tier sein musste, dann bestimmt kein Lamm.
Seite 81

War es nicht naiv, Menschen, in denen alles abgestorben war, durch ein Lachen wiederbeleben zu wollen?
Seite 103

Herzbrechend aber auch herzerwärmend, wenn auch im unausgewogenen Verhältnis.

7/7






(Auf der Verlagsseite steht als Preis 19,99€, das ist die Hardcoverversion. Der oben angegebene Preis bezieht sich auf das Taschenbuch.)


 Danke!