Mittwoch, 14. März 2018

{Rezension} Dark Universe

Jared gehört zu den „Überlebenden“.

Vor Jahrhunderten löschte ein gewaltiger Krieg die menschliche Zivilisation aus und machte die Erde unbewohnbar. Die wenigen Überlebenden der Katastrophe konnten sich in ein unterirdisches Tunnelsystem retten. Seit Generationen leben sie im Untergrund – ohne Licht – in völliger Dunkelheit. Ihre Sinne haben sich perfekt an die ewige Nacht angepasst. Erinnerungen an die alte Welt, sogar an Licht, sind nicht mehr als Legenden – bewahrt in den Mythen der Überlebenden.

Jared will den Geschichten auf den Grund gehen und wagt den riskanten Aufstieg…

Dark Universe erschien erstmals 1962 zur Zeit des Kalten Krieges. Die post-apokalyptische Vision einer vom Atomkrieg zerstörten Zivilisation war für den Hugo Award nominiert. Ein Meisterwerk der Science-Fiction Literatur.

Figuren
An sich ist die Anzahl der Figuren, die wirklich eine Rolle in der Handlung von Dark Universe spielen, recht gering gehalten. Das begrüße ich allerdings, da ich mich als Leserin sowieso mehr auf andere Dinge konzentrieren musste. So bleiben als wirklich wichtige Figuren nur zwei: Jared und Della.
Jared scheint der einzige in seiner „Welt“ zu sein, der das Licht nicht nur als eine unnahbare Gottheit sieht, sondern mehr dahinter vermutet. Er ist eine sympathische Figur und muss auf seiner Suche nach Antworten einiges ertragen. Als besonders empfand ich vor allem, wie ich als Leserin wirklich mitfühlen konnte, wie sich seine Einstellung gegenüber der unterirdischen Welt, also seiner Heimat und seinem Volk, immer wieder geändert hat und wie er mit sich selbst haderte.
Zu ihm gesellt sich nach einiger Zeit Della. Sie gehört einem anderen Volk an und soll mit Jared eine Verbindung eingehen, um die Welten der beiden einander näherzubringen. Ihre wahre Bedeutung für die Story wird erst recht weit am Ende des Buches offenbart, also werde ich jetzt nicht allzu viel verraten. 

Schreibstil
Ich muss zugeben, ich habe erst nachdem ich mit dem Lesen von Dark Universe begonnen hatte auf der Seite des Verlags bemerkt, dass dieses Buch erstmals 1962 veröffentlicht wurde. Überrascht hat es mich vor allem, weil ich bei dieser Jahreszahl sofort Flashbacks diverser Schul- und Unilektüre bekam. Hier kann ich euch aber beruhigen, denn dem Schreibstil merkt man sein Alter nicht an. Er lässt sich sogar wirklich angenehm lesen. Ich hatte da eher ein Problem mit der Aufteilung des Textes selbst, also mit den Absätzen. Denn teilweise finden größere Zeit- oder Ortssprünge statt, ohne, dass das optisch im Text erkennbar ist. Leider habe ich so teilweise erst nach mehreren Zeilen bemerkt, dass sich die Handlung mittlerweile irgendwann oder irgendwo anders abspielte. Nach circa der Hälfte des Buches war ich zwar darauf gefasst und auch aufmerksamer, was solche Wechsel anging, doch hat mich diese (nicht vorhandene) Trennung in den ersten Kapiteln immer wieder ins Stolpern gebracht.



Inhalt
Bei diesem Buch musste ich als Leserin wirklich vergessen, wie ich bisher gelesen habe. Denn Jared, Della und Co. leben in einer Welt unter der Erde in verschiedenen Höhlensystemen. Unsere Welt, also das „oben“ haben sie nie kennengelernt. Die Zeit, in der ihre Vorfahren auf der Erde gewohnt haben, ist so lange her, dass sich niemand mehr daran erinnert, was „oben“ überhaupt ist. Jared selbst lebt in absoluter Dunkelheit. Er und sein Volk sehen nicht wie wir, sie nehmen ihre Umwelt durch Schall wahr. Dies ist auch der Punkt, für den man wirklich offen sein muss. Natürlich werden Räumlichkeiten und Personen beschrieben.- Aber eben nicht, wie sie aussehen, sondern wie sie sich anhören, also wie der Schall zurückgeworfen wird. Ich befand mich also während des Lesens wirklich in einem „Dark Universe“. Trotzdem hat der Autor es geschafft, die gesamte Welt gerade so durch die verschiedenen Figuren zu beschreiben, dass ich mich immer zurechtfinden konnte und auch ein grobes Bild der Umgebung hatte. 
Öde ist es in den Höhlen allerdings nicht, auch, wenn man das vorerst meinen könnte. Denn die Menschen leben nicht allein dort unten. Es ist zu Beginn noch nicht ganz klar, was es mit den Zivvern und Subflatterern auf sich hat, aber genau das gibt dem Ganzen noch einen extra Hauch Spuk dazu. Man sieht die Gefahr, beziehungsweise das Monster, das einen verfolgt, nicht wirklich. Man kann es nur hören und riechen.
Zu diesen Monstern kommt aber auch Gefahr aus den eigenen Reihen, denn die Überlebenden sind in höchst mittelalterliche Glaubensmuster zurückverfallen und Fehltritte (die sich Jared zu oft leistet) werden hart bestraft. Sie alle beten Gegenstände, „Reliquien“, aus der Vergangenheit an.- Also aus der Zeit, in der die Menschen noch auf der Erde lebten. Wozu Glühbirne und Co. allerdings so wirklich da waren, verstehen sie alle nicht, denn „hell“ und „dunkel“ kennt man dort unten auch nicht. Das einzig Gute, sofern man es so nennen will, was das Leben unter der Erde hervorgebracht hat, sind die besonderen Fähigkeiten der Bewohner. Da sie schon lange nicht mehr ihre Augen nutzen, haben sich andere Sinne wie Hören und Riechen stark verbessert. Manche einzelnen Personen haben sogar ganz besondere Fähigkeiten entwickelt, über die ich hier nicht zu viel verraten möchte.

Wenn euch Dark Universe interessiert, möchte ich euch hier auch noch ans Herz legen, wirklich am Ball zu bleiben, wenn ihr einmal mit dem Lesen angefangen habt. Es handelt sich hier um keinen dicken Schinken, also sollte das machbar sein. Denn ich muss gestehen, dass ich dieses Buch nicht seitenweise lesen konnte, sondern es kapitelweise verschlungen habe. Das allerdings nicht nur, weil es zum Ende heraus immer spannender wurde, sondern auch, weil man sonst schnell den Faden verlieren könnte. Allzu verwirrend ist zwar nichts beschrieben, aber durch die bereits erwähnten Zeit- und Ortssprünge kann man schnell aus dem Lesefluss kommen, wenn man nicht genug „Schwung“ hat. 

Jared fühlte sich wie ein Überlebender, der aus den Tiefen der Strahlung befreit worden war. Er hatte die Ketten des Aberglaubens abgeworfen, die einen Vorhang aus Angst über sein übriges Leben geworfen hätten.
Seite 99

Definitiv kein herkömmlicher Roman. Gewöhnungsbedürftig, allerdings wirklich spannend, wenn man sich erst einmal auf das „Dark Universe“ eingelassen hat.

5/7
ISBN: 978-3-945493-84-7

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars!:)

Sonntag, 11. März 2018

{Rezension} Totenweg

Eine junge Polizistin. Ein Kriminalhauptkommissar kurz vor der Pensionierung. Nichts verbindet sie - außer dem nie aufgeklärten Mord an einem jungen Mädchen. Für ihn ist es ein Cold Case, der ihn bis heute nicht loslässt. Für sie: ein Albtraum ihrer Kindheit. Denn sie fand damals die Leiche und verbirgt seither ein furchtbares Geheimnis. Achtzehn Jahre hat sie geschwiegen - bis ein weiteres Verbrechen geschieht und die Vergangenheit sie einholt …

Figuren
Mit Frida, der Hauptprotagonistin, hat Romy Fölck nicht unbedingt das Rad neu erfunden. Sie fällt in die doch recht gut gefüllte Sparte „arschcoole Polizistin, die nach oben will und meistens ihre Emotionen herunterschluckt“. Das muss aber nicht unbedingt als etwas Schlechtes gewertet werden, da solche Figuren nun einmal am besten in Krimis passen.- Immerhin müssen sie ja auch einiges aushalten. Nur hin und wieder verlässt Frida diese bereits eingefahrene Spur und wird sogar auf ihre Art und Weise ganz liebenswürdig. Immerhin hat sie auch ihr Päckchen zu tragen, das ihr immer wieder die Menschlichkeit gibt, die manchen anderen abgebrühten Polizisten und Ermittlern fehlt.
Eine weitere wichtige Rolle spielt Haverkorn. Er verhält sich zwar hin und wieder vor allem gegenüber Frida wie ein Arsch, da er der festen Überzeugung ist, sie wisse mehr über den weit zurückliegenden Tod ihrer Jugendfreundin, doch kann man seine emotionalen Ausbrüche auch teilweise verstehen, denn immerhin hat er eine schwer depressive Ehefrau zu Hause, die ihm das Leben nicht wirklich erleichtert. Zugegeben, manchmal tat er mir richtig leid.
Dass sich zwischen Frida und Haverkorn immer wieder Auseinandersetzungen aufbauschen, ist hier natürlich vorprogrammiert. Doch merken beide zum Glück auch recht schnell, dass sie ein Miteinander sehr viel weiterbringt als ein Gegeneinander.

Schreibstil
Es hat einige Kapitel gebraucht, bis ich mich mit dem Schreibstil der Autorin angefreundet hatte. Sie schreibt nun einmal ohne großes Tohuwabohu von dem, was passiert und manchmal wirkte mir die gesamte Art des Erzählens zu distanziert von den Figuren. Weder Frida, noch Haverkorn, noch andere Charaktere hatten mich bis zu einem bestimmten Punkt überhaupt wirklich interessiert, weshalb auch erst spät eine richtige Spannung entstand, beziehungsweise sie sich auch nicht wirklich konstant halten konnte. 
Nach und nach passte der Schreibstil für mich zwar zum Handlungsstrang und den Figuren, doch wäre etwas mehr Nähe zu den Gefühlswelten von Frida, Haverkorn und Co. für mich persönlich schöner gewesen. (Und damit meine ich nicht nur, wie Frida ihre Metallica-Alben hoch- und runterdudelt.)


Inhalt
Frida kommt zurück nach Deichgraben auf den Apfelhof ihrer Eltern, weil jemand ihren Vater angegriffen und niedergeschlagen hat. In ihrer ehemaligen Heimat kochen aber auch alte Gefühle wieder hoch, da hier ihre ehemals beste Freundin Marit in einer Scheune tot aufgefunden wurde, als beide noch Teenager waren. Da Haverkorn in dem Fall ihres Vater ermittelt, treffen die beiden gezwungenermaßen aufeinander und es wird schnell klar, dass sie eine mehr als komplizierte Vorgeschichte miteinander haben. Einfacher wird das Verhältnis zwischen den beiden erst recht nicht dadurch gemacht, dass Haverkorn vor allem darauf hofft, jenen besagten Fall zum Abschluss bringen zu können.
Während Frida irgendwie wieder mit dem Ort warm zu werden versucht, an dem sie aufgewachsen ist, werden immer wieder Kindheitserinnerungen von ihr durch verschiedene Orte und Begegnungen getriggert. Auf diese Weise bekam ich nach und nach auch ein Bild davon, wie die Zeit um die Ermordung ihrer Freundin aussah und wie sehr Frida dadurch geprägt wurde. Außerdem lernt man so auch wichtige kleine Details über verschiedene Personen aus Deichgraben kennen und kann selbst im Kopf ein wenig puzzlen. Diese Erinnerungsszenen wirkten auf mich jedoch irgendwie unschöner geschrieben als der Rest des Buches. Die professionelle Kühle, die die Stimmung in der Story, die in der Gegenwart spielt, gehalten hat, bricht in Fridas Erinnerungen völlig ab. Wobei es jedoch interessant war, sie auf diesem Wege auch auf einer persönlicheren Ebene kennenzulernen. Auch, wenn trotzdem nicht allzu viel über sie offenbart wird und ich mich ihr nicht unbedingt näher fühlte.

Wie bereits erwähnt brauchte ich eine gewisse Eingewöhnungsphase in „Totenweg“. Doch als die vorbei war, tüdelte sich auch nach und nach eine solide Story zusammen und ich blieb an den Seiten hängen wie es bei einem guten Buch sein soll. Es wurde nicht mehr an bereits bekannten Stereotypen herumgefimmelt, sondern es kamen auch neue Fragen auf.
Natürlich drängt sich während des Handlungsverlaufes auch der alte Fall um Marit immer wieder in den Vordergrund, denn mittlerweile scheint der Täter wieder aufgewacht zu sein. Und er verteilt nicht nur Hinweise, sondern auch Denkzettel. Dabei bleibt er jedoch über einen sehr langen Zeitraum nicht mehr als ein Geist oder Phantom. Natürlich habe ich gerätselt, wer infrage käme, doch konnte ich mich nie auf eine Person allein konzentrieren, da bis dahin schon wieder eine andere verdächtiger war. Jede einzelne Spur, die ich mir ausmalte, wurde also immer wieder sofort im Keim erstickt. Ich bin dabei wirklich fast wahnsinnig geworden. So war mir Person A zu offensichtlich, Person B zu abwegig, Person C konnte es definitiv nicht sein und wenn mir die Lösung zum Greifen nahe schien, kam Romy Fölck und brachte den ganzen Laden wieder durcheinander. Sie hatte mich teilweise wirklich so weit, dass ich einfach alles und jeden verdächtigte.
Und als wäre all das nicht bereits genug, um sich daran die Zähne auszubeißen, kämpft Frida während der Abwesenheit ihres Vaters gegen das größte Schwein, nämlich Schucht, um den Erhalt des Apfelhofes ihrer Eltern. Denn er versucht schon seit Längerem, sich in die privaten Apfelhöfe der Umgebung zu drängen. Damit hätten wir also einen weiteren Herd für eine ordentliche Schlammschlacht. (Eins muss man Romy Fölck lassen: Im Hassobjekte erschaffen ist sie wirklich verdammt gut.)
Beim Ende selbst hatte ich dann trotzdem einen Gewissen „Auf-den-Tisch-hau-und-rufen-„Ich habs doch gesagt!“ “-Moment. Es war dann doch ein Puffer, dass das Finale nicht so spektakulär war, wie ich es mir nach all dem Hickhack erhofft hatte. Immerhin gab es genug Material für die Autorin, um ein Feuerwerk aus absolutem Abfuck zu starten.
Im Großen und Ganzen werden also viele bereits erwähnte Klischees bedient: Ein verbitterter Ermittler, ein alter Fall, der niemandem jemals wirklich Ruhe gelassen hat und nun wieder aufgerollt wird und korrupte Gegenspieler. Allerdings ist das Ganze mit einer Menge Aha- und Oho-, aber auch vielen What-The-Fuck-Momenten gespickt.


ACHTUNG, möglicher Spoiler.
Was ich persönlich doch recht schade finde, da ich in entsprechender Szene verkehre: Dass die böse böse Black Metal Musik wieder einmal einen Mörder geformt haben soll. Klar, die Texte entsprechender Bands drehen sich nicht unbedingt ums Blümchenpflücken und Ringelreihetanzen... Aber dass dadurch Mordlust in jemandem aufkochen soll, ist mir etwas zu stereotypisch gedacht. Da greife ich doch eher zum Arsen, wenn mir jemand Helene Fischer auf die Ohren legt.
Das wollte ich nur noch loswerden.

„Vor wem hast du Angst?“ Sein Blick durchbohrte sie. Diesen schneidenden Unterton kannte Frida. Er kroch in sie hinein und brachte ihre Angst zum Schwingen.
Seite 106

Vielleicht nicht unbedingt eine gigantische Überraschung, aber trotz Eingewöhnungszeit ein solider, spannender Krimi.
5/7

ISBN: 978-3-7857-2622-8 


Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars!:)

Sonntag, 4. März 2018

{Rezension} Das Glück an Regentagen


Wenn Geheimnisse eine Liebe zerstören, kann die Wahrheit sie wieder heilen?
Tausend Inseln unter einem Himmel voller Tropfen. Das ist Maes Heimat, ein kleiner Ort am St. Lorenz Strom. Hier in Alexandria Bay hat Mae nicht nur als Kind ihre Eltern verloren, sondern auch ihre erste große Liebe Gabe. Eines Tages war er einfach verschwunden. Und so ist auch sie gegangen.
Zehn Jahre später: Mae kehrt zurück nach Alexandria Bay, in das Inn ihrer Großeltern, um sich von einer schlimmen Trennung zu erholen. Aber ihre Großeltern haben sich verändert. Geheimnisse werden gelüftet, die ein neues Licht auf Gabes Verschwinden werfen. Lässt sich die Vergangenheit zurückerobern, und damit die Chance auf das Glück? 

Figuren
Als erste Hauptfigur habe ich Mae kennengelernt. Sie ist recht blauäugig und kam mir auf den ersten Seiten etwas farblos vor. Allerdings entwickelt sie sich mit jedem Kapitel immer mehr zu einem recht interessanten emotionalen Charakter und ich konnte mich bis zum Ende nicht entscheiden, ob sie nun wirklich energisch oder eher schwach ist. Irgendwie ist sie wohl ein Mix aus beidem. Ähnlich ging es mir mit Gabe, Maes Freund aus Kindheitstagen. Auch, wenn er nach dem ersten „Kennenlernen“ wie jeder andere männliche „Love Interest“ aus anderen Büchern wirkt (schön, geheimnisvoll und erschreckend perfekt mit seiner eigenen kleinen düsteren Hintergrundgeschichte) beweist auch er schnell, dass mehr in ihm steckt. 
Um sie beide herum ist ganz Alexandria Bay voller zerbrechlicher Leute, deren Zerfall man langsam mitverfolgen kann. Und ich konnte von ihnen allen bis zum Ende nicht genug bekommen.

Schreibstil
Das Glück an Regentagen ist nicht nur tragisch und dramatisch, sondern auch auf eine unverbesserliche Art tieftraurig und gleichzeitig aufmunternd. Ein gewisser Schwermut ist permanent spürbar, selbst, wenn die Quelle dafür noch gar nicht wirklich erkennbar ist. Als ich einmal begonnen hatte, hatte ich gar keine andere Wahl, als dieses Buch in einem Stück durchzulesen.


Inhalt
Wie zu erwarten bei einem Buch der schmaleren Sorte lernt man bereits innerhalb weniger Seiten die wichtigsten Figuren und Umstände kennen, um besser in die Story finden zu können.- Leider wurde ich davon fast ein bisschen überrumpelt. Nach und nach ergab alles einen Sinn, doch anfangs war es etwas schwer, die Familien- und Freundschaftsverhältnisse zu verstehen, oder wer jetzt was genau warum und mit welchen Konsequenzen getan hat. Ich traf kurz hintereinander in verschiedenen Kapiteln auf Mae, Virginia, Gabe, Lilly und noch andere Figuren, musste mich über die ersten Seiten hinweg allerdings erst mal damit abfinden, dass ihre Geschichten erst später intensiviert werden und sich dann auch alles zusammenfügt wie ein Puzzle, das lange auf seine Vervollständigung gewartet hat.
Erwartet hatte ich von Das Glück an Regentagen eigentlich eine flatterige, leichte Liebesgeschichte zwischen Mae und Gabe, diese ist allerdings nicht der Hauptkern des Buches. Eine viel tiefergehende Geschichte um die verschiedenen Leben der einzelnen Personen drängt diese Liebesgeschichte immer wieder an den Rand.- Was ich, ehrlich gesagt, begrüßt hatte, da das ganze Konstrukt der Story dadurch für mich viel interessanter und unvorhersehbarer wurde. Und immer wieder sickert es durch, wie die verschiedenen Schicksale all der einzelnen Personen ein großes Ganzes ergeben; wie sie unabänderlich miteinander verbunden sind und schon beschlossen wirken.

Sie setzt sich auf und horcht in die Stille, die herrscht, wenn derjenige, auf den man wartet, noch nicht nach Hause gekommen ist. (Manchmal gehen Leute weg und kommen nicht wieder. Manchmal geschehen schlimme Dinge. Mae weiß das, seit sie sechs ist.)
Seite 16

Vielleicht bleibt der Zauber des Flusses auch ein Geheimnis. Und das ist in Ordnung, manche Geheimnisse sollten besser geheim bleiben. Andere aber nicht, und zu den schwierigsten Aufgaben im Leben gehört, die einen von den anderen zu unterscheiden.
Seite 78

„Sei kein Feigling. Vielleicht spürst du es im Augenblick nicht, aber du hast etwas, wofür es sich zu leben lohnt. Du hast Glück.“
Seite 277

Endlich wusste sie, warum ihre Mutter den Regen so geliebt hatte. Das Leben war nicht perfekt, es musste auch nicht perfekt sein. Wenn es regnete, wurde alles andere fortgespült. Alles, was man an einem solchen Tag tat, wurde zu einem Geschenk, manchmal sogar zu einer Heldentat, von der niemand sonst wusste, weil alle anderen sich in ihren Häusern verkrochen.
Seite 285

„Jeder Mensch tut mindestens eine Sache im Leben, auf die er nicht stolz ist und die er sich selbst verzeihen muss“
Seite 296 


Ein bittersüßer Glücklichmacher, der, zugegebenermaßen, sogar meine Ansichten auf Lovestorys etwas ändern konnte.

5/7

ISBN: 978-3499291708
Zur Website der Autorin

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars!:)

Freitag, 9. Februar 2018

{Rezension} Nebula Convicto 1 - Grayson Steel und der verhangene Rat von London

Detective Grayson Steel bearbeitet im modernen London die unbequemen Fälle des Scotland Yard. Als er den rätselhaften Tod einer jungen Frau untersucht, stößt er auf Geheimnisse, die normalen Menschen verborgen bleiben.
Er wird in eine Gesellschaft hineingezogen, die verborgen neben der menschlichen Welt existiert; die Nebula Convicto ist durchsetzt von geheimen Räten, magischen Attentaten und Wesen, die eigentlich nur in Fabeln und Mythen existieren sollten. In der magischen Gemeinschaft soll Steel die Rolle eines Sonderermittlers übernehmen und binnen kürzester Zeit ein entführtes Mädchen finden. Rettet er das Kind nicht, bevor ein neuer Anführer der Nebula Convicto gewählt wird, droht die gesamte Welt in einem zweiten Mittelalter zu versinken.
Nur mittels seiner Fähigkeiten als Ermittler und seiner neu entdeckten Kraft, Magie widerstehen zu können, kann sich Steel im Londoner Untergrund zwischen Ghulen, Vampiren und anderen magischen Wesen zurechtfinden.

Figuren
Grayson Steel ist Sonderermittler bei New Scotland Yard. Seine Lebensmittelpunkte sind Kaffee, die Arbeit und Zynismus.- Bis er an einem Einsatzort, an dem eine Frau ermordet wurde, von einer übernatürlichen Kreatur, genauer gesagt einer Banshee, angegriffen wird. Von da an ändert sich für ihn alles, denn die Nebula Convicto ist auf ihn und seine Fähigkeiten aufmerksam geworden. Er bekommt einen Mentor: Morgan. Morgan ist das Sinnbild von dem, was ich mir unter einem britischen älteren Gentleman vorstelle und somit das perfekte Gegenteil von Grayson. Der weiß zwar bei „normalen“ Verbrechen, wie er vorgehen muss, doch sind magische Wesen für ihn Neuland. Außerdem ist er absolut nicht der Überheld, den man jetzt vielleicht erwartet hätte, sondern bekommt auch oft genug den Arsch versohlt, und dadurch eine doch relativ realistische Seite, wofür man ihn einfach gernhaben muss.

Schreibstil
Torsten Weitze hat mich ohne viele Worte direkt in ein nebelverhangenes, düsteres London geschickt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er sich sehr gekonnt ausdrückt. Ich habe selbst angefangen, beim Lesen Schatten um mich huschen zu sehen. Wenn ich von den Orten las, die er beschrieb, war ich wirklich da.



Inhalt
Die Banshee und allgemein eigentlich alle Kreaturen, die der Autor auf seine Protagonisten hetzt, sind in der Tat auch wirklich Schreckensvisionen und keine verschönten Zauberwesen. Ich war so froh, in dieser Welt voller „Monster“, die plötzlich glitzern, heiße Collegegänger sind und junge Frauen verführen, endlich mal wieder von wirklich blutdurstigen Biestern zu lesen, dass mein Monster liebendes Herz Sprünge gemacht hat. Torsten Weitze hat also schon mit seinem ersten Band der Nebula Convicto bewiesen, dass es auch anders geht und er nimmt sogar diese Umstände im Buch aufs Korn, was ihm gleich Sympathiepunkte bei mir eingebracht hat.
Es hat auch etwas Lustiges, wie Grayson, der hartgesottene Detective, diese ganze versteckte, magische Welt kennenlernt. Er wird mit ihr und der Nebula Convicto, der „Gemeinschaft des Nebels“, bekanntgemacht und nach anfänglichen Laufschwierigkeiten fühlt er sich auch dort wie ein Fisch im Wasser. Nichtsdestotrotz sickert seine „Elefant im Porzellanladen“-Attitüde doch manchmal noch durch, wobei er dabei zugegebenermaßen eher badass erscheint, auch, wenn seine Gedankengänge in den meisten Fällen anderes behaupten.
Mit der Zeit schafft es sein Mentor Morgan, ihn die Welt mit anderen Augen sehen zu lassen und gleiches hat der Autor auch bei mir als Leserin erreicht. Plötzlich wurde jeder Gegenstand, jedes historische Ereignis irgendwie – wenn auch auf grausige und dunkle Weise – magisch. Ich hab es ja sowieso sehr gern, wenn Bücher, die in „unserer Welt“ spielen, auch auf die Vergangenheit eingehen. Und wenn dann auch noch plötzlich herauskommt, dass die Pest nur durch die Dummheit einer Person durch einen Unfall herbeigeführt wurde... Da kann ich gar nicht anders, als ganz Feuer und Flamme für die Story zu sein. Aber auch abgesehen davon habe ich mit jeder Seite und jedem Schritt, den Grayson in seinen Ermittlungen gemacht hat, mitgefiebert. Jedes Kapitel ist vollgepackt mit Handlung und kein einziger Satz war mir zu viel. Ganz im Gegenteil.- Ich bin jetzt schon ganz gespannt auf die folgenden Bände und muss dringend herausfinden, wie ich den Autor bestechen kann, damit er Grayson irgendwann auch mal nach Finnland schickt.:D

Dies war eine der ersten Lektionen, die er als Ermittler gelernt hatte: Nimm jedes Lächeln mit, selbst, wenn es von den eigenen Witzen stammt. Man weiß nie, wie lange man auf das nächste warten muss.
Seite 8

Er löschte die Festplatte, dann hob er den Karton auf. Als er die Wohnung verließ, war ihm, als würde ein schweres Gewicht von seinen Schultern abfallen. Ohne sich noch einmal umzublicken, schloss er die Tür und ging leise vor sich hinsummend die Treppenstufen hinab und in ein neues Leben hinein.
Seite 273

Wer mal wieder Bedarf an einer super Story voller richtiger Monster und Spannung hat, sollte dringend einen Blick in dieses Buch werfen!

7/7

ISBN: 9783862825257
Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars!:)