Donnerstag, 1. September 2016

{Rezension} Ausradiert



Wie fühlt sich jemand, der auf einen Schlag für die gesamte Welt unbekannt geworden ist, an den sich weder die eigene Freundin noch die Kollegen erinnern?
Genau das passiert Moritz. 
Als er kurz darauf von nebulösen Erscheinungen angegriffen und beinahe getötet wird, ist das erst der Anfang eines schrecklichen Albtraumes.

Moritz, die Hauptfigur, ist Kameramann... Bzw. er war es, bis er aus dieser Welt gelöscht wurde. Er ist eine sympathische Figur, allerdings auch in seinem Wesen recht einfach gestrickt und nie so wirklich ehrlich fröhlich. 
Ein eigenartiger Einbrecher wirft außerdem viele Fragen auf, da es sich dabei um keinen Menschen gehandelt hat, Moritz aber auch felsenfest davon überzeugt ist, dass er sich die Kreatur aus Rauch und mit glühenden Augen nicht eingebildet hat. Er baut eine fragwürdige Beziehung zu Alkohol auf und steht nun hilflos allein in der Welt da, in der ihn weder seine Kollegen oder Freunde, noch seine Partnerin Amy, wiedererkennen und in der ihm seltsame grausame Wesen nach dem Leben trachten.
Um Nachforschungen anstellen zu können wirft sich Moritz also in ein Abenteuer, das schwer an Matrix erinnert, genauso das Hirn strapaziert und auf die gleiche Art und Weise mitreißt. Dabei verbündet er sich mit ein paar Menschen, deren Leben, genauso wie seines, am seidenen Faden hängen. Und wie spröde und dünn dieser Faden ist, wird immer wieder deutlich, wenn sich die Kreaturen ein weiteres Opfer holen... Überraschenderweise hat es Martin S. Burkhardt geschafft, einen Thriller voller Horror zu schreiben, ohne literweise Blut fließen zu lassen. (Wie ich es zumindest von den meisten Thrillern kenne.) Er hat seiner Kreativität offenbar einiges abverlangt, wenn nicht sogar alles, um dieses  Buch zu schreiben, denn nahezu kein Schritt ist vorhersehbar in dieser abgedrehten Geschichte. Lediglich eine Sache, die ich von Beginn an fragwürdig fand, hat sich tatsächlich auf das Ende ausgewirkt. Diesen Punkt möchte ich hier aber nicht verraten, da es sich auch um einen Zufall handeln könnte.

Die Story beginnt recht einfach und in einer simpel gestrickten Welt, in der jedoch mehr und mehr steckt, je weiter man liest. Die letzten Kapitel waren bemerkenswert fantasylastig im Vergleich zu den vorhergehenden, was ich persönlich allerdings weder als störend noch unpassend empfand.
Etwas am Ende hat mich trotzdem gestört. Ich kann es nicht genau benennen, das ich sonst zu viel verraten würde, aber so viel kann ich sagen: Die Handlung tröpfelt erst nur noch dahin, dann überschlägt sich alles auf einmal und schon ist es vorbei. 
Letztendlich habe ich dieses Buch aber nicht mehr aus der Hand legen können, bis es zu ende war.
Der Autor eröffnet das Buch mit einer packenden Szene, und zieht alle Register, damit die Spannung ebenso erhalten bleibt, wie der Drang danach, endlich alles aufzuklären. Trotz der aufgewirbelten Fragen bleibt der Schreibstil des Autors jedoch immer ruhig, überschlägt sich nie und hetzt auch nicht voran, obwohl die Kapitel nur so dahinfliegen.

Sie waren in Amsterdam zum Kiffen, in Kopenhagen bei öffentlichen Sexorgien und in Belfast, um gegen die Katholiken zu protestieren. Letzteres wurde ihnen aber bald schon zu gefährlich...
Seite 52

"[...] Noch ehe ich richtig begriff, was passierte, wurde seine Haut runzelig und seine Haare grau.Seine Wangen fielen ein und die ersten Zähne brachen ihm aus dem Mund. Er verwelkte vor meinen Augen, verlor den Halt und knallte mit seinem Kopf gegen den Rand der Wanne. [...] Es klang, als würde man eine zusammengeknüllte Zeitung gegen die Wand werfen. [...]"
Seite 141

Eine fulminante Story, die den Verstand anregt und eine Menge Inhalt bietet. Einen solchen Thriller hatte ich schon eine ganze Weile nicht mehr in den Händen. 
Für das Ende hätte sich der Autor zwar noch etwas Zeit nehmen können, aber das ist wohl Geschmackssache.

6/7


ISBN: 978-3-95835-110-3

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Vielen Dank an Autor und Verlag für die Bereitstellung des REs.:)

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