Montag, 11. Dezember 2017

{Rezension} Last Exit - Das Spiel fängt gerade erst an



Kaum ist der Bus angerollt und die Schüler der 8C auf dem Weg in die Schülerfreizeit, erhalten sie eine anonyme Nachricht: Im Bus ist eine Bombe versteckt! Niemand weiß, wer dahintersteckt und was der Unbekannte überhaupt will. Aber eins steht fest: Seine Drohung ist ernst zu nehmen. Valentin ist sich bald sicher, dass der Täter an Bord sein muss. Ein Motiv hätten viele, denn in dieser Klasse brodelt es schon seit langem.

Figuren
Es versteht sich eigentlich von selbst, dass man in einem Buch, das in einem vollbesetzten Schulbus spielt, auch auf viele Personen trifft. Die Autorin hat es jedoch geschickt angestellt und lässt den Leser nur ein paar Charaktere wirklich kennenlernen. Diese teilen sich im Wechsel in die verschiedenen Kapitel ein. Ich möchte an dieser Stelle aber nur zwei vorstellen:
Valentin tritt als Erster auf. Er nimmt sich der Rolle des Ermittlers an, als die Nachricht eintrifft, dass sich eine Bombe in dem Reisebus befindet, mit dem die 8c eigentlich in die Ardennen fahren wollte. Abgesehen davon ist er der Außenseiter der Klasse, welcher sich jedoch im Verlauf der Geschichte behaupten wird.
Sein „Gegenstück“ ist Driss. Er ist derjenige, der die fertigmacht, die ihm im Weg stehen. Dass mehr dahintersteckt als pure Böswilligkeit bemerkt man jedoch auch schnell. Denn durch verschiedene Rückblenden in die Leben einzelner Personen lässt sich leicht in Erfahrung bringen, warum es zu gewissen Situationen in der Klasse gekommen ist. Ein richtiges „Brodeln“, wie es im Klappentext heißt, würde ich es aber trotzdem nicht nennen.
Neben diesen beiden, ich wage es mal zu behaupten, Hauptcharakteren, treten noch viele andere Klassenmitglieder und die zwei Lehrer auf. Auch ein paar von ihnen bekommen ihre eigenen Kapitel und nach und nach ist irgendwann jeder einmal verdächtig.


Schreibstil
Da es sich bei „Last Exit“ und ein Jugendbuch handelt, ist der Schreibstil der Autorin relativ einfach gehalten. Das Buch lässt sich mit 272 Seiten schnell durchlesen. 
Mirjam Mous muss ich jedoch anrechnen, dass sie es tatsächlich geschafft hat, mich immer wieder völlig in die Irre zu führen. Mal ist jeder verdächtig, dann macht es bei niemandem wirklich Sinn, warum ausgerechnet er/sie die Bombe in den Bus geschmuggelt haben sollte. Sie lockt immer wieder auf falsche Fährten und versteckt den wahren Täter bis zum Ende hin wirklich sehr gut.
Leider kam jedoch für mich nie wirklich richtige Spannung auf. Natürlich wollte ich wissen, wer denn nun der Bombenleger ist, doch der Text ist an manchen Stellen doch etwas schlaff dahingeschrieben, weshalb eine wirkliche Panik in der Klasse nie zu spüren war.


Inhalt
Es ist ja bereits bekannt, dass die Bombe nur die Spitze des Eisbergs ist. Jeder im Bus hat sein Päckchen zu tragen und die meisten von ihnen sind wirklich nicht zu beneiden. Und entgegen meiner Erwartungen lauert auf die Schüler eine tatsächliche Gefahr. Denn ich muss zugeben, dass ich lange Zeit nicht geglaubt habe, dass die Bombe echt ist und sich am Ende vielleicht alles nur als schlechter Scherz herausstellt.
Die Autorin hätte ziemlich viel aus der potentiellen Angst der Anwesenden machen können. Echte Panik, Zusammenbrüche oder Lebensangst trifft man jedoch eher spärlich an. Stattdessen liest man viel über die typischen Probleme in der Jugend: Mobbing, der Wunsch, ein Teil von etwas zu sein, Geld, Verknalltheit... Natürlich müssen diese Themen zwangsläufig in einem Bus voller Pubertierender auftreten, doch nehmen sie meiner Meinung nach zu viel vom Inhalt ein. Letztendlich haben mich Titel und Klappentext etwas völlig anderes erwarten lassen.- Nämlich wirklichen Horror. Die Angst davor, dass ein Bus jederzeit in die Luft fliegen könnte hätte alles ausfüllen müssen. Todesangst eben. Stattdessen wirkt das Ganze geradezu heruntergespielt. Leider.

"Bitte, hilf uns!"
Dieser Drecksklasse?
Seite 198


Wäre ich mit anderen Erwartungen an dieses Buch herangegangen, hätte es mich vielleicht sogar überrascht. Auch, wenn es bis zum Ende hin ein Rätsel war, wer der Täter ist, kam nie wirklich packende Spannung auf. Schade. Hier hätte die Autorin viel mehr über die Stränge schlagen können. Das Potential war da.

4/7

ISBN 978-3-401-60367-4

Weitere Bücher der Autorin:
    

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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